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Länger, schöner, bayerischer

30.01.19 (Roland Spiegel) -
Ein Ort, der swingt. Auch wer nicht wegen des Jazz nach Burghausen kommt, kann während bestimmter Tage im März die Hinweise auf das Festival gar nicht übersehen. Schon an den Orts-einfahrten stechen knallgelbe Straßenschilder ins Auge, die in Richtung „JAZZ“ weisen. In Schaufenstern funkeln Trompeten oder Saxophone zwischen Weinflaschen hervor, eine alte Tuba schmiegt sich an ein Nachthemd. Auf dem Stadtplatz, dem zentralen Anlaufpunkt der Altstadt, wenige Schritte von der Brücke über die Salzach entfernt, über die man in den Ort Ach gelangt, der bereits in Österreich liegt, wehen lange, farbige Fahnen für den Jazz. Und wenn man Glück hat, wie etwa im Jahr 2018, bietet das ebenfalls am Stadtplatz liegende, aus den 1950er Jahren stammende und mit charmanter Patina belegte „Anker“-Programmkino in der Festival-Woche eine kleine JazzFilm-Reihe an.

Lebensmut haben, Brücken bauen

21.11.18 (Georg Beck) -
Berlin, Konzerthaus am Gendarmenmarkt, im Juni – Samuel Adler hat Humor. Und Freude daran, ihn mit anderen zu teilen. Sicher, da sind diese bitteren Erfahrungen, die mit seiner Emigration aus Nazideutschland zusammenhängen. So weit das alles zurückliegt, es ist präsent, abrufbar. Wie jetzt, beim Gesprächskonzert des Berliner Geschichtsvereins musica reanimata, zu dem er als Ehrengast geladen ist. Ein hervorragend besuchter Abend, ein abwechslungsreiches Programm, exzellente Ausführende und ein Samuel Adler, Jahrgang 1928, der von der Schule erzählt, in die er nicht mehr gehen durfte, von seinem jüdischen Geigenlehrer, der ihn jeden Tag unterrichtete, weil er Hunger hatte. Diese Dinge.

Zurück in die Zukunft

25.10.18 (Marco Frei) -
Er ist ein Garant für erfolgreiche Verjüngungskuren. Jedenfalls hat Kevin John Edusei die Münchner Symphoniker grundlegend erneuert und zeitgemäß aufgestellt. Als Chefdirigent konnte der gebürtige Bielefelder seit 2014 nicht nur wichtige Positionen im Orchester neu besetzen oder bei Gastdirigenten und Solisten verstärkt auf junge Kräfte setzen. Vielmehr ist ihm zugleich eine klare interpretatorische und programmatische Positionierung gelungen.

Songs als Merkzettel an die Welt

19.10.18 (Thomas Otto) -
Gundermann? War das nicht dieser Baggerfahrer, der nebenher Lieder geschrieben und in einer Band gespielt hat und sogar Bob Dylan getroffen hat? Haben sie den zu Ost-Zeiten nicht aus der Armee und später aus seiner Partei rausgeschmissen? Und hat der nicht nach der „Wende“ bei seinen Konzerten öffentlich gemacht, dass er jahrelang bei der Stasi war? Ja, das war Gundermann. Malocher und Poet, rücksichtslos gegen sich selbst, ungeduldig gegen alles und jeden, nassforsch und direkt, naiv und oberschlau – als er starb, war er gerade einmal 43 Jahre alt. Und jetzt gibt es einen großartigen Film über diesen Mann: GUNDERMANN. Andreas Dresen hat ihn gedreht, nach einem Drehbuch von Laila Stieler. Insgesamt zehn Jahre lang waren die beiden mit diesem Projekt beschäftigt.

Kompositionsauftrag aus höchsten Regierungskreisen

21.09.18 (Andreas Kolb) -
Mitte Mai vor einem Jahr lud der chinesische Staatschef Xi Jinping Vertreter von mehr als hundert Ländern nach Peking. Aus Berlin kam die damalige deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Die Kommunistische Partei feierte damit den Entwicklungsplan „Neue Seidenstraße“, eine von Xi Jinping ausgerufene Initiative, welche die Staaten entlang Chinas alter Handelsrouten zu Lande und zur See enger an das Reich der Mitte binden soll. Kulturell fand dieser Entwicklungsplan „Neue Seidenstraße“ unter anderem in einem Auftrag an den deutschen Komponisten Enjott Schneider Ausdruck. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Seidenstraßen-Gipfel fand in Guangzhou und anschließend in Peking die Uraufführung seiner Oper „Marco Polo“ statt. Schneider vertonte ein chinesisches Libretto des Stoffs und stellte dem abendländisch-klassischen Orchester ein chinesisches Ensemble zur Seite. Andreas Kolb stellte ihm einige Fragen zum neuen Reich der Musik.

Ansichten des Augenblicks

19.09.18 (Dirk Wieschollek) -
Als Zeynep Gedizlioğlu im Mai den Heidelberger Künstlerinnenpreis entgegennahm (und sich damit in die Riege prominenter Vorgängerinnen wie Olga Neuwirth, Isabel Mundry, Adriana Hölszky oder Sofia Gubaidulina einreihte), war laut Jury einer der Gründe, dass die türkische Komponistin einen „kompromisslosen, transkulturellen Stil“ etabliert habe, der „persönliche Erfahrungen und politischen Protest“ in dichten Klangtexturen amalgamiert.

Tischtennis-Doppel und andere prägende Erfahrungen

07.09.18 (Corina Kolbe) -
Mehr als 20.000 Zuschauer drängen sich an jenem Abend auf den steilen Rängen der Berliner Waldbühne. Im Orchester zückt jemand eine Kamera und fotografiert dieses schier unendliche Menschenmeer, wie man auf einem privaten Schnappschuss sehen kann. „Es war ein gigantisches Erlebnis, wir befanden uns alle in einer Art Ausnahmezustand“, beschreibt der in Ost-Berlin aufgewachsene Bratscher Thomas Selditz seine Eindrücke vom Freiluftkonzert des Gustav Mahler Jugendorchesters am 6. August 1988.

Ein Seelenverwandter Mahlers

07.08.18 (Liudmila Kotlyarova) -
Während des jährlichen Diaghilev Festivals wird die Stadt Perm im Ural zum größten Anziehungspunkt der russischen Kulturszene – und zugleich Rückzugsort ihres größten Idols: Teodor Currentzis. Als künstlerischer Leiter des örtlichen Theaters für Oper und Ballett wirkt er immer noch in Russland; ab September wird Currentzis der neue Chefdirigent des SWR-Orchesters.

Vom neuen Geist im alten Material

12.07.18 (Gerhard R. Koch) -
Was ist Musik? „Alles, was nicht nur Gymnastik ist“, definierte fröhlich resigniert der Wiener Komponist und Pianist Otto M. Zykan. Und zielte damit satirisch auch auf den choreographischen Zirkus mancher Pultstars, nicht aber auf das Sichtbare des Tönenden im Theater. Was aber ist ein Dirigent?

Aus dem Moment heraus

27.06.18 (Ssirus W. Pakzad) -
Dieser Tage ist der Regensburger Pianist Lorenz Kellhuber alleine unterwegs. Mit Gepäck zwar. Aber ohne Noten. Denn der 28-Jährige vertraut zunehmend auf seinen Instinkt, seine Vorkenntnisse, sein Formbewusstsein, seine Musikalität. Auch wenn er sich im festen Trio mit dem Bassisten Arne Huber und dem Schlagzeuger Gabriel Hahn die Bühne teilt, bringt er vorher bestenfalls ein paar skizzenhafte Aufzeichnungen mit, ein paar Fragmente. Der Rest ist reine Improvisation.
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