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Alle Artikel kategorisiert unter »Uraufführungen«

Des Tones Tod … und Wiederkehr

02.07.13 (Rainer Nonnenmann) -
Musik entfaltet sich in der Zeit und vollendet sich erst in dem Moment, in dem sie bereits verklungen ist … aus und vorbei. Das Verklingen des Tones ist des Tones Tod. In der Zeit sich vollziehend, sich vollendend und sich verlierend ist Musik prädestiniert für die Darstellung der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen, vanitas vanitatum. Nicht zuletzt aus diesem Grund diente Musik seit je dem Ausdruck ständig sich wandelnder Regungen und Gefühle. Mal verkörpert sie irdische Lust, Liebe, Sinnlichkeit und Lebensfreude. Dann wieder sprechen Trauer, Leid und Klage aus ihr. Zumeist durchdringt sie beides zugleich. Doch indem diese Zeitkunst jeden Moment jetzt sagt … jetzt, jetzt, jetzt …, ist sie auch tönender Vorschein auf das gerade Gegenteil, die Aufhebung von Zeit in Ewigkeit. So war Musik durch alle Jahrhunderte hindurch ein eindringliches Symbol von Werden und Vergehen, Tod und Auferstehung, und ist es bis heute geblieben.

… 1813–1913–2013–2113 …

04.06.13 (Rainer Nonnenmann) -
Wie hätte man 1813 vorausahnen können, welche Entwicklungen die Musik im Verlaufe der nächsten einhundert Jahre nehmen würde? Dabei war dies ein Jahr des Um- und Aufbruchs. Der ganz Europa unterjochende Diktator Napoleon wurde in der sogenannten „Völkerschlacht“ bei Leipzig geschlagen. In London wurde die Philharmonic Society gründet. Verdi und Wagner wurden geboren. Und in Wien erlebten Beethovens 7. Symphonie und „Wellingtons Sieg“ ihre triumphale Uraufführung. Doch wie von einem fremden Stern erscheinen dagegen Debussys „Jeux“ und Strawinskys „Sacre du Printemps“, die 1913 in Paris ihre spektakulären Premieren feierten, sowie Kasimir Malewitschs im selben Jahr gemaltes „Weißes Quadrat auf weißem Grund“ und Schönbergs damals in halb Europa gespielter „Pierrot Lunaire“.

Avantgarde heute?

09.05.13 (Rainer Nonnenmann) -
Die „Garde“ ist eine Eliteeinheit, ein exklusiver Männerbund, strengem Reglement unterworfen und zusammengehalten durch Disziplin und Corpsgeist: „Einer für alle, alle für einen“. Der Einzelne verliert im Kollektivs zwar seine individuelle Freiheit durch unbedingten Gehorsam und Treue bis in den Tod, darf sich aber zugleich sicher fühlen, weil nicht er persönlich, sondern die ganze Truppe für Sieg oder Niederlage verantwortlich gemacht wird. Zudem genießen Gardisten Privilegien und Ansehen. Als strategische Vorhut „avant“ dem großen Tross voraus, stößt die „Avantgarde“ vor, um den nachfolgenden Scharen einen möglichst sicheren Weg zu bereiten. Die militärische Herkunft des Begriffs „Avantgarde“ ist unübersehbar. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er auf die Künste übertragen. Heute versteht man unter Avantgarde in erster Linie den fortgeschrittensten Vorposten des Neuesten vom Neuen in Kunst, Musik, Literatur und Theater.

Geh’ aus mein Herz …

28.03.13 (Rainer Nonnenmann) -
Im Unterschied zur Feldmusik meinte „Kammermusik“ zunächst einfach Musik für die fürstliche Kammer, und zwar unabhängig von der Größe ihrer Besetzung. Wie zu feudalen Zeiten die Hofbuchhaltung Etats für die Kammermusiker bereithielt, wird noch heute verbeamteten Solisten an Stadt- und Staatstheatern der Titel „Kammersänger“ verliehen.

Ganz Aug und Ohr

01.03.13 (Rainer Nonnenmann) -
Die Wahrnehmung von Kunst ist untrennbar verbunden mit der Kunst der Wahrnehmung. Das eine bedingt das andere, ist Ursache und Wirkung zugleich. Denn so wie Kunst unsere Wahrnehmung zu verändern vermag, wird sie ihrerseits erst durch eine bestimmte Wahrnehmungshaltung überhaupt als Kunst wahrgenommen. Insofern lassen sich die dynamischen Veränderungen, die sich während der vergangenen 700 Jahre in der europäischen Musikgeschichte ereigneten, nicht nur wie üblich als Werk-, Kompositions-, Problem-, Kultur- und Sozialgeschichte beschreiben, sondern auch als eine Geschichte des Hörens.

Uraufführungen 2013/02

04.02.13 (Rainer Nonnenmann) -
Was war es doch vordem uns allen so genehm – doch auch ein bisschen langweilig –, als Musikwerke noch schlicht Klaviersonate, Streichquartett oder Sinfonie hießen und einfach durchnummeriert wurden: 1., 2., 3. … , 9. Symphonie. Wurde Musik jedoch ausnahmsweise einmal mit einem sprechenden Beinahmen belegt, „Jupiter“, „Eroica“, „Pastorale“ et cetera, sei es durch die Komponisten selbst oder – wie öfter geschehen – durch Marketing-bewusste Verleger, so wurde und wird bis heute großes Aufhebens von den durch solche Titeleien transportierten Gehalten der Werke gemacht. Doch mit Aufkommen der neuen Musik verkehrten sich die Verhältnisse grundlegend. Jenseits gattungstypischer Formmodelle und Sujets ist seitdem jedes einzelne Werk dazu aufgefordert, streng genommen seine eigene Gattung zu begründen, mit der Folge, dass an die Stelle klarer Bezugsgrößen wie Lied, Klaviertrio oder Violinkonzert gänzlich individuelle Titel treten, die alles Mögliche sein können: Offenbarung, Bekenntnis, Versprechen, Andeutung, Verstellung, Geheimnis, Rätsel, Laune, Blödsinn.

Uraufführungen 2012/12

03.12.12 (Rainer Nonnenmann) -
Bei den Donaueschinger Musiktagen 2012 war die jüngere und jüngste Komponistengeneration in einer Weise präsent wie kaum je zuvor. Und auch an anderen Stellen vollzieht sich gegenwärtig ein Generationswechsel, nicht nur in kleinen Clubs, Spezialzirkeln und Off-Szenen, sondern ebenso bei etablierten Veranstaltern wie den Festivals und Konzertreihen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Uraufführungen 2012/11

31.10.12 (Rainer Nonnenmann) -
Die spieltechnischen Möglichkeiten von Polyphonie, vollgriffiger Harmonik, dynamischer Spannweite sowie im Laufe des 19. Jahrhunderts von Repetitionstechnik, zunehmender Anschlagsdifferenzierung und orches­traler Klangfülle machen das Klavier zu einem ebenbürtigen Widerpart des Orchesters.

Uraufführungen 2012/10

02.10.12 (Rainer Nonnenmann) -
Er hat Sternkarten, Holzmaserungen, Unregelmäßigkeiten im Papier oder Lotmaße von Punkten auf Linien in Klang übersetzt. Auch Zufallsergebnisse nach Würfel- oder Münzwürfen und den 64 Schafgarbenstängelchen des altchinesischen Orakelbuchs „I Ging“ verwandeltete er in Musik. Seit John Cage kann alles, was zunächst nicht Musik war, zu Musik werden. Als „Sonifikation“ ist dieses Verfahren längst allgemeine Praxis geworden, ohne noch mit Cage in Verbindung gebracht zu werden. Heute lässt sich jegliche analog oder digital erfasste Information mit Hilfe verschiedenster Soundprogramme in Musik übersetzen. Eines der faszinierendsten Beispiele unserer Tage ist der „G-Player“ von Jens Brand.

Uraufführungen 2012/09

30.08.12 (Rainer Nonnenmann) -
Wie modern war die Romantik? Immerhin war in der literarischen Romantik nicht alles nur Gefühl, Herzergießung, Schwärmen, Lieben, Ahnen, Sehnen…, sondern sprengten Dichter wie Ludwig Tieck, Novalis und die Gebrüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel schon in den 1790er Jahren den klassischen Formenkanon, indem sie Epik, Lyrik und Dramatik verschränkten, mit Poesie zugleich Poetik und Philosophie betrieben, und durch ironische Brechungen für Selbstreferenzen des Materials und Mediums von Sprache, Kunst und Philosophie sorgten. Nicht weniger neuartig waren in den 1830er Jahren Robert Schumanns schnelle Folgen kontrastierender Miniaturen und formale Hybridbildungen wie Sonaten-Phantasie oder Kantaten-Konzert, sowie seine offenen Schlüsse, metrischen Ambivalenzen, harmonischen Schwebungen, übersteigerten Tempi, verrätselten Titel, Motti und Tonsymbole, Selbst- und Fremdzitate et cetera.
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