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Alle Artikel kategorisiert unter »Uraufführungen«

Sammelsurium und Disziplin

05.07.16 (Rainer Nonnenmann) -
Vielen Komponisten ist Musik nicht mehr genug. Den ohnehin bereits weiten Rahmen dieser seit jeher mehrere Sinne ansprechenden Klang-, Bewegungs-, Körper-, Raum- und Zeitkunst füllen sie durch Texte, Szenen, Bilder, Filme, Gegenstände. Ziel ihrer Arbeit ist nicht mehr Musik oder wie manche heute sagen: „Musik-Musik“. Vielmehr verstehen sie ihre Vorgehensweise als „New Discipline“:

Bühnenzauber und stilles Wasser

05.06.16 (Rainer Nonnenmann) -
Stets still und zurückhaltend auftretend, nur wenig und wenn überhaupt, dann allenfalls mit leiser Stimme sprechend, ist der 1955 in Hiroshima geborene Toshio Hosokawa zugleich einer der produktivsten, international gefragtesten und präsentesten Komponisten der Gegenwart. Sein Œuvre umfasst an die 200 Titel. Davon entstanden allein in den letzten 10 Jahren 70 Werke, neben Solo- und Kammermusik auch mehrere großbesetzte Orchesterwerke, Konzerte und Opern.

Geheimnis des Glaubens

03.05.16 (Rainer Nonnenmann) -
Die zu Ostern aufgeführten „Matthäus“- und „Johannespassionen“ sind gerade verklungen, und schon stehen Himmelfahrt und Pfingsten vor der Tür. Trotz überwiegend säkularer Gesellschaft gliedern die christlichen Fest- und Feiertage unseren Jahresrhythmus, und zwar nicht zuletzt mit Musik. Die Messen, Requien, Kantaten und Oratorien von Bach, Händel, Mendelssohn, Verdi, Bruckner, Brahms erklingen heute zwar häufiger im Konzertsaal als in der Kirche. Aber im Sinne der Kunstreligion des 19. Jahrhunderts entfalten sie immer noch dieselbe „gemeinschaftsbildende Kraft“, die Paul Bekker im Hinblick auf „Die Sinfonie von Beethoven bis Mahler“ (1918) konstatierte.

Mit den Augen hört man besser

31.03.16 (Rainer Nonnenmann) -
Im vierten Satz von Mahlers 1. Symphonie fiebert der Schlagzeuger dem entscheidenden Beckenschlag entgegen. Um die finale Choral-Apotheose des Werks einzuleiten, sucht der Musiker sein Beckenpaar möglichst sicher zu fassen, er zieht die Griffe wiederholt nach, wiegt das Gewicht der Instrumente, tritt unruhig von einem Fuß auf den anderen und starrt gebannt auf den Dirigenten. Wann kommt der Einsatz? Die Spannung steigt und die Musik drängt ihrem finalen Durchbruch entgegen. Das ist hörbar und dem ganzen Orchester auch sichtbar anzumerken. Der Dirigent vergrößert seine Espressivo-Gesten, die Violinen streichen immer schneller und intensiver über die Saiten, die acht Hornisten recken die Stürze ihrer Instrumente nach oben, und die Gesichter der Trompeter laufen rot an: Fantastische Musik – und großes Theater!

Veni creator spiritus

01.03.16 (Rainer Nonnenmann) -
Allen Anfangs Anfang markiert die Silbe „Ur“, mit gedehntem Vokal. Der mittel- und neuhochdeutsche Laut geht gemäß Grimm’schem Wörterbuch zurück auf das germanische „us“, das sich seinerseits auf das indogermanische „uds“ zurückführen lässt.

Eminent politisch

02.02.16 (Rainer Nonnenmann) -
Ohne genauer angeben zu können, was Neue Musik ist – denn wer wollte das definieren? –, wissen manche Leute dafür umso genauer, was Neue Musik alles nicht ist. Offenbar bereitet sie vielen Menschen ein Gefühl des Entbehrens, denn sie vermissen hier all das, was sie sonst an Musik so lieben und schätzen: Melodie, Harmonik, Rhythmus, Sinnlichkeit, Erotik, Humor, mitreißende Kraft, bannende Magie, aufwühlende Emotionalität, Schönheit.

Kunst schafft Wissen

30.11.15 (Rainer Nonnenmann) -
Als sich in den Savannen Afrikas unsere Vorfahren einst zum aufrechten Gang erhoben, wurden ihre Vorderbeine zu Händen und damit in die Lage versetzt, Dinge anzufassen, Werke und Werkzeuge herzustellen – mit weitreichenden Folgen.

Lachenmann Perspektiven

03.11.15 (Rainer Nonnenmann) -
Seit der Uraufführung von „GOT LOST“ für hohen Sopran und Klavier im April 2008 gelangt nun endlich wieder ein Stück von Helmut Lachenmann zur Premiere. Der Komponist hatte die bereits angesetzte Uraufführung eines neuen Werks für großes Orchester mit acht Hörnern bereits zum zweiten Mal abgesagt und dann auf unbestimmte Zeit verschoben. Jetzt gibt es zwar keine sensationelle Novität, aber doch etwas zumindest in Teilen Neues: die Neufassung von „Air“ für großes Orchester und Schlagzeug-Solo von 1968/69, das Lachenmann für eine reduzierte Besetzung bearbeitete. Uraufgeführt wird diese „Air“-Version vom Ensemble Modern Orchestra und der Solistin Rumi Ogawa unter Leitung von Brad Lubman im Rahmen der Biennale cresc … im Kurhaus Wiesbaden, und zwar am 27. November, auf den Tag genau dem 80. Geburtstag des Komponisten.

Unverzichtbare Buhmänner

27.09.15 (Rainer Nonnenmann) -
Klagen über Festivals Neuer Musik sind so alt wie die Festivals selbst. Bereits bei den ersten „Internationalen Kammermusikaufführungen“ in Salzburg, die 1922 den Anstoß zur Gründung der IGNM und deren jährlicher Weltmusikfeste gaben, wurde über die inflationäre Menge an Novitäten gestöhnt.

Einzigartige Konstellationen

08.09.15 (Rainer Nonnenmann) -
Der Sommer war groß und voller Musik. Manche reisten zu bedeutenden Festivals, um internationale Stars zu erleben. Andere hatten beiläufig unverhoffte Musikerlebnisse im Kleinen, die indes ebenso eindrücklich sein konnten. So lenkte etwa in der Klosterkirche der oberschwäbischen Kleinstadt Bad Saulgau der katholische Priester seine Orgelimprovisation, mit der er nach anstrengendem Gottesdienst-Wochenende seinen freien Montagvormittag zu verbringen pflegt, für ein zufällig die Kirche betretendes Kind spontan in eine Stegreif-Variationenfolge über das Kinderlied „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“. Das war keine Uraufführung im engeren Sinne, welche die Musikgeschichte revolutioniert hätte, in der situativ einmaligen Zugewandtheit der Musik hier und jetzt für ein kleinstmögliches Publikum aber gleichwohl ein Ereignis.
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