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Post-Westlich

02.04.17 (Max Nyffeler) -
„Russia‘s foreign minister calls for ‘post-West world order’ in speech to global leaders“, titelte jüngst der britische „Independent“ über den russischen Außenminister Sergej Lawrow. Die schlagwortartig verkürzte Aussage kann man auf newsfront.info ausführlicher nachlesen. Demnach sagte Lawrow: „Die Welt wird objektiv post-westlich. Der Moderne ist es nicht gelungen und wird es auch nicht gelingen, und man muss sich daran gewöhnen, dass die Welt multipolar wird, und dass vor allem die führenden Spieler ihre kollektive Verantwortung für die Welt und Stabilität erkennen und in der Praxis umsetzen müssen.“ Und weiter: „Ich meine damit Westeuropa, die USA, Australien, Neuseeland, also den historischen Wes­ten, der bereits seit Jahrzehnten die erste Geige bei internationalen Angelegenheiten spielte.“ Mittlerweile, so Lawrow, sei es aber zur „Entstehung neuer Machtzentren gekommen“.

Der letzte Mensch

19.03.17 (Max Nyffeler) -
Da bezeichnet einer den bürgerlichen Kunstbegriff „als Nachricht und Beispiel kreativer Souveränität“. Er sieht darin einen „Lichtblick des Menschenbildes“ und eine „tiefgreifende Glückserfahrung“. Verbunden sei das mit einer Begeisterungsfähigkeit und Verantwortung für das, was gemeinhin „Geist“ genannt werde – eine „Sinneserfahrung, worin sich Denken und Fühlen in höchster Aktivität begegnen und uns an unser Potenzial als humane Geschöpfe erinnern“. Autonome Kunst ist für ihn eine „Antwort über den Kopf des Schaffenden hinweg auf die Wirklichkeit“.

Quartett mit Waldesduft

03.02.17 (Max Nyffeler) -
Aus der Ferne sieht die Hamburger Elbphilharmonie großartig aus. Ein sogenanntes Wahrzeichen. Wie eine Sphinx auf dem Felsen thront sie auf ihrem Speicher und wartet auf den Wanderer, der ihre Frage zur Akustik beantworten kann. Und je näher man ihr kommt, desto respektheischender wirkt sie. Majes­tätisch schaut sie hinter den davorstehenden Gebäuden hervor, und steht man davor, wirkt der fast fensterlose Unterbau wie ein riesiger Bunker.

Das Loch

01.12.16 (Max Nyffeler) -
Vor kurzem ging diese Meldung durch die Medien: „30 Meter lang, 27 Meter breit, 15 Meter tief: Das waren die Ausmaße eines enormen Erdlochs, das sich vergangene Woche in der japanischen Stadt Fukuoka aufgetan hat. Nur sieben Tage später ist davon nichts mehr zu sehen.“ Das Loch, das durch den Bau einer U-Bahn entstanden war, wurde innerhalb einer Woche repariert, der Verkehr auf der fünfspurigen Straßen fließt wieder normal. Die Effizienz, mit der in Japan solche Probleme gelöst werden, weckt unser Staunen. Nicht lange reden, sondern handeln.

Gruppenzwang

28.10.16 (Max Nyffeler) -
Neulich war in einem längeren Zeitungsartikel zu lesen, was man unter der sogenannten „Generation Y“ zu verstehen hat: Mittelstand, Geburtsjahrgänge ungefähr 1980 bis 1999, technikaffin, selbstbewusst bis egoistisch, wählerisch in den Ansprüchen und mit einer Schlagseite zu Discokultur. Der Autor des Artikels, der sich altersmäßig auch gerade noch dazurechnet, hatte eine Wochenendparty irgendwo in den polnischen Wäldern besucht, wo zwei Tage lang reiche Westler gegen teures Eintrittsgeld sich zu monotoner Elektromusik die überschüssige Energie aus dem Leib zappelten und mit Drogen zudröhnten. Die Generation Y in Aktion.

Das P-Wort

05.10.16 (Max Nyffeler) -
In der Politik ist Populismus das Wort des Jahres. Da stellt sich die Frage: Gibt es so etwas auch in der Musik, und wenn ja, wie sieht es aus? Vor dem Betreten des begrifflichen Irrgartens sollte man sich aber erst klar werden, was das viel strapazierte Wort überhaupt bedeutet. Vielleicht könnte man es so definieren: Erzeugen von Mehrheiten mit fragwürdigen Mitteln. Etwa wenn ein Regierungschef oder ein Oppositioneller dem Populus („Volk“) auf dem Marktplatz – auf dem realen oder auf dem „Bildschirm“ genannten virtuellen – unter Beschwörung großer Gemeinsamkeiten und unter Umgehung des Parlaments eine Seelenmassage verabreicht, um seine Politik mehrheitsfähig zu machen. Oder noch besser, wenn er nach der Methode Berlusconi gleich einen Fernsehkanal kauft und seine Botschaften mit halbnackten Weibern garniert. Wie auch immer: Die Massenmedien spielen eine entscheidende Rolle.

Smetak

05.09.16 (Max Nyffeler) -
Wir sind froh, dass der Atlantik dazwischen liegt und die Typen nicht zu uns kommen, sagen die Brasilianer mit Blick auf die umtriebigen Dynamit- und Messeraktivisten in Westeuropa. Der Atlantik als Sicherheitszone, zuverlässiger als das Mittelmeer. So ähnlich reagierte auch Walter Smetak, als er 1937 nach Brasilien emigrierte: „Ich dachte, es wäre besser, mich auf das freiheitliche Durcheinander der Tropen einzulassen als mich dem von Hitler angezettelten europäischen Desaster auszuliefern.“ Der 1918 in Zürich geborene Cellist ließ sich erst im Süden des Landes nieder und kam dann in den fünfziger Jahren nach Salvador im Nordosten, wo er zunächst im Sinfonieorchester spielte und Cellounterricht gab.

Der Selbstdarsteller

05.07.16 (Max Nyffeler) -
Die neuen Medien, also alles, was mit Computer und Digitalisierung zusammenhängt, sind heute aus den Künsten nicht mehr wegzudenken. Damit ist auch ein neuer Typ von Künstler entstanden: der Medienkünstler. Die Entwicklung begann schon gleich im ersten Nachkriegsjahrzehnt mit Musique concrète und elektronischer Musik, doch erst in der Pop Art entstand daraus eine neue performative Qualität. Wenn Nam June Paik den Fernseher in seine Materialcollagen einbaute und ihn gelegentlich auch spektakulär zerdepperte, machte das Schlagzeilen. Das war der Beginn der Medienkunst als performativer Akt, in dem Künstler und Werk zur publikumswirksamen Einheit verschmelzen.

Politische Lieder

02.07.16 (Max Nyffeler) -
And the loser is: Germany. Zum zweiten Mal in Folge hat die famose deutsche Auswahljury für den European Song Contest eine junge Sängerin verheizt. Vor einem Jahr holte im trostlosen schwarz-weißen Bühnendesign eine gewisse Ann Sophie mit einem eintönigen Song null Punkte, und nun folgte ihr das Schulmädchen Jamie-Lee aus Hannover. Es kam immerhin auf elf Punkte, ein gewaltiger Fortschritt. Letzter Platz war es trotzdem.

Musikfilme, zum zweiten

31.03.16 (Max Nyffeler) -
Neulich hat der Musikjournalist Axel Brüggemann im Internetmagazin crescendo.de ein feuriges Plädoyer für die Präsenz der klassischen Musik in Fernsehen und Internet veröffentlicht und sich dabei auf seine Eindrücke von der Avant Première, dem jährlichen Treffen der Musikfilmproduzenten in Berlin, abgestützt. Der Artikel ist in Facebook, wo er verlinkt wurde, bei einer Reihe von Kolleginnen und Kollegen auf harsche Ablehnung gestoßen.
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