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Alle Artikel kategorisiert unter »Uraufführungen«

Salto mortale

27.05.22 (Rainer Nonnenmann) -
Plädoyers für die Freiheit der Kunst gab und gibt es immer wieder. Vielleicht sind sie gerade heute wieder nötiger denn je, wo Kunst, Theater und Musik immer mehr für nicht-künstlerische Absichten, Interessen und Botschaften in Dienst genommen werden sollen. Diese Tendenz ist bedenklich, und seien die Anliegen – gesellschaftlich, politisch, ökologisch, religiös oder sexuell – noch so richtig und wichtig.

Erinnern und Vergessen

28.04.22 (Rainer Nonnenmann) -
Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Manches entsteht, anderes vergeht, Wenig Bewahrtes überdauert namenlos Vergangenes, Verlorenes, Verschollenes. Was wir erinnern, ist umgeben von Vergessen. Was haben wir gestern gegessen? Welches Konzert haben wir letzte Woche besucht? Welches Haus stand neulich noch an der Stelle, wo man jetzt das neue baut? Wie lautete letztes Jahr das Motto des Kölner Festivals Acht Brücken? Hm?! Dieses Jahr widmet sich das Musikfest dem Thema „Musik Amnesie Gedächtnis“.

Neue Funken in Köln

05.04.22 (Rainer Nonnenmann) -
Am Anfang stand die Feststellung, dass es in Köln keine Struktur und Plattform für die Produktion und Präsentation von aktuellem Musiktheater jenseits von Oper gibt. Dabei war doch gerade die Rheinmetropole seit den 1960er-Jahren ein Zentrum neuer Entwicklungen auf diesem Feld gewesen: Hier entstanden das „totale Theater“ von Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“, Karlheinz Stockhausens frühes Happening „Originale“ und spätere Heptalogie „Licht“ sowie Mauricio Kagels Konzept des „instrumentalen Musiktheaters“. Aus Kagels damals weithin einzigartiger Klasse für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule gingen María de Alvear, Carola Bauckholt und Manos Tsangaris hervor, die lange die Kölner Szene prägten, bevor die beiden letzten auf Professuren nach Dresden und Linz wechselten.

Wer oder was ist binär?

25.02.22 (Rainer Nonnenmann) -
„Non-binär“ meint weder Frau noch Mann noch heterosexuell, sondern ein anderes, drittes, viertes Geschlecht und eine andere Sexualität. So weit so bekannt. Doch Negativbestimmungen sind schwach, weil sie sich nur durch das Positive definieren, statt selbst zu benennen, was sie meinen. Welche alternativen Arten von Kommunikation sind „non-verbal“? Welche Formen des Denkens und Wissens sind „non-zerebral“? Welche Klänge lassen sich „non-cochlear“ wahrnehmen? Welche Erzählweisen sind „non-linear“? Eindeutig sind diese Non-Komposita nur in dem, was sie nicht meinen. „Binär“ sind dagegen alle digitalen Codierungen mit 1 oder 0, Plus oder Minus. Doch welchen Sinn macht dieser Begriff bei Menschen?

Markt Macht Musik

27.01.22 (Rainer Nonnenmann) -
„Letztendlich wurde die Klassik von den Komponisten im Stich gelassen. Ohne eine neue Musik, die intelligente, sensible Konsumenten hören wollten, blieb nur die Möglichkeit, das Vergangene wieder aufzuwärmen“. Wie bitte? Für die schwindenden Absatzzahlen des Klassiksektors und dessen extreme Verengung auf ein winziges Kernrepertoire sei die neue Musik schuld?

Nicht das Ende besingen. Über das Ende hinaussingen

01.12.21 (Georg Beck) -
Komposition gilt unter Kirchenmusikern im Prinzip als abgeschlossen. Was man braucht, liegt vor. Mehrheitlich in guter bis sehr guter Qualität, weswegen es für Kantoren, für Organisten überhaupt keine Schwierigkeit darstellt, ihr Berufsleben zu organisieren, ohne selber je eine einzige Note schreiben zu müssen. Es besteht keine Notwendigkeit dazu. Was musikalisch zu tun ist im Kirchenjahr, ist mach- und lieferbar aus dem Bestand. Wozu also Neues in die Welt setzen? Soll ich mich blamieren? Soll ich dilettieren? – Soweit, sehr holzschnittartig, die Konturen einer Haltung, mit der die Kirchenmusik, man möchte sagen: mehr oder weniger achselzuckend zu Protokoll gegeben hat, dass sie Nähe zu gegenwärtigem Komponieren als überflüssig betrachtet – seit langem schon. Weswegen die Ausnahmen denn auch ins Auge fallen. Wolfgang Abendroth zum Beispiel.

Musik in und aus Deutschland

29.11.21 (Rainer Nonnenmann) -
Mit dem Jahr 2021 endet die von Arnold Schönberg proklamierte einhundertjährige „Vorherrschaft der deutschen Musik“. 1921 hatte sich der Komponist auf einem Berliner Spaziergang gegenüber seinem Schüler Josef Rufer zur Behauptung verstiegen, mit seiner soeben erfundenen „Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ der seit dem 19. Jahrhundert ohnehin schon dominierenden deutschen Musik für weitere einhundert Jahre die weltweite Vorherrschaft gesichert zu haben.

Michael Praetorius

27.10.21 (Rainer Nonnenmann) -
In die Musikgeschichte eingegangen ist dieser Komponist, Organist, Musiktheoretiker und „protestantische Erzkantor“ durch rund 750 vierstimmige Choralsätze, von denen sich bis heute einige in den Kirchengesangsbüchern des deutschsprachigen Raums gehalten haben, darunter am bekanntesten „Es ist ein Ros entsprungen“. Wertvolle Quellen für zeitgenössische und nachfolgende Musiktheoretiker und Praktiker bilden seine theoretischen Schriften „Syntagma musicum“, deren drei Bände das zu seiner Zeit gebräuchliche Instrumentarium technisch genau beschreiben, speziell die Registermöglichkeiten berühmter Orgeln, sowie die damalige musikalische Terminologie und Aufführungs­praxis. Geboren wurde Michael Praetorius 1572 im thüringischen Creuzburg an der Werra unweit von Eisenach. Als Organist, Orgelfachmann, Kantor und Hofkapellmeister wirkte er in Frankfurt an der Oder, Braunschweig, Dresden und Wolfenbüttel, wo er 1621 starb.

Hör- und Reiselust

27.08.21 (Rainer Nonnenmann) -
Beschreibungen neuer Musik, insbesondere des Hörens, verwenden gerne Wander- und Reisemetaphern. Man spricht von „Klanglandschaften“, durch die man sich hörend bewegt, je nach Dichte und Energetik der Musik wahlweise tastend, hastend, stürzend oder schwebend. Stockhausen erweiterte die Reisemetapher vorzugsweise ins Aero- oder gar Kosmonautische, indem er dem Publikum „Einen guten Flug!“ wünschte und seine Klavierstücke als „kleine musikalische Raumschiffe und Zeitmaschinen“ bezeichnete, bei denen Spieler wie Hörer unbekannte zeitliche und räumliche Erfahrungen machen können.
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