Dena Piano Duo mit Mozart und Grieg
Neue CD in DSD- und Blu-ray-Format
Ein Artikel von Adelheid Krause-Pichler.
Geschickt wird zunächst Mozarts D-Dur-Sonate für zwei Klaviere (die mit dem berühmten „Mozart-Effekt“) aufgetischt, in angemessener virtuoser Schlichtheit wunderbar vom Dena Piano Duo interpretiert.
Das Salonhafte der Sonate, von der man weiß, dass Mozart sie für seine Schülerin Josephine Aurnhammer geschrieben und gemeinsam mit dieser in einem Privatkonzert im Hause Aurn-hammer in Wien „mit allem succés“ aufgeführt hat, kommt in der Einspielung wunderbar zum Ausdruck. Die schlichten, grandiosen Themen, die sich in ihrer Fortführung verflechten und mit technischen Raffinessen und geschickten Korrespondenzen ein „gescheites Gespräch“ abgeben, ist immer aufs Neue beeindruckend, wenn es mit solcher Brillanz und Leichtigkeit gespielt wird, wie in diesem Fall von Heide Görtz und Tina Nilssen.
Die folgende Grieg’sche Bearbeitung der c-moll-Fantasie Mozarts wird hierdurch verständlicher. Zwar weicht in dieser Fantasie Mozart von seinem üblichen Klavierstil erheblich ab, indem er harmonische Effekte benutzt, die allein, auch ohne Grieg’sches Hinzutun, für den Zuhörer befremdlich wirken.
Dass es aber Grieg genau um den, vom Kritiker angemahnten Respekt ging, wenn er in seiner Bearbeitung analytische Prozesse deutlich macht, Stimmungen heraushebt und stilistische Unterschiede im Stück – eben die zwischen P.E. Bach und Mozart – verstärkt, sowie die Nähe zur romantischen Klaviermusik heraushebt, wird nicht nur durch die informativen Booklet-Kommentare von Prof. Dr. Dinslage klarer, sondern auch durch die Interpretationen der Stücke.
Die anfänglich mystisch-düstere Stimmung der Fantasie wird zum nordischen Bild, zeigt die Nähe und den Weg von Mozarts Musik zur späten Romantik auf. Die Auseinandersetzung mit der Materie, die Mozart zur Verfügung stand, und der Klaviermusik, zu der sie sich in 100 Jahren entwickelt hatte, schließt Grieg in seine Bearbeitungen mit ein.
Mit der „Altnordischen Romanze mit Variationen“ op. 51 von Edvard Grieg wird das CD-Programm abgeschlossen: Hiermit ist dokumentiert, dass Grieg öfter Stilelemente verschiedenster von ihm verehrter Komponisten verwendete. In den 14 Variationen über ein Thema der Volksweise „Sjugurd und die Trollbraut“ hören wir die musikalische Sprache von Liszt, Schumann, Brahms, Mendelssohn, Saint-Saëns oder Mussorgsky. Auch hier beweisen die beiden Pianistinnen sicheres Stilgefühl, um die Vielfältigkeit dieses Werkes ohne Verzicht auf den großen inhaltlichen Zusammenhang darzustellen.
Heide Görtz ist seit 1990 Professorin für Klavier und Klaviermethodik an der Universität der Künste Berlin. Sie hat durch intensive Forschung, auch im Bereich der Musik-Medizin, eine spezielle Spieltechnik, die Goertz-Methode, entwickelt. Tina Margareta Nilssen machte 2005 in Oslo das Konzertexamen. Während ihres Studiums war sie längere Zeit Studentin von Prof. Heide Görtz und spielt seither nach der Görtz-Methode, die die Voraussetzungen für besondere Ausdruckskraft und Leichtigkeit des Spiels schafft.
Eine interessante, hervorragend gespielte und lehrreiche Neueinspielung, nicht nur für Grieg-Liebhaber.
CD-Tipp
Mozart/Grieg: Werke für zwei
Klaviere, Vol.II, dena piano duo
2L Nr. 2L57SABD
www.2L.no
Tags in diesem Artikel
Ähnliche Artikel
01.03.2005 Ausgabe 3/05 - 54. Jahrgang - Verbände - Ann-Kathrin Seidel
01.07.2008 Ausgabe 7/08 - 57. Jahrgang - Verbände - Dietmar Schenk
01.04.2006 Ausgabe 4/06 - 55. Jahrgang - Verbände - Adelheid Krause-Pichler
01.07.2007 Ausgabe 7/07 - 56. Jahrgang - Verbände - Rolf Hempel
01.06.2010 Ausgabe 6/10 - 59. Jahrgang - Verbände - Rolf Hempel
29.09.2010 Ausgabe 10/10 - 59. Jahrgang - Verbände - akp
01.02.2006 Ausgabe 2/06 - 55. Jahrgang - Verbände - Dirk Hewig

Kommentar hinzufügen