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Alle Artikel kategorisiert unter »Portrait«

Kompositionsauftrag aus höchsten Regierungskreisen

21.09.18 (Andreas Kolb) -
Mitte Mai vor einem Jahr lud der chinesische Staatschef Xi Jinping Vertreter von mehr als hundert Ländern nach Peking. Aus Berlin kam die damalige deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Die Kommunistische Partei feierte damit den Entwicklungsplan „Neue Seidenstraße“, eine von Xi Jinping ausgerufene Initiative, welche die Staaten entlang Chinas alter Handelsrouten zu Lande und zur See enger an das Reich der Mitte binden soll. Kulturell fand dieser Entwicklungsplan „Neue Seidenstraße“ unter anderem in einem Auftrag an den deutschen Komponisten Enjott Schneider Ausdruck. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Seidenstraßen-Gipfel fand in Guangzhou und anschließend in Peking die Uraufführung seiner Oper „Marco Polo“ statt. Schneider vertonte ein chinesisches Libretto des Stoffs und stellte dem abendländisch-klassischen Orchester ein chinesisches Ensemble zur Seite. Andreas Kolb stellte ihm einige Fragen zum neuen Reich der Musik.

Ansichten des Augenblicks

19.09.18 (Dirk Wieschollek) -
Als Zeynep Gedizlioğlu im Mai den Heidelberger Künstlerinnenpreis entgegennahm (und sich damit in die Riege prominenter Vorgängerinnen wie Olga Neuwirth, Isabel Mundry, Adriana Hölszky oder Sofia Gubaidulina einreihte), war laut Jury einer der Gründe, dass die türkische Komponistin einen „kompromisslosen, transkulturellen Stil“ etabliert habe, der „persönliche Erfahrungen und politischen Protest“ in dichten Klangtexturen amalgamiert.

Tischtennis-Doppel und andere prägende Erfahrungen

07.09.18 (Corina Kolbe) -
Mehr als 20.000 Zuschauer drängen sich an jenem Abend auf den steilen Rängen der Berliner Waldbühne. Im Orchester zückt jemand eine Kamera und fotografiert dieses schier unendliche Menschenmeer, wie man auf einem privaten Schnappschuss sehen kann. „Es war ein gigantisches Erlebnis, wir befanden uns alle in einer Art Ausnahmezustand“, beschreibt der in Ost-Berlin aufgewachsene Bratscher Thomas Selditz seine Eindrücke vom Freiluftkonzert des Gustav Mahler Jugendorchesters am 6. August 1988.

Ein Seelenverwandter Mahlers

07.08.18 (Liudmila Kotlyarova) -
Während des jährlichen Diaghilev Festivals wird die Stadt Perm im Ural zum größten Anziehungspunkt der russischen Kulturszene – und zugleich Rückzugsort ihres größten Idols: Teodor Currentzis. Als künstlerischer Leiter des örtlichen Theaters für Oper und Ballett wirkt er immer noch in Russland; ab September wird Currentzis der neue Chefdirigent des SWR-Orchesters.

Vom neuen Geist im alten Material

12.07.18 (Gerhard R. Koch) -
Was ist Musik? „Alles, was nicht nur Gymnastik ist“, definierte fröhlich resigniert der Wiener Komponist und Pianist Otto M. Zykan. Und zielte damit satirisch auch auf den choreographischen Zirkus mancher Pultstars, nicht aber auf das Sichtbare des Tönenden im Theater. Was aber ist ein Dirigent?

Aus dem Moment heraus

27.06.18 (Ssirus W. Pakzad) -
Dieser Tage ist der Regensburger Pianist Lorenz Kellhuber alleine unterwegs. Mit Gepäck zwar. Aber ohne Noten. Denn der 28-Jährige vertraut zunehmend auf seinen Instinkt, seine Vorkenntnisse, sein Formbewusstsein, seine Musikalität. Auch wenn er sich im festen Trio mit dem Bassisten Arne Huber und dem Schlagzeuger Gabriel Hahn die Bühne teilt, bringt er vorher bestenfalls ein paar skizzenhafte Aufzeichnungen mit, ein paar Fragmente. Der Rest ist reine Improvisation.

Lebe dein Leben und deine Musik

13.06.18 (Georg Beck) -
Wer sich ihren Terminkalender, ihre Repertoireliste anschaut, glaubt ihr „neue musik leben“, diesen schönen, diesen redenden Titel für ihren brandneuen Podcast sofort. Irene Kurka lebt in der Neuen Musik, lebt für sie.

Optimale Rahmenbedingungen schaffen

24.05.18 (Georg Rudiger) -
Seit 1. September 2017 ist Andrea Zietzs­­chmann als Nachfolgerin von Martin Hoffmann Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker. Georg Rudiger hat sie im Festspielhaus Baden-Baden bei den Osterfestspielen getroffen. Ein Gespräch über den Reiz der Eigenverantwortung, Verjüngung des Publikums und über die Stärken von Kirill Petrenko.

Hyperaktives Sensorium

09.05.18 (Dirk Wieschollek) -
„Wir laden unsere Batterie/Jetzt sind wir voller Energie/Wir sind die Roboter“ tönt es zu Beginn von Kraftwerks zukunftsweisendem Album „Mensch-Maschine“ und dieses „Wir“ war schon 1978 mehr als das lyrische Ich der Maschine, sondern auch aus der Perspektive der Menschen gesprochen, die sich auch jenseits der Kraftwerk-Bühne allmählich anschickten, sich in androide Mischwesen zu verwandeln. Hatten Kraftwerks technisch-soziale Utopien zu Beginn des PC-Zeitalters noch die Aura von Science-Fiction, sind die Vermischungen von Mensch und Technik, Lebenswirklichkeit und digitaler Konstruktion zu Beginn des 21. Jahrhunderts in jede Faser des Alltags eingedrungen.

So wach und aktiv wie lange nicht mehr

27.04.18 (Wolf Loeckle) -
Städten mag es ergehen wie einzelnen Menschen. Kommen doch auch die daher wie ein Star, als Diva, als Machtexponent, als Kümmerling. Sie können Objekt des Hasses werden. Oder womöglich blind machender Liebe. Der bayerischen Landeshauptstadt München widerfährt beides im Übermaß. Doch auch Kollegen gewissermaßen wie Berlin oder Wien erleben solches. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verwandelt München sich in die Stadt einer „verrückten Utopie“. Es war, als hätte München sich auf dem Planeten weiter nach unten bewegt, weiter nach Süden „in Richtung Sonne, Lässigkeit, Schönheit, Meer“. Mediterrane Visionen.
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