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Alle Artikel kategorisiert unter »Glossen & Kommentare«

Schutzpatron David Garrett

22.03.17 (Martin Hufner) -
David Garrett ist Violinist, Backstagereporter, Filmheld und so vieles andere auch. Das macht er je nach Blickwinkel mit mehr oder weniger Erfolg. Als Erfolg darf aber gelten, dass ihm 2017 der Frankfurter Musikpreis zugesprochen wurde. Da reiht er sich ein unter Kollegen wie Hans Zender, Michael Gielen, György Ligeti, Udo Lindenberg oder Peter Sadlo.

Der letzte Mensch

19.03.17 (Max Nyffeler) -
Da bezeichnet einer den bürgerlichen Kunstbegriff „als Nachricht und Beispiel kreativer Souveränität“. Er sieht darin einen „Lichtblick des Menschenbildes“ und eine „tiefgreifende Glückserfahrung“. Verbunden sei das mit einer Begeisterungsfähigkeit und Verantwortung für das, was gemeinhin „Geist“ genannt werde – eine „Sinneserfahrung, worin sich Denken und Fühlen in höchster Aktivität begegnen und uns an unser Potenzial als humane Geschöpfe erinnern“. Autonome Kunst ist für ihn eine „Antwort über den Kopf des Schaffenden hinweg auf die Wirklichkeit“.

Die Notenbibliothek von Babel

16.03.17 (Moritz Eggert) -
In dem Comic „Sandman“ von Neil Gaiman gibt es einen Bibliothekar, der die nie geschriebenen oder nie vollendeten Bücher der großen Dichter verwaltet. Diese Bibliothek enthält natürlich wesentlich mehr Bücher, als diese Dichter tatsächlich geschrieben haben.

Veggie-Musik

15.03.17 (Martin Hufner) -
Man weiß mittlerweile, dass es ein Scherz gewesen sein soll. Eine Rathausanwohnerin in Limburg beklagte sich darüber, dass im Glockenspiel des Rathauses die Melodie zu „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ gespielt wurde. Als Veganerin könne sie das nicht ertragen. Daraufhin entbrannte ein veritabler Shitstorm, der dazu geführt hat, dass die Klägerin heftig bedroht wurde. Das geht gar nicht. Die Gereiztheit ist spürbar, auf beiden Seiten. Aber auch der Scherz selbst war schlecht gedacht und schlecht gemacht. Gibt es denn so etwas wie vegane oder vegetarische Musik? Mal ernsthaft gefragt.

Abgehängt

09.03.17 (Gordon Kampe) -
Dies hier wird nicht lustig. Ich knüpfe an einen Text aus dem letzten Jahr an, in dem ich von einem Mädchen aus Afghanistan berichte, mit dem ich in einer Schule Musik gemacht hatte. Damit Rückschlüsse auf konkrete Menschen unmöglich sind, wartete ich mit der Fortsetzung und vermische zudem Schulen miteinander: Nie hatte ich einen Klassenraum nach getaner Arbeit so ernüchtert verlassen. Wie das alles die frohgemute Lehrerin jahrelang aushielt?

Terz & Schmerz

07.03.17 (Sven Ferchow) -
Hand auf’s Herz. Sind Sie auch so ein Fantast, der noch 70 Jahre später weiß, welcher Song beim ersten Kuss lief und dass dabei der verdammte Himmel voller Geigen war? Na dann. Auch nicht schön.

Kurz-Schluss: Wie ich einmal versuchte, unser verunsichertes, trauriges Land aufzuheitern

23.02.17 (Theo Geißler) -
Ausgerechnet in der „fünften“ Jahreszeit, dem Karneval, süddeutsch auch Fasching genannt, legt sich ein mehltaupappiger Grauschleier, eine eigentlich unerklärliche Depression über unser schönes, heiteres deutsches Land. Ja über dreiviertel Europa. Wo eigentlich endlich mal das Volk die Sau rauslassen darf, gedacht als Ventil für angesammelten Frust – beherrscht Zukunftsangst und Pessimismus selbst die Motivwägen unserer ansonsten so hemmungslos komischen Jecken. Saure Drops, bitterschwarzer Lakritz werden anstelle von Sweet-Karamellen und schmusigen Marshmallows in die überraschend erstarrten Massen am Straßenrand geworfen. Und die Krawatten-Produzenten und Scherenschleifer vermelden drastische Umsatzeinbrüche vor allem im Heiterkeits-Stammland Nordrhein-Westfalen. Höchste Zeit, gegenzusteuern, gerade in dieser oft so trüben publizistischen Rubrik.

Blabla-Schwäche

17.02.17 (Gordon Kampe) -
Praktikant zu Kurator so: „Der Pianist will Ives spielen.“ – „Passt nicht.“ – „Er könnte auch die Grenzen der Gattung ausloten!“ – „Top. Sag ihm, er soll Ives spielen!“ Funktioniert eigentlich so das „Komponieren“ von Konzerten? Was habe ich gelacht, als ich neulich eine Pressemitteilung der „MaerzMusik“ las. Die haben Mumm!

Da weiß man, was man hat

16.02.17 (Martin Hufner) -
Jeder öffentlich-rechtliche Rundfunksender hat mindestens einen Kanal für die Kultur im weiteren und engeren Sinn übrig. Damit das Kulturangebot schärfer umrissen oder positioniert werden kann, bedienen sich die Sender gewissermaßen eines Untertitels zu ihrem Wellennamen, der ja zugleich der Markenname und eher selten sprechender Natur ist. Dabei handelt es sich um Slogans oder, wohl präziser, Claims.

Hast du das wirklich so gewollt?

16.02.17 (Moritz Eggert) -
Als mein Kollege Jan Müller-Wieland einmal als junger Student in Darmstadt zu Besuch war, fragte ihn ein gestrenger Dozent: „In Ihrem Klavierstück, nach diesem langen Tremolo, wiederholen Sie das exakt gleiche Tremolo eine Oktave höher. WARUM AUSGERECHNET EINE OKTAVE???“. Jan zögerte nur kurz und sagte dann trocken: „Weil ich es so gewollt habe“.
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