Auf dem Theaterschiff zu Hause
Dem Regisseur und Intendanten Claus Helmut Drese zum Achtzigsten
Ein Artikel von grk.
Über Köln kam Drese dann an die Zürcher Oper, wo es seine Hauptleistung war, Nikolaus Harnoncourt an ein reguläres Opernhaus, abseits puristischen Alte-Musik-Spezialistentums, zu binden. Zusammen mit Jean-Pierre Ponnelle hat Harnoncourt einen legendär gewordenen Monteverdi-Zyklus in Zürich realisiert, dem ein ebenso spannungsvoller Mozart-Zyklus folgte. Der teure Opernhaus-Umbau bescherte Drese in den frühen achtziger Jahren Unruhen auf der Straße, wo die Zürcher Jugend gegen die Kosten und wohl auch gegen die etablierte Kultur allgemein protestierte – ein verspäteter schweizerischer Reflex auf die 68er-Zeiten. Danach wagte Drese den Sprung in die Löwengrube: an die Wiener Staatsoper. Er hat im Haus am Ring viel bewirkt. Das Repertoire wurde erweitert, Abbado kam als Musikdirektor ins Direktorium, und sogar die Regie-Avantgarde durfte in Wien arbeiten, sorgte dafür, dass aus dem Touristen-Tempel für fünf Jahre ein modernes Musiktheater wurde. Aber Wien blieb auch in diesem Fall Wien: Mit kakanischer Intrigenkunst wurde Drese ausgebootet. Die Bitterkeit, mit der Drese seine Erfahrungen in zwei Büchern kommentierte, war nur zu verständlich. Wenn man achtzig Jahre alt geworden ist, obsiegt schließlich doch die Altersmilde und der Blick zurück auf eine große Zeit als „Kapitän” auf mehreren imposanten Theaterschiffen.
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