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Alle Artikel kategorisiert unter »Pop-Rockmusik«

Nachschub

01.02.02 (Helmut Hein) -

Die Erfindung des Rock’n’Roll war ein Kompromiss und ein Notbehelf: Die Musik der Schwarzen war in den frühen 50er-Jahren einfach besser, aufregender, „sexier“ – aber sie war „misfit“, nicht gesellschaftsfähig. Sie blieb beschränkt aufs Ghetto, auf die eigene Ethnie, kurz: „race music“. Wenn der R’n’B eine Chance bei den weißen Mittelstands-Kids haben wollte, dann musste er zuvor weiß (gewaschen) werden. Spätestens bei Elvis wurde die Rebellion intim und privat: nicht mehr Rassen- oder Klassenkampf, sondern nur noch „teenage riot“, sexuelle Revolution aus dem Geist der Nach-Pubertät.

Hits & Clips

01.02.02 (Stefan Raulf) -

Das wird im Bravo-Pop zurzeit also als „tolle Stimme“ ausgelobt: ein knarriges, ornamentöses Gekeife, das sich schon jetzt im Twen-Alter wie Tina Turner mit sechzig anhört. Immerhin unterstreicht „Paid My Dues“, dass das Klischee der „Rock-Röhre“ auch mit dem allgegenwärtigen R&B-Diktat unter einen Hut zu bringen ist. In das Arrangement wird alles hineingepackt, was noch einen Käufer mehr anfixen könnte: von sanften Soulbackground-Vocals über kurze Rap-Momente bis zur gedoppelten Vocal-Akrobatik des typischen „wohahohaoh“; vom vollsten Streichereinsatz über den klaren Piano-Sound bis zur quiekenden E-Gitarre. Und weil sich diese Geschütze in ihrer musikalischen Wirkung bald gegenseitig eliminiert haben, bleibt am Ende nur das Mittel der Rückung, um die Nummer nicht absaufen zu lassen. Das Video zeigt zudem, dass die ehemalige Hintergund-Tänzerin in HipHop-Clips recht ulkige, ungelenke Verrenkungen vollbringen muss, um das Stil-Mischmasch gestisch und mimisch wiederzugeben.

Liverpools „dritter Mann“

01.02.02 (Viktor Rotthaler) -

Seit dem 29. November sind Lennon und Harrison wieder vereint, irgendwo im Nirwana. John Lennon hat Harrison den „Unsichtbaren“ genannt. Immer ist er im Schatten gewesen bei den „Fab Four“ und doch hat er den Sound der Beatles entscheidend mitgeprägt. Unverkennbar seine Twelve-String-Rickenbacker beim Arpeggio von „A Hard Day’s Night“ und seine Sitar bei „Within You Without You“. „Sexy Sadie“ nannte Lennon verächtlich den Maharischi, zu dem Harrison die Beatles geschleppt hatte. Doch Harrison träumte weiter von Erleuchtung und widmete „Krishna“ sogar ein Lied, das nach der Trennung der „Fab Four“ zum Welthit werden sollte: „My Sweet Lord“. Die Melodie freilich borgte er sich von einem 63er-Hit der „Chiffons“: „He’s So Fine“. Und so musste er über eine halbe Million Dollar Schadensersatz zahlen. Genau 31 Jahre nach Erscheinen der Platte führt „My Sweet Lord“ nun erneut die englische Hitparade an. Seine schönsten Songs hat Harrison freilich schon bei den Beatles geschrieben: „While My Guitar Gently Weeps“, „Here Comes The Sun“ und „Something“. Komponiert hatte Harrison diesen Evergreen, den viele irrtümlich sogar als Lennon/McCartney-Song betrachten, schon während der Aufnahmen zum „White Album“. Aber erst am 15. August 1969 ist unter der Leitung von Mastermind George Martin die endgültige Fassung entstanden, die im Oktober die amerikanischen Charts stürmte, als Rückseite von „Come Together“. „Something“ wurde zum Klassiker. Neben „Yesterday“ gehört der Song zu den meist gespielten Liedern des Beatles-Katalogs. Harrisons Lieblingsversion croonte James Brown. Und diese drehte sich dann auch immer in seiner eigenen Jukebox.

Die Echtzeit-Glücksmaschine

01.02.02 (Helmut Hein) -

Sie waren die Newcomer des Jahres 2001: beigeGT, eine Band(e), die die Pop-Welt erneuert, weil sie sich auf deren älteste Kräfte und Motive besinnt. Pop-Musik verdankt sich, wie die Liebe, einem Paradox. Dass sie immer wieder neu beginnt, obwohl sie uralt ist. Wer anfängt, weiß zwar, dass andere längst am Ende sind, aber er spürt und glaubt es nicht. Und es gibt ein weiteres Paradox, das mit dem ersten zusammenhängt: Es gibt nichts Trostloseres, als eine alte Band, die partout Kraft und Optimismus verbreiten möchte – und nichts Euphorischeres als eine junge Band, die cool und zynisch ist. Nietzsche, der Sexy-Philosoph auch der jüngeren Generation, formulierte das so: Nur wer über einen starken Glauben verfügt, kann es sich leisten, zu zweifeln.

Auf der Suche nach dem gemeinsamen Nenner

01.12.01 (Sven Ferchow) -

Die B.A.ROCK (Bundesarbeitsgemeinschaft der Musikinitiativen e.V.) hatte zusammen mit dem ABMI/Rock.Büro Süd und dem Deutschen Musikrat die Diskussion über die Popmusikförderung in Gang gebracht. In Germering wurde dieses Thema nun vom 16. bis 18. November in diversen Foren und unter Beteiligung von Vertretern aus Politik und Wirtschaft problematisiert.

Nachschub

01.12.01 (Helmut Hein) -

Die „wiedergefundene Zeit“ Marcel Prousts ist unendlich dicht. An jedem Ort gespenstert es, weil das auslösende Ereignis andere in Erinnerung ruft, weil jedes Gefühl und jeder Gegenstand Teil nicht nur einer, sondern vieler Geschichten ist. Was die Gegenwart zum Leuchten bringt ist die Vergangenheit: noch das scheinbar banalste Vorkommnis wird zur Pforte des absoluten Glücks und des totalen Schreckens. Etwas Neues beginnt, indem etwas Altes, das man gewohnt war und das man geliebt hat, aufhört. Peter Bogdanovich erzählt in seiner legendären „Last Picture Show“, wie in einer staubigen Kleinstadt irgendwo in Texas in den 50er-Jahren das Kino verschwindet, weil sich das Fernsehen in den Zimmern, aber auch in den Leben und in den Herzen breit macht. Es ist ein wehmütiger Film; wie alle, die von Verlust und Abschied handeln. Und es geht noch um eine zweite Passage: nicht nur die von der großen Leinwand zum kleinen, aber allgegenwärtigen Bildschirm, sondern auch die von der Grenzenlosigkeit und Unschuld der Jugend zu einem Erwachsenenleben, das immer schon festzustehen scheint, weil ihm Sünde und Kalkül eine klare Kontur verleihen. Das Wichtigste und Erschütterndste an Bogdanovichs Film war sein Soundtrack: diese endlose Folge herzzerreißend-melancholischer Hank Williams-Songs, die schon damals, Anfang der 70er-Jahre, in einer völlig anderen Umgebung, so verschollen und so ergreifend wie nur möglich schienen. Wenn dieser Cowboy jodelte und sein trügerisches Herz beschwor, dann wurde selbst der abgebrühteste Post-68er-Student auf magische Weise mit ihm eins.

Ticktackoma

01.12.01 (Wieland Ulrichs) -

Regionalsprachen und Dialekte verfügen über eine Anzahl charmanter und treffender Ausdrücke für manche vermeintliche Nichtigkeit, die dem stromlinienförmigen Hochdeutsch fehlen und daher (wie auch allerhand jiddische Wörter) gerne übernommen werden. Dem Niederdeutschen, vulgo: Platt, verdanken wir so etwa das Kuddelmuddel und den Wonneproppen; jeder Versuch, dies kongenial zu übersetzen, muss einfach scheitern. Natürlich darf man über Mundartlieder schmunzeln, es gibt ja auch so etwas wie Regionalhumor. Während wir das Hochdeutsch für Zahlen, Daten, Fakten, Bits und Bytes et cetera benutzen, sind die „Niedersprachen“ für Emotionales geradezu prädestiniert – also auch für die Liebe.

Hits & Clips

01.12.01 (Stefan Raulf) -

Ein junges Mädchen kommt mit der kleinen Schwester vom Land, wo sie in ärmlichen Verhältnissen lebt, in die Stadt. In der Disco bezaubert sie mit ihrer Natürlichkeit alle Jungs, aber sie tanzt doch nur fürs Schwesterchen. Soweit das Video. Je harmloser man es zu beschreiben versucht, desto unheimlicher wird einem diese französische Päderasten-Kompatibilität, für die die 15-jährige Korsin Alizée benutzt wird. Hier ein Augenaufschlag, da der typische schief gelegte Kopf, dann ein unschuldiges Tänzchen, und dazu singt sie im weichen Europop-Sound, dass sie Lolita heiße, Wasser des Lebens, Wasser wie Liebessintflut. Das Ganze beginnt mit Geigen, zu denen ein sanfter Technosound-Rest die übliche Kadenzhörigkeit unterstreicht, der Beat beginnt im Midtempo zu klopfen, der Rest wird durch das sukzessive Hinzufügen von Fülle geregelt: unten eine gezupfte akustische Gitarre, mittendrin Verstärkung des Beats, und obendrüber noch ein paar Discogeigen.

Wie der Jazz auf den Elch gekommen ist

01.12.01 (Andreas Kolb) -

Es war die Idee von Joachim Sartorius, neuer Chef der Berliner Festspiele, nach der mehrjährigen Ägide unter Albert Mangelsdorff in Zukunft jährlich einen neuen künstlerischen Leiter fürs Jazzfest zu nominieren. Er beauftragte Nils Landgren unter dem Titel „Northern Jazzposure“ für fünf Tage Musiker aus Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island aufs Jazzfest Berlin einzuladen. Der schwedische Posaunist holte die Stars, aber auch die Newcomer der skandinavischen Szene und das Publikum strömte. Im Programmheft fanden sich viele unbekannte Namen, und man konnte manche Entdeckung machen – wenn man seine afroamerikanisch-zentrierte Brille absetzte.

Musik von den Rändern der Ozeane

01.12.01 (Ssirus W. Pakzad) -

Zufrieden nuckelt er auf dem Plakat zum 32. Deutschen Jazzfestival Frankfurt an einem Zigarrenstummel, und auch der Sonnenhut signalisiert, dass es sich bei dem Mann, der den Kontrabass an die linke Schulter gelehnt hat, wohl um einen gemütlichen älteren Herren handeln muss, der keiner Fliege was zu Leide tun kann. Denkste. Charles Mingus hatte den Ruf eines Cholerikers, eines Berserkers weg – aber wenigstens führte die Aggression, die er auslebte, zu etwas Konstruktivem. Seine Mitmusiker hat er öfters ohne Rücksicht öffentlich beschimpft und gedemütigt, und die Musik brach er auf der Bühne schon mal radikal ab, wenn sie nicht so funktionierte, wie er es sich vorstellte.

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