Feb 042010
 

Studium bolognese4. Februar 2010
Live aus dem Studio 4 des Funkhauses in München
Moderation: Theo Geißler und Marlen Reichert

Das Zusammenwachsen Europas trägt teils seltsame Früchte: Erst die Gurken-Krümmungs-Norm, dann den sogenannten Bologna-Prozess als Maßnahme zur Vereinheitlichung aller erdenklichen Studiengänge. Hübsch gedacht vielleicht. Aber in der Praxis? Gerade hagelte es Studenten-Proteste und Streiks. Seltsamerweise aber kaum an den Kunst- und Musikhochschulen, obwohl diese Institute angeblich besondere Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Euro-Studien-Norm haben.

Über Probleme, Folgen und Lösungen informiert taktlos am 4. Februar um 21.03 Uhr live auf BR-Klassik Die Live-Musik liefert Münchens Musikhochschule.

Bologna-Prozess und Musikhochschulen

  • Misslungen (62%, 21 Stimmen)
  • sieht man später (32%, 11 Stimmen)
  • Gelungen (6%, 2 Stimmen)

Anzahl aller Stimmen: 34

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Gäste

  • Elisabeth Gutjahr (Rektorin der Hochschule für Musik, Trossingen)
  • Johannes Hornberger (Student Hochschule für Musik in Würzburg)
  • Martin Ullrich (Präsident Hochschule für Musik Nürnberg)
  • Musik: Solisten des Ensembles Oktopus (Hochschule für Musik & Theater, München – Jan Kiesewetter (Sax) & Markus Hofberger (Bass-Klarinette); Thomas Innerebner (Trompete) & Michael Engl (Tuba); Bruno Jouard (Flöte)

Die Sendung

Begrüßung 2:15
Begrüßung durch Theo Geißler und Marlen Reichert

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Vorstellung der Gäste und Diskussion 10:23
Elisabeth Gutjahr, Johannes Hornberger und Martin Ullrich

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Live-Musik: „Tales from another Time” (Daniel Schnyder) 3:21
Jan Kiesewetter (Sax) & Markus Hofberger (Bass-Klarinette)

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Unruhe unbekannt 3:38
taktlos-Dreisternekoch Dr. Martin Hufner mit einer Geschmacks-Analyse und der Frage, ob das ganze Reform-Gewusel vielleicht doch nur Parmesan ist …

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Erste Diskussionsrunde 17:09
Das durchgeplante Studium – Erziehung zur Unmündigkeit – Die Eleganz von Bologna – Den Freiraum kontrollieren – Die Kunst der Freiheit – Aufweckung des Bürokraten – Wer will schon frei sein? – Zwischenruf von Benedikt Ruf – Vertrauen in das System

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Live-Musik: Schumacher Marsch, für Trompete und Tuba (Daniel Schnyder) 1:58
Thomas Innerebner (Trompete) & Michael Engl (Tuba)

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taktlos – die nachrichten 3:24
aus der Welt des Wahren, Guten und Schönen live gesprochen von Gabi Hinterstoisser

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Zweite Diskussionsrunde und Absage 12:25
Zielvereinbarungen – Die Kosten von Bologna – Budgets – Prüfungen als kreative Herausforderungen – Brückenschlag – Akkreditierung als Qualitätssicherung – Die Lücke der Finanzierung bleibt

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Live-Musik: “Prélude pour la flûte de jade” (Charles Chaynes) 2:10
Bruno Jouard (Flöte)

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Links

Weitere Bilder

Kommen später. Der Hoffotograf Martin Hufner weilte erkrankt im fernen Kleinmachnow. Denkste. Mit dem Handy geht heute alles. Hier die schnellen Bilder des Moderators.



  6 Responses to “141 – Studium bolognese. Musiktiefschulen”

  1. Ich muss sagen, ein weiteres Beispiel für die Schönfärberei in der Bildung und Kultur. Rektorin und Präsident machten da einen souverän hilflosen Eindruck.

    Ullrichs Lob der Akkreditierungsagenturen heißt im Umkehrschluss, dass es die Hochschulen selbst nicht auf die Reihe bekommen würden. Will man aber solchen Hochschulen Vertrauen schenken können, die es nicht einmal nach innen verstehen, sich selbst zu vertrauen?

    Elisabeth Gutjahrs Lob der Freiheit blieb halbherzig und auf der Strecke. Wenn sie sagt, dass die Studierenden diese Führung benötigen und selbst wollen. Kann es sein, dass dann die Studierenden vielleicht doch nicht so gut geeignet sind für ein solches Studium.

    Was keiner so recht zugeben mag, auch jetzt ist das Studium vor allem auf künstlerisches Tun abgestimmt. Und jetzt will man daher auch noch einen Doktor dafür einführen.

    Bologna-Prozess = Inkonsequenz-Konsequenz. Eigentlich ist nur erstaunlich, wie reibungslos der Prozess dann doch vor sich ging. Auch ein Zeichen des Erschlaffens von Bildungsidealen.

  2. Immer wenn Neustrukturierungen allzu sehr in den Vordergrund der allgemeinen Diskussion sich drängen scheint die LEHRE nicht mehr die Hauptsache mehr zu sein, sondern nur noch die bürokratische Verwaltung von Studiengängen. Wird da nicht vom Wesentlichen abgelenkt??
    woran sollen sich Musik-Studierende da in Ruhe orientieren?

  3. Souverän durchaus – hilflos? Das Verfahren von Akkreditierungsagenturen habe ich nicht beobachtet, aber dass Hochschulpolitik einem peer review unterzogen wird, halte ich nicht unbedingt für eine abwegige Idee (vgl. die Sekunden 9.32 ff. in der zweiten Diskussionsrunde).
    Auch Frau Gutjahrs Lob der Freiheit fand ich nicht gerade halbherzig.

    Warum sollte keiner so recht zugeben mögen, dass das Studium vor allem auf künstlerisches Tun abgestimmt sei? Das hat doch an einer Musikhochschule durchaus seine Berechtigung?

  4. Hallo Herr Ruf, Frau Gutjahr ist wirklich gut. Ich mag sie sehr gerne und sie gehört bestimmt zu denen, die sich ihr eigenes Köpfchen bewahrt hat. Ich will nicht en Detail replizieren. Mit Gegenfragen beispielsweise.

    Ich will nur daran erinnern, dass das, was wir heute haben, natürlich nicht erst mit dem Bologna-Prozess entstanden ist. Der hat nur noch mal das Boot formal umgelenkt, Verbesserungen im Detail gebracht, bei manchen Dingen auch im Großen, dort wo der alte Tanker Musikhochschule ohnehin auf Sand gelandet ist.

    Zu meiner Zeit, als die Studienordnungen noch im Direktorium beschlossen wurden, vom Fachbereichsrat genehmigt wurden und dann irgendwann den ministeriellen Segen bekamen, war ja auch schon der Weg ins Modulsystem gebahnt (nur nebenbei, es handelte sich um Studienordnungen Musikpädagogik und Musikwissenschaft sowie Lehramt Musik – Hessen). Jede Studienordnung wurde komplizierter, prüfungslastiger, weil natürlich alle dachten, ihr Fach wäre so unerlässlich, dass man es am besten das ganze Studium lang belegt. Übrigens auch damals zugleich mit dem Spruch: Zu viel Freiheit wollen die Studis gar nicht, vertragen sie auch nicht. Die Ergebnisse wird man ohnehin erst in wenigen Jahren spüren.

    Wahrscheinlich war Bologna unvermeidbar. Das Ergebnis bringt nach wie vor nicht die Vorteile, die es verspricht. Es wird ganz sicher den Wettbewerb der Hochschulen anheizen und noch das verstärken, was in Amerika ganz üblich geworden ist.

    Eine kritische Würdigung dieser ganzen Entwicklung findet man ja in den entsprechenden Publikationen von Richard Münch oder zum Beispiel hier in den Blätern. Kunsthochschulen sind da noch eine andere Sache.

  5. Hallo Herr Hufner,
    Ob man jetzt schon beurteilen kann, was Bologna gebracht hat? Ich hoffe sehr, dass das, was an den Unis zu großen Teilen praktiziert wird (Prüfungswahn, Immobilität), vor allem frühe Auswüchse sind, die bald behoben sein werden.
    Was die Aussage angeht, der zufolge die Studierenden gar nicht so viel Freiheit wollen: Meiner Erfahrung nach stimmt die häufig. Die Frage ist doch, ob man das gut findet – und ich denke, wir sind uns da einig, natürlich nicht.

  6. Natürlich nicht. Ulrich Beck hat übrigens gerade in der FR ein ziemlich hartes Gericht über den Bologna-Prozess gehalten. Nur zur Info.