Kritik

5. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch: Die wundersame Konzertscheune

23.09.14 (Michael Ernst) - Ein Grüner Hügel in der Sächsischen Schweiz: Wo Dmitri Schostakowitsch 1960 sein 8. Streichquartett komponierte, gibt es seit fünf Jahren ein internationales Stelldichein der Moderne. Da trifft Musik auf Meinung, wird Inhalt mit Opulenz verbunden und ereignet sich Jahr für Jahr ein kulturvolles Wunder.

Kritik

Das Trauma der Eva Pogner – Faszinierende Sicht auf Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ in Bremen

23.09.14 (Ute Schalz-Laurenze) - Dieses Mal verschwindet keine Figur wie in den letzten drei Inszenierungen Benedikt von Peters, sondern es gibt eine dazu: Nicht ganz, denn Eva aus Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ ist als Rolle ja da. Aber die Rolle ist rein musikalisch klein, das arme Mädchen hat nichts zu sagen. Das nutzt Benedikt von Peter in seiner Inszenierung von Wagners ebenso klarem wie abgründigem Werk: Eva ist über fünf Stunden auf der vorderen, sehr kleinen Bühne anwesend und in ihrem Gesicht und ihrer Körperhaltung spiegelt sich das ganze für sie traumatische Geschehen.

Aktuelles

KIZ

Straßburger Festival «Musica» mit Fantasie und Klang-Kompositionen

Straßburger Festival «Musica» mit Fantasie und Klang-Kompositionen
22. 09. 2014 (dpa) - Straßburg - Ein Schauspiel für Klaviere ohne Klavier, ein Theater ohne Schauspieler und ein Konzert ohne Musiker: «Stifters Dinge» heißt diese «no-man-show» von Heiner Goebbels nach Texten von Adalbert Stifter. Das Spektakel steigt in Straßburg zur Eröffnung des Festivals für zeitgenössische Musik «Musica» am 25. September und ist eine der vielen Überraschungen, die bis zum 10. Oktober auf dem Programm stehen.
KIZ

Umjubeltes Saisonfinale bei Festspielen Mecklenburg-Vorpommern

Umjubeltes Saisonfinale bei Festspielen Mecklenburg-Vorpommern
22. 09. 2014 (dpa) - Neubrandenburg - Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben zum Saisonfinale am Sonntag noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt und die Rekordsaison würdig beschlossen. Zum Abschlusskonzert bedachten die 850 Besucher in der ausverkauften Neubrandenburger Konzertkirche den Geiger Frank Peter Zimmermann und die NDR Radiophilharmonie aus Hannover mit langanhaltendem Applaus und Bravo-Rufen.
KIZ

Tagung über zeitgenössisches Musiktheater in Heidelberg geplant

Tagung über zeitgenössisches Musiktheater in Heidelberg geplant
22. 09. 2014 (dpa) - Heidelberg - Mit einem dreitägigen Symposium will das Theater und Orchester Heidelberg in der neuen Spielzeit eine Standortbestimmung des zeitgenössischen Musiktheaters vornehmen. Opernregisseur Peter Konwitschny bringt zu Beginn der Tagung am 13. Februar 2015 zunächst die zwei Opern «Abends am Fluss/Hochwasser» von Johannes Harneit zur Uraufführung, wie eine Theatersprecherin ankündigte.
Online

Sex statt Frivolität – Offenbachs „La belle Hélène“ in Hamburg: knallbunt und allzu eindeutig

Sex statt Frivolität – Offenbachs „La belle Hélène“ in Hamburg: knallbunt und allzu eindeutig
21. 09. 2014 (Verena Fischer-Zernin) - Jacques Offenbach hat in seiner Opéra bouffe „La belle Hélène“ unter dem Deckmäntelchen der Antikenparodie ein Füllhorn an Spott über die herrschende Klasse im Paris der 1860er-Jahre ausgegossen. Helden des Trojanischen Krieges wie Achill und Ajax begegnen uns als larmoyante oder pseudopotente Remakes. Gelangweilte Gattinnen mittleren Alters haben der Komponist und seine Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy dagegen verschont.
Online

Das Ruhrstadtkonglomerat und seine Amateure – Heiner Goebbels adaptiert seine „Surrogate Cities“ in Duisburg

Das Ruhrstadtkonglomerat und seine Amateure – Heiner Goebbels adaptiert seine „Surrogate Cities“ in Duisburg
21. 09. 2014 (Frieder Reininghaus) - Die Stadtexistenz ist ein weit zurückreichendes Thema. Den von Herzen der ländlichen Idylle verbundenen deutschen Romantikern erschien „die Stadt“ in denkwürdiger Entrückung als Nebel- oder Weichbild „am fernen Horizonte“. Doch waren die Künste ihr nicht nur in der Regel nah (die Städte bildeten ganz überwiegend Basis und Rahmen), sondern die Metropolen haben im 19. und 20. Jahrhundert illuminiert, wurden zudringlich und sind auf die intensivste Weise ins Innere der Kunstbezirke eingerückt. Ihr Puls begann Zeitverläufe zu strukturieren, zu beschleunigen und zu takten, Zäsuren und Fermaten zu setzen. Ihre Geräuschpegelstände haben Musik evoziert und aus der Polyphonie der Großstadt erwuchs eine ganze Literatur.

Personalia

Menschen

KIZ

Ein Boss kommt ins Rentenalter: Bruce Springsteen wird 65

23.09.14 (dpa) -
New York - Rentner sehen eigentlich anders aus. Der Mann auf den vor ein paar Wochen veröffentlichten Bildern ist halbnackt und durchtrainiert, kein Gramm Fett ist zu sehen - trotz eines Lebens, bei dem er kaum etwas ausgelassen hat. Bruce Springsteen will nach wie vor ganz vorn mit dabei sein, bei der Musik, in der Szene, im Leben. Gerade ist er sogar unter die Schauspieler und Kinderbuchautoren gegangen. Jetzt (23. September) wird «der Boss» 65.

Dossier

Musikhochschulen Baden-Württemberg

Die Musikhochschulen Baden-Württembergs stehen vor einem massiven Einschnitt. Nach Plänen des Wissenschaftsministeriums sollen nur noch drei der Standorte als „Voll“-Musikhochschulen erhalten bleiben: Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart.
SWR-Orchesterfusion Das Bekanntwerden der Fusions- und Sparpläne des SWR in Sachen Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und SWR...
El Sistema: das venezolanische Modell elektrisiert die Musikwelt Kaum ein musikpädagogisches Projekt hat in den vergangenen Jahren weltweit so viel Echo ausgelöst wie „...
Musikhochschulen Anlässlich der 141. Ausgabe des Musikmagazins taktlos zum Thema „Studium bolognese“ haben wir ein...
Reinhard Schulz – eine Textauswahl Am 24. Juli 2009 verstarb mit Reinhard Schulz ein Autor, der die ästhetische Diskussion in der neuen musikzeitung...
GEMA Petition Spätestens seit Johannes Kreidlers spektakulärer Aktion vor und in der Berliner GEMA-Zentrale ist die ehrw...

News von Musikhochschulen und Musikschulen

Kunstuniversität Graz: "Studienbeginn" für singende Kinder - Der „kug.kinderchor“ mit seiner vielfach prämierte Leiterin Maria Fürntratt (Pädagogischer Panther, zahlreiche Goldmedaillen und 1.Preise weltweit)...
Kunstuniversität Graz: Juan de Dios Magdaleno Gómez Sieger des Ö1 Talentebörse-Kompositionspreises 2014 - Der junge Musiker, 1984 in Mexiko geboren, studiert an der KUG im Masterstudium Komposition bei Gerd Kühr und konnte bereits mehrere internationale...
Würzburg (HfM): Im "Musikgarten" sind noch Plätze frei! - An der Musikhochschule wird regelmäßig ein Kurs „Eltern-Kind Musizieren“ (auch Musikgarten genannt) als Modellklasse innerhalb der Ausbildung der...
Lübeck (MHL): Vier Konzerte geben Einblick in KISS-Symposium - Vom 25. bis 28. September sind internationale Sounddesigner, Klangkünstler, Komponisten und Instrumentalisten zu Gast in der MHL. Das KISS-Symposium...

Weitere Nachrichten

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Melodramen in des Wortes doppelter Bedeutung –Friedrich-Luft-Preis für „For the Disconnected Child“

Melodramen in des Wortes doppelter Bedeutung –Friedrich-Luft-Preis für „For the Disconnected Child“
20. 09. 2014 (Peter P. Pachl) - Da bedarf es schon des Zusammenspiels eines Opernintendanten, der von Hause aus ein Schauspielmann ist und eines Schauspielintendanten, der erklärtermaßen besonders offen ist für „Interdisziplinarität“: Jürgen Flimm und Thomas Ostermeier ermöglichten für das Festival „Infektion!“ im Vorjahr eine Produktion, die anknüpft an die alten Theatertraditionen, bei denen der Schritt zwischen Oper und Schauspiel oft unmerklich war, als die Primadonna der Oper die Donna Seconda in Schauspielaufführungen war und umgekehrt.
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Wo ist Kugel? – Die Oper Magdeburg eröffnet die Spielzeit mit Richard Wagners „Lohengrin“

Wo ist Kugel? – Die Oper Magdeburg eröffnet die Spielzeit mit Richard Wagners „Lohengrin“
19. 09. 2014 (Joachim Lange) - Wagners „Lohengrin“. Ein Schmuckstück! Ziemlich romantisch. Wann kommt schon mal der Ritter in der Not genau zum richtigen Zeitpunkt? Und das nicht nur als der Retter, sondern gleich noch als Mann für eine Liebesheirat, bei der das ganze Land aus dem Häuschen ist? Bei der brabantischen Prinzessin Elsa und dem Ritter, der mit dem Schwanenboot aus dem Nichts kommt, ist das so. Einziger Haken: er will inkognito bleiben.
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Die Blechbratsche in Geschichte und Gegenwart – Das 10. Musikfest Berlin widmete sich sehr dem Horn

Die Blechbratsche in Geschichte und Gegenwart – Das 10. Musikfest Berlin widmete sich sehr dem Horn
19. 09. 2014 (Dirk Wieschollek) - Christian Friedrich Daniel Schubart brachte es 1784 in seinen „Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst“ auf den Punkt: „Das Waldhorn menschlich gedacht, ist ein guter ehrlicher Mann, der sich eben nicht als Genie, sondern als empfindsame Seele, fast allen Gesellschaften empfiehlt.“ Mit der Weiterentwicklung zum Ventilhorn (von Brahms als „Blechbratsche“ verunglimpft) zog diese Seele als „Seele des Orchesters“ (Schumann) in die abendländische Sinfonik ein und wurde zum programmatischen Funken der diesjährigen Jubiläumsausgabe des 2005 gegründeten Berliner Orchesterfestivals.
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Wider die Sprachlosigkeit – Gidon Kremer und die Kremerata Baltica mit „Mein Russland“ in der Semperoper

Wider die Sprachlosigkeit – Gidon Kremer und die Kremerata Baltica mit „Mein Russland“ in der Semperoper
19. 09. 2014 (Alexander Keuk) - Dass die neue Konzertsaison der Sächsischen Staatskapelle Dresden mit der Berufung des Geigers Gidon Kremer eine außergewöhnliche werden würde, war klar als man bereits vernahm, dass als Hauptwerke seiner Residenz die beiden Violinkonzerte von Sofia Gubaidulina programmiert wurden. Dem Porträtkonzert, das am Donnerstag in der Semperoper mit Kremers Orchester, der „Kremerata Baltica“ stattfand, verlieh Kremer kurzerhand ein neues Programm – angesichts der dramatischen Lage im Russland-Ukraine-Konflikt sah sich Kremer außerstande, ein auf seine eigene Biografie ausgerichtetes Programm namens „All about Gidon“ zu spielen und stellte ein neues unter dem Titel „Mein Russland“ zusammen, wandte sich in einem Statement an sein Publikum und baute im Konzert eine Gesprächsrunde ein, an der auch der Komponist Leonid Desyatnikov teilnahm.
KIZ

«Hallelujah»: Kanadas Musik-Altmeister Leonard Cohen wird 80

«Hallelujah»: Kanadas Musik-Altmeister Leonard Cohen wird 80
19. 09. 2014 (dpa) - New York - Rauchige Stimme, den schwarzen Hut tief in die Stirn gezogen und umgeben stets von einer Aura tiefster Melancholie: Leonard Cohen gilt als Phänomen, als Legende und als einer der herausragenden Songschreiber aller Zeiten. Für Millionen Fans auf der ganzen Welt ist der kanadische Altmeister ein heiß verehrter Superstar - der doch stets bescheiden bleibt. Erfolg, so sagte er einmal, sei für ihn schlicht das Überleben. Am kommenden Sonntag (21. September) wird Cohen 80 Jahre alt und schenkt sich und seinen Fans zwei Tage vorher ein komplett neues Album: «Popular Problems».
Mit der ersten Neuproduktion von Louis Andriessens Musiktheaterwerk „De Materie“ seit dessen Uraufführung 1989 startete die Ruhrtriennale in ihre dritte Ausgabe unter der Intendanz von Heiner Goebbels. Foto: Wonge Bergmann
Schwierigkeiten bei der Verfransung in und mit Musik

Theorietanz zwischen Performanz und Relevanz

(Martin Hufner) Geschichte, könnte man meinen, wiederholt sich, wenn man dem modischen Theoriewort des „Performativen“ oder der „Performanz“ folgen möchte. Wobei die wenigsten dabei an die Bedeutung dieser Begriffe aus dem Bereich der Linguistik denken dürften, sondern schlicht an die englische Verwendung als „Performance“, also ganz unsubtil als Aufführung oder wie es durch den übermäßigen Einsatz in Castingshows in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist: nach dem Motto, man „performe“ jetzt mal etwas.
Magazin: Musik von einer anderen Realität - Alfred Schnittke antwortet auf Bálint András Vargas „Drei Fragen“ – Vorabdruck aus der deutschen Buchausgabe
Kommentar/Glosse: Das Herdstipendium - Cluster 2014/09 - Gordon Kampe
Musikleben: Nachrichten 2014/09
Berichte: Wahrnehmungsaufgaben für den Raumhörer - Johannes S. Sistermanns’ Klangkunst-Installation „Der gefilterte Raum“ im Jugendstil-Wasserwerk Hattersheim
Chorszene: Kunstfreiheit bedeutet nicht die Abwesenheit von Zwecken - Karl Ermert, Vorsitzender des Arbeitskreises Musik in der Jugend (AMJ), im nmz-Gespräch
Pädagogik: Musik im Untergrund - Neubau zusätzlicher Musikräume am Nordkolleg
Rezensionen: Geschichte kann man auch hören - Ein ungewöhnlicher Reader zum „Sound des Jahrhunderts“
Verbände: „Masse statt Klasse?“ - Volksinitiative „Musische Bildung jetzt“ in Brandenburg

Weitere Nachrichten

KIZ

«Dvorák-Experiment» geht mit großem Finale zu Ende

«Dvorák-Experiment» geht mit großem Finale zu Ende
19. 09. 2014 - Hamburg - Mit einem Konzert des NDR-Sinfonieorchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock ist am Freitag in Hamburg das «Dvorák-Experiment» zu Ende gegangen. «Das war eine tolle Erfahrung. Die Nachwuchsarbeit ist uns eine Herzensangelegenheit», sagte Hengelbrock nach dem Konzert, das rund 22 000 Schüler live übers Internet in ihren Klassenzimmern verfolgten.
KIZ

Beste Nachwuchsmusiker treffen sich an der Seenplatte

Beste Nachwuchsmusiker treffen sich an der Seenplatte
19. 09. 2014 (dpa) - Neubrandenburg - Die Mecklenburgische Seenplatte wird erneut Treffpunkt der besten deutschen Nachwuchsmusiker. Wie der Deutsche Musikrat in München am Donnerstag mitteilte, wird die Stadt Neubrandenburg vom 26. bis 28. September Austragungsort für den «Wettbewerb der Besten.» Die Preisträger des letzten Bundeswettbewerbes treten in einen Wettstreit über drei Tage hinweg um Geldpreise in Höhe von insgesamt 25 000 Euro.
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Zu unbequem - André Bücker muss erfolgreiche Intendanz beenden und verlässt Dessau

Zu unbequem - André Bücker muss erfolgreiche Intendanz beenden und verlässt Dessau
18. 09. 2014 (dpa) - Dessau-Roßlau - Nach einem monatelangen Finanzstreit wirft der Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, André Bücker, das Handtuch. Er werde sich bei der Neuausschreibung seiner Stelle nicht erneut bewerben, teilte das Theater mit.«Es ist ganz klar, dass man mich hier nicht haben will», sagte Bücker der «Mitteldeutschen Zeitung». «Ich werde mich nach fünf erfolgreichen Jahren nicht auf ein Verfahren einlassen, in dem ich keine Chance habe.»