Blutgruppe K
Ferchows Fenstersturz 2011/07
Ein Artikel von Sven Ferchow.
Quali, Platte und Gesellenbrief sind der Kultur ein Fremder. Oder haben sich die nur verrechnet? Droht uns Kultur-Krawall? Schwarzgekleidete, die mit feuerroter Birne, wadengroßer Halsschlagader und speichelspuckend den Vorwurf im Regional-TV beiseite bellen. Es bleibt verdächtig ruhig. Machen die schon von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch? Ich sehe bereits Massenverhaftungen. Kulturstifter, die vom SEK aus Redaktionen, Beiräten und Kultur-Fabriken geschubst werden, während die Alte im Cabrio samt aktuellem „Jugend musiziert“-Nachwuchspreisträger gen Flughafen verschwindet. Dabei setzen die Kultur-Schäfchen doch nur um, was Kulturstaatsminister Neumann zur Verleihung der BKM-Preise 2010 anmahnte: „Armut ist nicht nur ein materielles Problem; oft beruht sie zumindest auch auf mangelnder Teilhabe an Kultur …“.
Die mangelnde Teilhabe haben wohl einige recht wörtlich genommen. Per Polonaise ziehen sie nun von Fest zu Fest und schlagen nicht selten mit dem Catering-Unternehmen auf, um sich die beste Lage unter dem Zapfhahn zu sichern. Das ist vorbei. Der Hof fordert Reformen. Nicht dass Freikarten verteilt werden, moniert er, sondern wie. Die Vergabe muss künftig klar die Deppen von den Denkern selektieren (Stichwort: Förderziele).
Ein Leitfaden (Download unter www.bayreuth-freikarten.de) soll klären, warum Jupp aus Bottrop in Bayreuth nichts verloren hat. Erstens: Jupp hat nichts anzuziehen. Grillschürze und Vokuhila sind eine andere Kultur. Zweitens: Musik hören und Eimersaufen geht in Bayreuth gleichzeitig gar nicht, sondern erst im Anschluss. Drittens: Der Fuchsschwanz gehört in Bayreuth nicht an die Antenne, sondern um den Hals. Tja, liebe Kulturstraftäter, das war’s. Keine Hostessen-Konferenz mehr in der Suite. Bevor Sie nun mit pränatalem Puls zur Selbstanzeige schreiten, beachten Sie dringend folgende Reihenfolge: Erst alles zugeben, dann noch mal richtig volllaufen lassen und mit dem Nobel-Hobel eine rote Ampel überfahren. Dann beteuern (gerne unter Tränen), dass dieser Zustand nicht repräsentativ war (was ein Stück Arbeit bedeutet) und ein Buch übers Leben schreiben. Kultur braucht Helden. Werden Sie einer.
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