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Alle Artikel kategorisiert unter »Portrait«

Leidenschaftlicher symphonischer Architekt

02.03.21 (Christoph Schlüren) -
Zu einer Zeit, als der kreative Krieg der 1920er-Jahre zwischen Avantgarde und Tradition zu einem Kalten Krieg der Ideologen erstarrt war, taten sich jene Komponisten bei den öffentlichen Meinungsbildnern schwer, die sich nicht klar abgrenzten von überlieferten Werten. Noch in seinem letzten Lebensjahr sagte mir Günter Bialas, nichts sei gefährlicher als „der Beifall von der falschen Seite“. (Interessant ist hier natürlich auch der aktuelle politische Bezug.) Jene Epoche der radikalen Ausgrenzung der vorgeblich Rückständigen aus dem ästhetischen Diskurs wurde in den 1950er-Jahren eingeläutet und ver­lief sich ab den 1990er Jahren in einem nicht enden wollenden Decrescendo – für viele Komponisten, die sich dem seriell-fragmentarischen Zeitgeist nicht beugen wollten, zu spät.
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Vom Vorzeigemädchen zur Staatsfeindin

24.02.21 (Georg Rudiger) -
Musikalische Träume, potenzielle Staatsfeindin, Leben im Stillstand, Klassikzirkus-Abwehr – Franziska Pietschs problematische deutsch-deutsche Lebensgeschichte steht auch in ihrer künstlerischen Vita, weil die Musik für die Geigerin überlebenswichtig war und es immer noch ist.

Auf der Bühne stehen, da bin ich in meinem Element

21.02.21 (Ursula Gaisa) -
Die 1986 in Titisee/Neustadt geborene Magdalena Ganter hat getanzt, bevor sie gehen konnte und gesungen, bevor sie sprechen konnte. Im Schwarzwald werden Familienfeste immer groß und wild gefeiert – mit Musik und vor allem auch mit Tanz, so hatte sie einen sehr natürlichen Zugang zur Musik. Also war es auch kein Wunder und fast unvermeidbar, dass sie Sängerin wurde: „Das war so natürlich und klar und kein großes Ding. Zu Hause, ich komme ja aus einer Zimmerei, hat man mich sowieso immer gehört. Und weil es dort eh laut war, hat es auch keinen so dolle gestört. Die haben sich gefreut, sie haben mich sehr unterstützt.“

Pfotenabdrücke in nassem Zement

19.02.21 (Dirk Wieschollek) -
Alles schon gemacht und getan, gedacht und geschrieben, gesehen und gehört, das x-te Mal das Rad neu erfunden. Nicht selten ertappt man sich dabei, in diesen skeptizistischen Tenor einzustimmen, der das Vertrauen ins Innovationspotenzial von Gegenwartskomposition seit längerem in Frage stellt, auch wenn derartige Verdikte im Grunde auf einem in die Jahre gekommenen Fortschrittsbegriff fußen. Allen Unkenrufen zum Trotz müht sich auch die musikalische Kunst doch immer neu und anders voran, wenn auch weniger mit neuen Materialversprechen als den aktuellen Verheißungen und Möglichkeiten digitaler Transformation und Kontextualisierung.

Mehrdimensionalität der Wahrnehmung

10.12.20 (Gisela Nauck) -
Die Kompositionen von Paul-Heinz Dittrich sind künstlerische Zeugnisse eines wagemutigen Individualismus. Sein Schaffen zeichnet sich, wie das anderer in der DDR lebender Komponisten seiner Generation, durch eine Besonderheit aus: Es entwickelte sich in zwei grundlegend verschiedenen Gesellschaftssystemen, in denen Kunst und Kultur einen jeweils anderen Stellenwert hatten: zuerst innerhalb des diktatorischen Sozialismus der DDR, dann innerhalb der Gesellschaft der wiedervereinigten BRD.

Musik dorthin bringen, wo sie gebraucht wird

28.11.20 (Stefan Pieper) -
In seinem Reisepass steht unter Nationalität nur der Buchstabe x. Aeham Ahmad wurde in Palästina geboren, einem bis heute offiziell nicht anerkannten Land. Seine Familie musste fliehen. Er wurde im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk groß, ergriff von dort im Jahr 2015 die Flucht und lebt heute in Deutschland. Das ist die eine Seite der Realität. Die andere Seite im Leben von Aeham Ahmad wird erfahrbar, wenn man ihn spielen hört  …

Ätherische Welten

24.11.20 (Ssirus W. Pakzad) -
Auf George Gershwin geht folgende Aussage zurück: „Life is a lot like Jazz...it´s best when you improvise.“ Im Frühjahr hat Matthieu Bordenave gemerkt, dass an dieser Einschätzung was dran ist. Denn da musste der in München lebende Franzose auf die harte Tour lernen, auch abseits der Bühne aus dem Stegreif heraus zu agieren. Wie so viele andere seiner Kollegen auch.

Die beste aller Welten, unter den gegebenen Bedingungen

09.09.20 (Verena Fischer-Zernin) -
Sanft rollt eine Sextolenbewegung aus dem Lautsprecher: Schubert, Impromptu Ges-Dur. Bis auf einen Metallständer mit einer nackten Glühbirne ist der Saal weitgehend leer. Die Aufmerksamkeit wird sofort von den beiden Tänzern absorbiert: von den mühelos fließenden Bewegungen, mit denen ihre Körper kommunizieren, von der Spannung, die dabei entsteht. Mitten im Pas de deux bleibt Edvin Revazov wie angewurzelt stehen, und Anna Laudere sinkt unter seinen immer noch erhobenen Armen zusammen. Dreht sich weg. Geht ihm verloren.

Am dünnen Docht der Gegenwart

27.08.20 (Rainer Nonnenmann) -
Am 10. August 1970 nahm sich Bernd Alois Zimmermann in seinem Haus in Groß-Königsdorf bei Köln das Leben. Selbst für Menschen seines nächsten Umfelds erfolgte dieser Selbstmord aus „heiterem Himmel“. Doch im Rückblick auf die letzten Lebens- und Schaffensjahre des Komponisten verdichten sich – bei aller Vorsicht gegenüber voreiligen Deutungen des Lebens im Werk – düstere Vorzeichen, die ihn schließlich zu dieser Verzweiflungstat trieben: psychische, physische, private, politische und künstlerische.
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