Bayern

Die Zeit zum Handeln ist jetzt da


(nmz) -

Die Zeit zum Handeln ist jetzt da
Von BMR-Präsidiumsmitglied Hedy Stark-Fussnegger


Als weiteres neues BMR-Präsidiumsmitglied darf ich mich in dieser Ausgabe der nmz vorstellen. Zuvor jedoch möchte ich mich bei meinem Vorgänger im Präsidium, Herrn Dr. Johann Bauer, im Namen aller Akkordeonisten herzlich bedanken. Beinahe 25 Jahre lang hat er unser Instrument und auch alle anderen Laienmusiker verantwortungsbewusst, kompetent und selbstlos vertreten. In dieser langen Zeit der ehrenamtlichen Tätigkeit für die Laienmusik und musikalischen Jugend- und Erwachsenenförderung ist er dem Deutschen Harmonikaverband immer unersetzlicher Mitstreiter und Vorbild gewesen. Es ist für mich eine große Ehre, zum einen seine Nachfolge im Bayerischen Musikrat antreten zu dürfen und natürlich zum anderen nun dem Präsidium des Bayerischen Musikrates anzugehören. Ich bedanke mich für das Vertrauen der Delegierten, das mir entgegengebracht wurde, bin mir aber auch der Verantwortung bewusst, die ein Amt im höchsten Gremium des Bayerischen Musiklebens mit sich bringt. Der Umgang mit Abgeordneten gehörte zwar bislang nicht zu meinem Tagesgeschäft, aber durch meine Tätigkeit an der Musikschule Grünwalds, die ich seit 20 Jahren leite, ist mir die Zusammenarbeit mit Behörden und Gemeindevertretern vertraut. Insbesondere in der Zeit der Planung und des Bauens unseres neuen Musikschulgebäudes mit Konzertsaal für ca. 360 Besucher, in das wir im Februar 2002 eingezogen sind, konnte ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Als Akkordeonistin gehört natürlich ein großer Teil meines Bemühens diesem Instrument, der Förderung seiner Vertreter und der Publikation. Ein Schwerpunkt meiner bisherigen Arbeit für den DHV ist die organisatorische Leitung des von mir vor 14 Jahren gegründeten Landesjugend-Akkordeonorchesters Bayern, das inzwischen viel Anerkennung erhält. Einladungen ins Ausland, wie zuletzt 2001 nach Australien und 2002 nach St. Petersburg, bestätigen dies. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Organisation von Fortbildungsmaßnahmen und Wettbewerben.

Das jährlich deutschlandweit ausgeschriebene Herbstseminar des DHV in der Bayerischen Musikakademie Schloss Alteglofsheim mit seinen Kursen für Ensemblespiel, Dirigieren, Kammermusik, Jazz und Solounterricht ist für mich eine ebenso wichtige Fördermaßnahme für Akkordeonisten wie die Durchführung von Akkordeonwettbewerben. Ich bekenne mich zur ganzen Breite der musikalischen Stilrichtungen des Akkordeons, habe u udabei aber als „Lieblingskind“ die Kammermusik, mit sowohl zeitgenössischer Musik als auch Übertragungen aus früheren Stilrichtungen.

Als Leiterin einer Musikschule und Vorsitzende des Regionalausschusses „Jugend musiziert“ München-Süd habe ich aber auch die Wünsche und Notwendigkeiten vieler anderer Instrumental- und Vokalsparten kennen und berücksichtigen gelernt. Leider steht unsere Aktie im Augenblick nicht sehr gut. Musik, wie wir sie betreiben und fördern, blüht oftmals unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Sie eignet sich nur selten für wirkungsvolle Events und Werbung, die Millionen anspricht. Möglicherweise ist dies der Grund, dass bei knapper Finanzlage die Zuschüsse vorwiegend zuerst bei Laienmusik und Musikschulen gekürzt werden. Jedem Politiker ist klar, welch weit reichende Bedeutung kulturelle Erziehung hat und welch wichtigen Platz hierbei gerade die Musik einnimmt – jedenfalls wird das in allen öffentlichen Reden seit Jahren betont. Trotzdem wird kontinuierlich, ebenfalls seit Jahren, bei Musikvereinen und Musikinstitutionen der finanzielle Rahmen mehr und mehr eingeschränkt. Dabei wäre es doch gerade jetzt, in unserer von seelenlosen Medien geprägten Zeit, wichtig, kulturelles Engagement entgegen zu setzen, Freude am gemeinsamen, sozialen und kreativen Wirken zu fördern und zu unterstützen. Napoleon gehört nicht zu den Politikern, die ich besonders schätze, aber schon er hat richtig erkannt: „Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluss auf das Gemüt. Ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.“ Wäre es also nicht Zeit zum Handeln? Der Bayerische Musikrat setzt sich für den Erhalt unserer Musikkultur und die musikalische Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in enormem Maß ein. Dies will ich uneingeschränkt, mit allen meinen Möglichkeiten unterstützen.

Einigkeit auf BMR-Jahresarbeitstagung 2002
Musikrat für Vernetzung von außerschulischer Musikpädagogik

Der BMR tritt entschieden für eine Vernetzung der bestehenden musikpädagogischen Angebote außerhalb der allgemein bildenden Schulen ein.

Bei der BMR-Jahresarbeitstagung 2002 in der Musikakademie Schloss Alteglofsheim waren sich die Fachleute – Vertreter des Bayerischen Landtags, des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der Universitäten und Musikhochschulen, Volkshochschulen sowie der Musikschulen, Musikverbände, Kirchenmusik und freischaffenden Künstler – darüber einig, dass sämtliche Kooperationspotentiale zwischen Musikschulen, privater Musikerziehung, Medien- und Freizeitpädagogik, Erwachsenenbildung und Seniorenarbeit – ausgeschöpft werden müssen, um als Gesamtkonzept für die außerschulische Musikpädagogik insbeson-dere in die künftige Ganztagesbetreuung der allgemein bildenden Schulen eingebracht zu werden.

Gerade die außerschulischen Institutionen wie zum Beispiel die Laienmusikverbände und qualifizierten Privatmusiklehrer/-innen können unmittelbar und flexibel auf den pädagogischen Betreuungsbedarf reagieren. Der BMR fordert daher deren Einbeziehung in die neuen Unterrichtskonzepte. Darüber hinaus regte der BMR die synergetische Nutzung von Prüfungen an den unterschiedlichen Institutionen an, um Studieninhalte zu straffen und zu einer Verkürzung der Studienzeiten und Verweildauer der Studierenden an den Ausbildungsstätten beizutragen.

Desgleichen sollten bestimmte Zertifikate der Erwachsenenbildung als qualifizierende Weiterbildung unter anderem auch in der Lehreraus- und u u -fortbildung anerkannt werden. BMR-Vizepräsident Jacobi zog als Leiter der Arbeitstagung eine positive Bilanz und unterstrich die Notwendigkeit einer deutlichen Anhebung der Fördermittel für die außerschulische Musikpädagogik sowie für Erhalt und Ausbau der Sing- und Musikschulen. „Die Musik hat denselben Bildungsrang wie der Sport. Dies muss in der öffentlichen Förderung berücksichtigt werden, ohne dass deswegen der Sport hinter der Musik zurück treten soll“, so der Vizepräsident.

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