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Des Zettelkastens wundersame Auferstehung

03.02.14 (Rainer Nonnenmann) -
Bis zum 3. März 2009 stand an der Kölner Severinsstraße das Historische Archiv der Stadt (HAStK). Heute klafft dort eine tiefe Grube. Verursacht durch den U-Bahn-Bau der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) – die fatalerweise als Bauherr und Bauaufsicht zugleich firmierten – stürzten damals das komplette Archivgebäude und zwei angrenzende Wohnhäuser fast dreißig Meter tief in den unmittelbar vor den Gebäuden offen verlaufenden U-Bahn-Schacht. Mit zwei Menschenleben versanken damals auch dreißig Regalkilometer Archivgut aus 1200 Jahren Stadt-, Regional- und Kirchengeschichte. Was viele Generationen geduldig zusammengetragen und unter Mühen durch alle Unbilden der Zeiten gerettet hatten, verschwand schlagartig unter Trümmern und Staub, so auch kostbare Musikalien des städtischen Gürzenich-Orchesters und der Oper Köln sowie die Nachlässe von Ferdinand Hiller, Franz Wüllner, Fritz Steinbach, Hermann Abendroth, Günter Wand, Hans Mayer, Bernd Alois Zimmermann und Mary Bauermeister, um nur einige zu nennen.

Moskau ist weit weg – im fernen Ural blüht das Musikleben

03.09.13 (Regine Müller) -
Die Uralregion zählt zu den reichsten Landstrichen der Russischen Föderation. Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert werden dort Bodenschätze wie Uran, hochwertige Metalle und Seltene Erden gefördert und verarbeitet, die Palette der Schwerindustrie reicht vom Turbinenbau bis zur Panzerfabrikation. Insbesondere die Atom- und Rüstungsindustrie sorgte jedoch auch dafür, dass diese Region in der Zeit des Sowjetimperiums vom Rest der Welt strengstens abgeschottet wurde. Etliche Städte im Ural waren bis 1991 „geschlossene Städte“ und für Besucher, geschweige denn Touristen, absolut tabu. Bis heute dringt nicht eben viel aus dem Ural in den Westen. Und wenn, dann vorwiegend schlechte Nachrichten. Wie generell aus Russland in diesen Tagen, in denen Wladimir Putin sich nach wie vor als starker Mann inszeniert, rigoros gegen politische Gegner vorgeht und auch in der Kulturpolitik seine gestylten Muskeln spielen lässt.

In einer spröden Landschaft verwurzelt

01.07.13 (Regine Müller) -
Benjamin Britten wird 2013 zwar 100 Jahre alt, doch das Britten-Jubiläum fällt im Jahr der großen 200-Jährigen – Wagner und Verdi – hierzulande eher mager aus. In Großbritannien dagegen feiert man ihn, wenn auch auf typisch britische Weise, nämlich mit traditionsgewissem Unterstatement. Das englische Britten-Zentrum befindet sich in Aldeburgh, wo der Meister lebte und bereits 1948 ein Musikfestival gründete, das bis heute stattfindet. Diesmal steht er natürlich selbst im Zentrum der Veranstaltungen.

Der süße Zucker des Skandals: Das Théâtre des Champs-Elysées wird 100 Jahre alt und erinnert an Strawinskys „Le Sacre du Printemps“

15.05.13 (Mathias Nofze) -
Handfeste Skandale kennt die Musikgeschichte eine ganze Menge. Mal prügeln sich Primadonnen auf der Bühne, dann pfeifen blasierte Aristokraten den „Tannhäuser“ vom Spielplan oder es landen Stinkbomben im Festspielhaus. Mal erregt Aida als Putzfrau die Gemüter, mal fordern Studenten Diskussion statt Oper, mal hagelt es „Watschen“ zwischen Konservativen und Avantgardisten im Publikum. Vieles davon taugt nicht dazu, verklärt zu werden, anderes hat sich im Laufe der Zeit vom Skandal zum Edelskandal entwickelt.

Ein Hauch Kommuneleben auf luxuriösem Niveau

28.03.13 (Isabel Herzfeld) -
Der erste Eindruck dieser Anlage ist überwältigend. Große weiße Flächen, riesige Glasscheiben, hoch geschwungene Stahlträger und helle Holzbalken vermitteln eine Atmosphäre von Großzügigkeit, Modernität und Wohlorganisiertheit. Ein langgestrecktes Haupthaus öffnet sich zur Straße hin, Quergebäude schließen einen großen Hof ein, dem sich ein weiteres, zur Parallelstraße offenes Bauwerk anschließt. Durchgängigkeit und Geschlossenheit sind hier kein Widerspruch, die Vorbehaltlosigkeit, mit der Haus und Bewohner sich darbieten, scheint auf der Einhaltung fester Regeln zu beruhen.

Nach dem großen Beben

03.12.12 (Corina Kolbe) -
Vor dem schweren Erdbeben im April 2009 war L‘Aquila ein lebendiges Musikzentrum, das sogar mit Salzburg verglichen wurde. In der mittelitalienischen Stadt in den Abruzzen traten nicht nur ortsansässige Orchester, Kammerensembles und Chöre auf, sondern auch Weltstars wie Arthur Rubinstein, Yehudi Menuhin, Swjatoslaw Richter und Maurizio Pollini. Mehr als drei Jahre nach der Katastrophe liegt das Kulturleben jedoch noch weitgehend danieder. Das fast vollständig gesperrte historische Zentrum mit seinen barocken Kirchen verfällt zusehends, während mehr als 30.000 obdachlos gewordene Menschen in eilig aus dem Boden gestampften Stadtrandsiedlungen untergekommen sind. Wo die Regierung offenkundig beim Wiederaufbau versagt hat, will der Architekt Renzo Piano mit drei bunten Würfeln ein Zeichen für einen kulturellen Neubeginn setzen.

Auf der Suche nach Beethovens „Elise“

03.12.12 (Juan Martin Koch) -
„Um 7 gieng ich zu Lobkowitz wo heute sehr wenig Leute waren… Mlle Barensfeld ist sehr jung eine Eleve von Melzel und Schülerin von Siboni sie kann einmal da sie eine sehr starke Stimme hat, eine sehr gute Theatersängerin werden.“ Ein gewisses detektivisches Gespür ist wohl vonnöten, um diese Tagebuch-Notiz und den dazugehörigen Programmzettel, der den Vornamen besagter „Mlle Barensfeld“ mit „Lisette“ angibt, als Ausgangspunkt einer erfolgreichen Recherche zur mutmaßlichen Widmungsträgerin von Beethovens „Für Elise“ zu nehmen. Die in Wien tätige, kanadische Musikforscherin Rita Steblin hat dieses Gespür.

Karrieresprungbrett, Familie, Lebensaufgabe

Wer an klassische Musik denkt, hat höchstwahrscheinlich keinen dunkelhäutigen Teenager mit einer Afro-Frisur vor Augen. Und doch ist gerade dieser mittlerweile erwachsen gewordene Teenager dabei, die Welt der klassischen Musik zu revolutionieren. Seit 15 Jahren setzt sich Aaron Dworkin mit seiner gemeinnützigen Organisation Sphinx in den USA für mehr Chancengleichheit von Musikern mit hispanischem oder afroamerikanischem Hintergrund ein.
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