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Alle Artikel kategorisiert unter »Uraufführungen«

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Von Zirkeln und Kreisen

02.12.22 (Rainer Nonnenmann) -
Im Abschlusskonzert der diesjährigen Donaueschinger Musiktage gelangte Peter Ruzickas Violinkonzert „Eingedunkelt“ zur Uraufführung. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Ernst von Siemens Musikstiftung schrieb dieses Werk für die Geigerin Carolin Widmann – Mitglied im Kuratorium der Ernst von Siemens Musikstiftung – im Auftrag des damaligen Leiters der Musiktage und Anwärters auf den Posten des Sekretärs des Kuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung Björn Gottstein. Nun fördert die Ernst von Siemens Musikstiftung am 2. Dezember in der Tonhalle Zürich unter Intendantin Ilona Schmiel – ebenfalls Mitglied des Kuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung – ein Gesprächskonzert mit Peter Ruzicka sowie ein Konzert des Tonhalle-Orchesters, das unter Ruzickas Leitung dessen Orchesterstück „Furioso“ zur Schweizer Erstaufführung und dessen Konzert für Viola und Orchester „Depart“ zur Uraufführung bringen wird. All dieser Eigennutz geschieht unter den Augen des Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Ernst von Siemens Musikstiftung.

Im Widerspiel von Nostalgie und mancherlei Ausblicken

01.11.22 (Gerhard R. Koch) -
„Napoleon oder Die hundert Tage“ hieß 1831 Grabbes grimmige Schaupiel-Abrechnung mit des Franzosen-Kaisers Rückkehr aus Elba und finaler Niederlage bei Waterloo, auch als Abgesang auf eine Epoche. Doch auch heute noch gesteht man neuen Regierungen eine quasi Schonfrist von obligaten hundert Tagen zu, um sich programmatisch zu positionieren, erste Erfolge zu buchen, wie Rückschläge zu verkraften. Die Krise bleibt.

Dies- und jenseits des Horizonts

26.10.22 (Rainer Nonnenmann) -
Laut Duden benennt das Wort „Horizont“ die „scheinbare Begrenzungslinie zwischen Himmel und Erde“, zum Beispiel die weit draußen vor der Küste wetterbedingt mal schärfer konturierte oder weicher verbläuende Linie zwischen Meer und Himmel. Unser Sichtfeld wird in der Ferne durch Atmosphäre und Erdkrümmung begrenzt oder wahlweise näher durch Berge, Hügel, Wälder, Städte. Doch seit Kopernikus wissen wir, dass die Welt nicht am Horizont endet und man dort nicht – wie die antiken Seefahrer fürchteten – in einen gähnenden Abgrund stürzt, sondern dass es dahinter weitergeht und man einmal um den ganzen Globus segeln kann, bis man irgendwann eben da wieder landet, wo man losgefahren ist. Die etymologische Herkunft des Begriffs stammt aus dem griechischen horízon, Grenzlinie, Grenzkreis, Gesichtskreis. Ein Horizont ist demnach immer beschränkt, mal weiter oder enger, zugleich aber eben auch nur eine vom Gesichtspunkt abhängige „scheinbare Begrenzungslinie“.

Uraufführungen 2022/12

26.09.22 (Rainer Nonnenmann) -
Was sagen Zukunftsvisionen des Menschen über unsere Gegenwart? Sind die von Theologie, Philosophie, Politik, Technik, Kunst, Musik, Literatur und Film entworfenen Utopien und Dystopien nicht vor allem erhellende Diagnosen der jeweils gerade aktuell herrschenden Verhältnisse? Warum also gibt es momentan so viele Hoffnungen und Befürchtungen vom „neuen Menschen“? Vielleicht, weil es mit der Spezies Homo sapiens langsam aber sicher zu Ende geht angesichts von Seuchen, Kriegen, Diktaturen, Artensterben, Ressourcen-, Energie- und Klimakrisen? Gentechnik, Bionik, Robotik, Prothetik und Implantationsmedizin zielen darauf, die beschränkten physischen, kognitiven, sensuellen und motorischen Möglichkeiten des Menschen zu verbessern und zu erweitern. Informatik und Kybernetik arbeiten an künstlichen Intelligenzen und Cyborgs. Wieder andere Disziplinen erforschen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung und nachhaltigeren Einbindung des Menschen ins globale Ökosystem durch neuartige Symbiosen des humanen Organismus mit Mycelen und Bakterien.

Dem Wahren, Schönen, Guten

29.08.22 (Rainer Nonnenmann) -
Der Spruch prangt auf der Prachtfassade der Alten Oper Frankfurt, hinter der am 22. September Sarah Aris­tidou erstmalig Jörg Widmanns „Labyrinth V“ für Koloratursopran singen wird. Doch ereignet sich dann auch wirklich drinnen, was draußen steht? Oder haben Form und Inhalt ohnehin nichts miteinander zu tun? Immerhin war schon während des imperialen 19. Jahrhunderts die gewichtige Trias zu einer gängigen Redewendung herabgesunken, mit der klassisch gebildete Bürger auch ganz handfeste materielle Interessen kaschierten. Zuvor hatte Immanuel Kant Ende des 18. Jahrhunderts noch die Fragen nach der Möglichkeit von verstandesmäßiger Erkenntnis, sinnlicher Kunsterfahrung und praktischem Handeln in seinen drei kritischen Hauptschriften zu beantworten versucht und hatten Sokrates oder Platon diese philosophischen Kernthemen in verschiedenen Monologen erörtert. Nicht minder wichtig für das christlich geprägte Europa war freilich auch der von Paulus im ersten Korintherbrief des Neuen Testaments gesetzte Dreiklang Glaube, Liebe, Hoffnung.

Hell- und Dunkelhörig

27.06.22 (Rainer Nonnenmann) -
„Die Kunst sieht, was andere übersehen. Das heißt nicht, daß sie alles sieht, ganz im Gegenteil. Sie sieht ja nur das, was andere übersehen, und nicht das, was sie dabei selbst übersieht.“ So umreißt der Soziologe Dirk Baecker in seinem Buch „Wozu Kultur?“ (2000) kurz und bündig den Charakter von Kunst. Deren spezifischer Blick auf Welt, Natur, Mensch und Gesellschaft ist anders als die zweckgeleiteten Sichtweisen von Alltag, Wissenschaft, Politik, Berichterstattung und daher immer alternativ, erhellend, aufklärend, vielleicht sogar diagnostisch. Das gleiche gilt für Musik und ihr individuelles Lauschen auf das, was andere überhören. Doch Kunst und Musik sind nicht generell hellsichtig und hellhörig. Auch sie haben blinde Flecken und taube Stellen. Doch wo liegen die Dunkelfelder?

Salto mortale

27.05.22 (Rainer Nonnenmann) -
Plädoyers für die Freiheit der Kunst gab und gibt es immer wieder. Vielleicht sind sie gerade heute wieder nötiger denn je, wo Kunst, Theater und Musik immer mehr für nicht-künstlerische Absichten, Interessen und Botschaften in Dienst genommen werden sollen. Diese Tendenz ist bedenklich, und seien die Anliegen – gesellschaftlich, politisch, ökologisch, religiös oder sexuell – noch so richtig und wichtig.

Erinnern und Vergessen

28.04.22 (Rainer Nonnenmann) -
Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Manches entsteht, anderes vergeht, Wenig Bewahrtes überdauert namenlos Vergangenes, Verlorenes, Verschollenes. Was wir erinnern, ist umgeben von Vergessen. Was haben wir gestern gegessen? Welches Konzert haben wir letzte Woche besucht? Welches Haus stand neulich noch an der Stelle, wo man jetzt das neue baut? Wie lautete letztes Jahr das Motto des Kölner Festivals Acht Brücken? Hm?! Dieses Jahr widmet sich das Musikfest dem Thema „Musik Amnesie Gedächtnis“.

Neue Funken in Köln

05.04.22 (Rainer Nonnenmann) -
Am Anfang stand die Feststellung, dass es in Köln keine Struktur und Plattform für die Produktion und Präsentation von aktuellem Musiktheater jenseits von Oper gibt. Dabei war doch gerade die Rheinmetropole seit den 1960er-Jahren ein Zentrum neuer Entwicklungen auf diesem Feld gewesen: Hier entstanden das „totale Theater“ von Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“, Karlheinz Stockhausens frühes Happening „Originale“ und spätere Heptalogie „Licht“ sowie Mauricio Kagels Konzept des „instrumentalen Musiktheaters“. Aus Kagels damals weithin einzigartiger Klasse für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule gingen María de Alvear, Carola Bauckholt und Manos Tsangaris hervor, die lange die Kölner Szene prägten, bevor die beiden letzten auf Professuren nach Dresden und Linz wechselten.
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