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Alle Artikel kategorisiert unter »Reportage«

Der unbequemere Weg ist der attraktivere

05.09.20 (Verena Fischer-Zernin) -
Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ ist eine Choroper par excellence: voll bunter Tableaus, musikalisch äußerst vielgestaltig, monumental besetzt. Die Staatsoper Hamburg hatte das Stück dem Regisseur Frank Castorf für die Eröffnungspremiere der Saison 2020/21 am 5. September anvertraut. Wenige Monate nach Bekanntgabe der Spielzeitpläne mutet die Programmierung an wie aus einem anderen Jahrhundert. Noch 2019 wäre ein Opernhaus ohne akribisch ausgefeilte Spielpläne und Jahre im voraus terminierte Engagements unvorstellbar gewesen. Nun fügen sich diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten ein in die Reihe all der Gewissheiten, die die Corona-Pandemie pulverisiert hat.
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Oboe d’amore auf dem Kaufhausdach

27.08.20 (Georg Rudiger) -
„Bitte die Tauben nicht füttern“, steht auf der Dachterrasse der Freiburger Karstadt-Filiale, wo sich einige Mitglieder des Freiburger Barockorchesters für ein Parcourkonzert versammelt haben. Die Sonne knallt auf den Steinboden. Mit rot-weißem Absperrband ist der Zuschauerbereich markiert. Aber auch die Restaurantgäste können einen Blick auf das bekannte Orchester werfen und den Tönen lauschen, die sich auf ungewohntem Terrain einen Weg durch das Brummen der Klimaanlage bahnen. Wäscheklammern sichern die Noten.

Bedrückender Schatten statt Freiheitseuphorie

29.02.20 (Corina Kolbe) -
Eine hohe, schmutzig angelaufene Betonmauer säumt den Fußweg, über den Besucher zur JVA Tegel gelangen. Wer die Schleuse passieren will, muss erst persönliche Gegenstände wie Geldbörse, Schlüssel und Handy in einem Schließfach deponieren. Die Justizvollzugsanstalt im Norden Berlins, eine der größten in Deutschland, ist zurzeit mit mehr als 800 männlichen Häftlingen und Sicherungsverwahrten belegt. Hinter den vergitterten Fenstern von Gebäuden, die teils noch aus der Kaiserzeit stammen, bewegen sich undeutliche Schatten. Man hört einzelne Rufe hinausschallen. Schließlich erreicht die Besuchergruppe die unter Denkmalschutz stehende Teilanstalt III, die seit 2013 wegen der unzumutbaren Enge ihrer Zellen nicht mehr genutzt werden darf.

Kreative Jugend aus aller Welt

30.11.17 (Bettina Boyens) -
Der Blick von Parkett und Kirchenstühlen auf die Bühne zeigte diesmal im Rheingau zahlreiche, exzellent musizierende Jugendliche. Andererseits bot sich den jungen Künstlern auch ein umgekehrtes Bild: Silberreif und Gehhilfen in Überzahl. Wie passt das zusammen?

„Verdi ist der Musiker meines Lebens“

29.11.17 (Hans Jörg Jans) -
Schon seit drei Jahren gibt es sie, die Italian Opera Academy, die Riccardo Muti in Ravenna ins Leben gerufen hat. Sie steht angehenden Dirigenten und Korrepetitoren offen, die sich unter Anleitung des Maestro eine italienische Oper erarbeiten wollen. Bisher ging es um Verdi. Zuerst war es „Falstaff“, dann „La Traviata“ und in diesem Herbst folgte „Aida“ – die Muti eben bei den Salzburger Festspielen dirigiert hatte. Und für die Akademie 2018, vom 21. Juli bis 3. August, ist mit „Macbeth“ wiederum ein Verdi angesagt.

Des Zettelkastens wundersame Auferstehung

03.02.14 (Rainer Nonnenmann) -
Bis zum 3. März 2009 stand an der Kölner Severinsstraße das Historische Archiv der Stadt (HAStK). Heute klafft dort eine tiefe Grube. Verursacht durch den U-Bahn-Bau der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) – die fatalerweise als Bauherr und Bauaufsicht zugleich firmierten – stürzten damals das komplette Archivgebäude und zwei angrenzende Wohnhäuser fast dreißig Meter tief in den unmittelbar vor den Gebäuden offen verlaufenden U-Bahn-Schacht. Mit zwei Menschenleben versanken damals auch dreißig Regalkilometer Archivgut aus 1200 Jahren Stadt-, Regional- und Kirchengeschichte. Was viele Generationen geduldig zusammengetragen und unter Mühen durch alle Unbilden der Zeiten gerettet hatten, verschwand schlagartig unter Trümmern und Staub, so auch kostbare Musikalien des städtischen Gürzenich-Orchesters und der Oper Köln sowie die Nachlässe von Ferdinand Hiller, Franz Wüllner, Fritz Steinbach, Hermann Abendroth, Günter Wand, Hans Mayer, Bernd Alois Zimmermann und Mary Bauermeister, um nur einige zu nennen.

Moskau ist weit weg – im fernen Ural blüht das Musikleben

03.09.13 (Regine Müller) -
Die Uralregion zählt zu den reichsten Landstrichen der Russischen Föderation. Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert werden dort Bodenschätze wie Uran, hochwertige Metalle und Seltene Erden gefördert und verarbeitet, die Palette der Schwerindustrie reicht vom Turbinenbau bis zur Panzerfabrikation. Insbesondere die Atom- und Rüstungsindustrie sorgte jedoch auch dafür, dass diese Region in der Zeit des Sowjetimperiums vom Rest der Welt strengstens abgeschottet wurde. Etliche Städte im Ural waren bis 1991 „geschlossene Städte“ und für Besucher, geschweige denn Touristen, absolut tabu. Bis heute dringt nicht eben viel aus dem Ural in den Westen. Und wenn, dann vorwiegend schlechte Nachrichten. Wie generell aus Russland in diesen Tagen, in denen Wladimir Putin sich nach wie vor als starker Mann inszeniert, rigoros gegen politische Gegner vorgeht und auch in der Kulturpolitik seine gestylten Muskeln spielen lässt.

In einer spröden Landschaft verwurzelt

01.07.13 (Regine Müller) -
Benjamin Britten wird 2013 zwar 100 Jahre alt, doch das Britten-Jubiläum fällt im Jahr der großen 200-Jährigen – Wagner und Verdi – hierzulande eher mager aus. In Großbritannien dagegen feiert man ihn, wenn auch auf typisch britische Weise, nämlich mit traditionsgewissem Unterstatement. Das englische Britten-Zentrum befindet sich in Aldeburgh, wo der Meister lebte und bereits 1948 ein Musikfestival gründete, das bis heute stattfindet. Diesmal steht er natürlich selbst im Zentrum der Veranstaltungen.

Der süße Zucker des Skandals: Das Théâtre des Champs-Elysées wird 100 Jahre alt und erinnert an Strawinskys „Le Sacre du Printemps“

15.05.13 (Mathias Nofze) -
Handfeste Skandale kennt die Musikgeschichte eine ganze Menge. Mal prügeln sich Primadonnen auf der Bühne, dann pfeifen blasierte Aristokraten den „Tannhäuser“ vom Spielplan oder es landen Stinkbomben im Festspielhaus. Mal erregt Aida als Putzfrau die Gemüter, mal fordern Studenten Diskussion statt Oper, mal hagelt es „Watschen“ zwischen Konservativen und Avantgardisten im Publikum. Vieles davon taugt nicht dazu, verklärt zu werden, anderes hat sich im Laufe der Zeit vom Skandal zum Edelskandal entwickelt.
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