Beständig an der eigenen Stimme weiterarbeiten

Leserbrief zu ,,Stimmige Persönlichkeiten statt Perfektionismus“, nmz 6-09, S. 11


(nmz) -
Zu dem Appell ,,Mein Gott, singt doch einfach!“ von Uli Führe fühle ich mich zu ein paar Anmerkungen veranlasst.

Ausgabe: 
7/09 - 58. Jahrgang

Dass offensichtlich ziemlich viele Menschen das Kulturgut Singen aus Scham oder Unsicherheit vernachlässigen, obwohl sie eigentlich qua Amt zur Musik berufen wären, erlebe ich als langjähriger Musiklehrer an einer Hamburger Erzieherfachschule an jedem Unterrichtstag und bedaure dies zutiefst. Schülerinnen berichten mir von verhindertem oder abgeblasenem Singen und Musizieren während ihres Praktikums. Aber sie lassen sich, mehr in Einzelarbeit als beim Klassengesang, von der ,,Brauchbarkeit“ ihrer eigenen Stimme gern überzeugen, selbst dann, wenn Eltern, Lehrer und Freunde früher beharrlich Negatives zu ihr geäußert haben. Zugleich versuche ich, die Stimmlagen meiner Schülerinnen durch Atem- und andere stimmbildnerische Übungen behutsam zu heben, ihnen klar zu machen; Nur mit einer kindgerechten Singlage kann ich ein Lied überzeugend und intonationssicher einstudieren, denn Kinder sind in erster Linie Nachahmer, tun das, was wir vormachen.

Deshalb nun hier meine Kritik an Uli Führes Vorschlag, die Pädagoginnen sollten zur Einstudierung eines Liedes ihre Stimmlage nehmen: Es kann kein Kind ein Lied in einer Lage lernen, die es selber gar nicht erreicht; was soll es denn aus den (zu) tiefen Tönen machen? Ich meine: Jeder Erwachsene ist in der Lage, durch einfache, locker geführte Stimmübungen seine eigene Singlage anzuheben. Das ist Teil meines Unterrichts, und ich höre den Erfolg.

Denn auch eine natürliche Altstimme sollte sich ja bis zum d‘‘ aufschwingen können, sonst könnte sie kaum ein Chorstück und auch längst nicht alle Gemeindelieder bequem mitsingen (neben dem Schuldienst versehe ich ein Kirchenamt).

Fazit: Jede Pädagogin selbstverständlich ermutigen, mit ihren Kindern zu singen, dazu auch jenseits einer vernachlässigten musischen Ausbildung unbedingt und vor allem beständig an der eigenen Stimme (weiter) zu arbeiten. Natürlich sind dies erst einmal die einfachen Lieder, mit denen dann der Erfolg hörbar werden wird, bei sich selber und bei den Kindern, die es ganz bestimmt jeder Vorsängerin herzlich danken werden, wenn sie es zum sauberen Abnehmen der Töne in ihrer, höheren Lage tut.

Andreas Bartelsen, Hamburg

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