Achtsam begleiten, unterstützen und fördern

Anmerkungen zur Rezension des Buches „Das Musikschiff“ Maria Seeliger


(nmz) -
Ein Artikel von Michael Dartsch.

Zur Rezension des Buches „Das Musikschiff“ von Maria Seeliger, das kürzlich bei ConBrio erschienen ist, mögen hier noch einige ergänzende Anmerkungen gestattet sein.

Das Buch wird dort bereits in der Überschrift als Standardwerk zur „Musikalischen Früherziehung“ bezeichnet. Dies mag Anlass zu Irritationen bei Musikpädagoginnen und -pädagogen geben. Während nämlich im englischsprachigen Raum unter „early childhood music education“ Musikerziehung mit Kindern vom Neugeborenen bis zum Achtjährigen gemeint sein kann, ist der Begriff „Musikalische Früherziehung“ bei uns zum festen Terminus für die Arbeit mit Kindern von vier bis sechs Jahren geworden. So wird er an Musikschulen und von Lehrkräften der Elementaren Musikpädagogik benutzt und verstanden. Demgegenüber behandelt das Buch von Maria Seeliger die musikpädagogische Arbeit mit Gruppen von Eltern und Kleinkindern von der pränatalen Zeit bis zum vierten Lebensjahr. Damit wird – und das ist einzigartig und neu an diesem Werk – die gesamte Spanne der Lebenszeit vor dem Alter, mit dem wir es in der Musikalischen Früherziehung zu tun haben, dargestellt.

Dabei richtet sich das Buch primär an Musikpädagoginnen und -pädagogen. Die musikalische Kommunikation als zentrales Element lebt auch von Kompetenzen, die über das erzieherische Moment hinaus eine vertiefte Vertrautheit mit dem Medium Musik voraussetzen. Naturgemäß werden besonders Lehrkräfte der Elementaren Musikpädagogik für diese Arbeit prädestiniert sein; seit Jahren schon wird an Hochschulen im entsprechenden Studienhauptfach auch die Arbeit mit Eltern-Kind-Gruppen thematisiert, erprobt und gelehrt. Aus einer solchen Lehr- und Forschungstätigkeit heraus ist das Buch ja auch erwachsen. Maria Seeliger leitet an der Mannheimer Hochschule den Studiengang Elementare Musikpädagogik und beschäftigt sich dort seit Jahren praktisch und theoretisch mit dem Thema des Buches.

Es geht hier wohl auch weniger um Berührungsflächen, die sich etwa mit der Musiktherapie ergeben könnten, oder um die psychoanalytischen Substrate, die sich in Seeligers entwicklungspsychologischen Grundlagen ver-bergen mögen. Seeliger geht es um eine Musikpädagogik, die um die jeweils aktuellen Schwerpunkte, Tendenzen und Bereiche der Entwicklung von Kindern weiß, diese achtsam begleitet, unterstützt und fördert, wobei – auch dies zeichnet das Buch aus – theoretische Grundlegung und praktische Unterrichtsgestaltung in wechselseitiger Bezogenheit gedacht und dargestellt werden. Weder wird abgehobene Theorie, noch werden aktionistisch blinde Praxistipps geliefert. Für die Autorin hat die Musikpädagogik dabei den ganzen Menschen im Blick zu behalten. Das Buch transportiert neben allen fachlichen Details auch diese Botschaft: Alle Dimensionen des Menschseins sind für die musikpädagogische Arbeit, wie sie hier beschrieben wird, bedeutsam.

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