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Alle Artikel kategorisiert unter »Uraufführungen«

Konzertverzehr

05.07.14 (Rainer Nonnenmann) -
Viele Komponisten, Veranstalter, Hörerinnen und Hörer hegen eine ungebrochene Faszination für den einzelnen Solisten in Gegenüberstellung zu einem Ensemble oder Orchester. Statt aufs große Ganze des kollektiven Klangapparats zu setzen, stellen sie diesem den damit wahlweise im Wechsel, Wettstreit, Dialog oder Gleichklang konzertierenden Individualisten gegenüber. Vom Barock über Klassik, Romantik und Moderne zieht sich das Komponieren von Konzerten für verschiedenste Soloinstrumente und Ensembles bis heute als roter Faden auch durch die Neue Musik. Schließlich verdanken sich viele Instrumentalkonzerte der besonderen Wertschätzung, die Komponisten bestimmten Musikern entgegenbringen. Gelegentlich arbeiten beide Seiten auch zusammen, um die Möglichkeiten der jeweiligen Instrumente und Singstimmen gemeinsam auszuloten.

Sonnengeschützes Musizieren

03.06.14 (Rainer Nonnenmann) -
Weil zwar ständig alles gleichermaßen aktuell ist, aber nicht alles gleichzeitig dieselbe Aufmerksamkeit erzielen kann, gibt es sogenannte „Aktionstage“, an denen Verbände, Politik und Medien zusammen ihr jeweiliges Thema besonders in die Öffentlichkeit tragen. Der Jahreskalender ist übersäht von solchen Thementagen. Mit an der Spitze steht der Juni, mit lediglich sieben freien Tagen, darin nur noch von Spitzenreiter Oktober mit bloß fünf themenlosen Tagen übertroffen. Die meisten Tage widmen sich gleich mehreren Themen und Organisationen. Den Anfang machen am 1. Juni „Milch, Bauern, Brieffreunde“.

Von dieser Welt

05.05.14 (Rainer Nonnenmann) -
Schon immer nahmen Komponisten in ihrer Musik Anteil an der Wirklichkeit und waren ihre Stücke selbst Bestandteil der sinnlich erlebbaren Welt. Das gilt auch für Musik, die ausdrücklich dem romantischen Modell der Gegenwelt und dem ästhetischen Autonomieprinzip folgt. Durch musikalische Zitate und Allusionen sind daher Kompositionen gleich in potenzierter Weise mit Welt und Wirklichkeit aufgeladen. Das gilt zumal für neue Musiktheaterwerke über die großen Menschheitsthemen Liebe und Tod, von denen bei der 14. Münchener Biennale für neues Musiktheater vom 7. bis 23. Mai gleich fünf Novitäten uraufgeführt werden.

Was ist die Ursache von Musik?

06.04.14 (Rainer Nonnenmann) -
Der Volksmund wusste es schon immer: „Von nichts kommt nichts!“ Alles hat seine Ursache, seinen Grund und Auslöser – auch die Musik. Doch was löst Musik aus? Was sind die Gründe und Ursachen von Musik? Was treibt Komponisten – jenseits offensichtlicher Faktoren wie Auftrag, Honorar, Ruhm und Liebäugeln mit der eigenen Unsterblichkeit – dazu an, Musik zu erfinden und ein bestimmtes Werk ausgerechnet auf diese eine besondere Weise zu komponieren? So und nicht anders! Die scheinbar überall gültige Kausallogik von Ursache und Wirkung scheint hier nicht zu greifen oder wirkt jedenfalls in einer letztlich nicht zu erhellenden Dunkelheit. Ganz anders liegt dagegen der Fall bei Musik, die sich ausdrücklich der Auseinandersetzung mit bereits bestehender Musik verdankt.

Kultur schafft Reichtum

28.02.14 (Rainer Nonnenmann) -
Für die Idealisten und namentlich Friedrich Schiller war es „der Geist, der sich den Körper schafft“. Doch dies schien allzu ideal gedacht, denn schließlich krankte der Dichter selbst mehrere Jahre vor seinem Tode kläglich dahin. Dagegen stellte Karl Marx den Hegel’schen Weltgeist vom Kopf auf die Füße, indem er materialistisch tönte, „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, womit er freilich die Freiheit des menschlichen Geistes ebenso unterschätzte wie er den vermeintlich historisch objektiv notwendigen Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft überschätzte. Was also stimmt? Eine gelungene Synthese der unversöhnlichen Antithesen formulierte vielleicht der im Januar achtzigjährig verstorbene Dirigent Claudio Abbado mit seinem Credo: „Kultur schafft Reichtum, nicht umgekehrt.“

Reden über Bäume

03.02.14 (Rainer Nonnenmann) -
Man sollte es nicht für möglich halten, aber es gibt immer noch Leute – wie das gegenwärtige Gerede über „Digitalisierung“, „Welthaltigkeit“, Diesseitigkeit“ oder „Konzeptionalismus“ zeigt –, die glauben tatsächlich, neue Musik auch heute noch ohne größeren Reibungsverlust mit den puristischen Reinheitsidealen des Serialismus der 1950er Jahre und dem damaligen intellektualistisch untermauerten Materialfortschritt und Kontrollwahn über sämtliche Parameter gleichsetzen zu können.

Magie aus kultischen Urgründen

07.12.13 (Rainer Nonnenmann) -
Die scheinbar rein eigengesetzlich verlaufende europäisch-abendländische Kunst steht bei aller mühsam erstrittenen Autonomie weiter in teils offensichtlicher, teils unterschwelliger Verbindung mit kultischen Praktiken vordenklicher Zeiten. Kunst und Musik befreiten sich zwar nach und nach aus den einstigen Natur-, Jagd-, Initiations- und Stammesritualen ebenso wie später aus funktionalen Einbindungen in kirchliche, höfische und volkstümliche Zeremonien, Bräuche, Feste und Feiern. Doch die über Jahrtausende bei magischen Handlungen gebildeten funktionellen Dispositionen beziehungsweise – wie der Tiefenpsychologe C.G. Jung gesagt hätte – „Archetypen“ wirken weiter. Trotz aller Aufklärung, Rationalität und Konstruktivität macht nicht zuletzt gerade die Verbindung zu diesen Urgründen noch heute die Magie und Faszinationskraft vieler Kunst und Musik aus. Vor allem das Tanz- und Musiktheater rührt unverkennbar an die einst kultische Einheit von Musik mit Bewegung, Sprache, Handlung, Szene und der damit verbundenen Sehnsucht nach Erfüllung, Ganzheit, Teilhabe und Vereinigung von Akteuren und Publikum. Warum sonst gibt es so viele neue Tanz-, Märchen- und Zauberspiele?

… in die elysischen Felder

12.11.13 (Rainer Nonnenmann) -
Vorstellungen vom Paradies auf Erden sind – so schön sie sein mögen – kaum mehr als Fiktion – und sie sind ihrem Wesen nach apokalyptisch. Denn mit der Glückseligkeit aller käme die Geschichte zum Stillstand, weil nur der seine Umwelt als unzulänglich erfahrende Mensch als leidendes Subjekt die eigene Verantwortung und Möglichkeit zur Veränderung begreift, um die schlechten Zustände zum Besseren zu wenden. Das klingt abstrakt-philosophisch, ist letztlich aber wohl Kern allen menschlichen Handelns. Genauso ist Musik – folgt man dem Utopisten Ernst Bloch – ein „Ruf ins Entbehrte“. Seit der antike Naturgott Pan anstelle der begehrten Nymphe Syrinx nur trockenes Schilfrohr zu fassen bekam, aus dem er sich zu Klage und Trost die erste Flöte schnitt, eignet aller Kunst – und so auch der Musik – etwas von dem utopischen Versprechen, alles könnte auch ganz anders sein.

Form und Formung

04.10.13 (Rainer Nonnenmann) -
Solange Madrigal, Motette, Kantate, Oratorium und Opernarie ihre Gliederung durch den jeweils vertonten Text und die dafür gewählte kompositorische Ausgestaltung von Affekt, Semantik, Wortklang, Rhetorik und Deklamation bezogen, wurde nach der Form von Musik kaum gefragt. Das Formproblem stellte sich erst im Laufe des 18. Jahrhunderts, als in Abgrenzung zur wortgebundenen Vokalmusik die zur „absoluten Musik“ nobilitierte Instrumentalmusik aus sich heraus zu formen hatte. Fortan galt Form als eigenständige ästhetische Ausdrucksdimension von „Geist in geistfähigem Material“. Theoretiker wie Adolf Bernhard Marx und Eduard Hanslick erkannten an den Formen der klassischen Sinfonien, Klaviersonaten, Variationszyklen, Streichquartette und Instrumentalkonzerte von Haydn, Mozart und Beethoven eine Äußerung der Idee der Kunstwerke. So erklärte Hanslick 1854 in seiner entschiedenen Absage an die „verrottete“ Gefühlsästhetik: „Tönend bewegte Formen sind einzig und allein Inhalt und Gegenstand der Musik.“ Und noch Theodor W. Adorno äußerte 1965 beim Darmstädter Kongress „Form in der Neuen Musik“, Form und Inhalt bzw. Ausdruck seien „durcheinander vermittelt“, so dass sich der „Rang der Werke“ primär danach bestimme, „wie tief jene Vermittlung gelang“.

Der Klang der Stadt

03.09.13 (Rainer Nonnenmann) -
Ländlich geprägte Kulturen sind traditionell eher statisch. Denn lokale Charakteristika von Sprache, Folklore und Musik können sich über lange Zeiträume nahezu unverändert überliefern. Die Einheitlichkeit solcher ortsgebundenen Eigenheiten weitet sich dabei erst dem regional umfassenderen Blick zu einer von Dorf zu Dorf oder Tal zu Tal sich zeigenden Vielfalt. Im Gegensatz dazu sind seit den ersten mesopotamischen Metropolen vor sechstausend Jahren urbane Zentren immer Orte der Kollision unterschiedlichster Wirtschaftsformen, Lebensentwürfe, Ethnien, Religionen. Und gerade wegen solcher Verdichtung und Vielstimmigkeit ist die städtische Kunst und Kultur wesentlich dynamischer verfasst. Kehren auf dem Land die an den Jahreszeiten ausgerichteten Feste und Bräuche zyklisch immer wieder, dominieren hier unter ganz anderen Raum- und Zeitstrukturen vielmehr Wandel, Mobilität, Veränderung und Neuerung.
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