Die Harp: sexy, stabil und günstig
Ein Artikel von Olaf Zimmermann.
Bislang konzentrieren sich viele Modellprojekte der kulturellen Bildung, wie „Jedem Kind ein Instrument“, hauptsächlich auf die Grundschule.
Und wenn wir ehrlich sind, erreichen sie vornehmlich die Kinder des Bildungsbürgertums.
Wer schon einmal einen unverstellten Blick in einen sozialen Brennpunkt geworfen hat, weiß, dass ein Cello oder eine Querflöte der rauen Wirklichkeit emotional wie physisch letztlich nicht lange standhalten kann.
Ein Instrument, das gerade in sozialen Bennpunkten überleben soll, muss sexy, stabil und günstig sein. Eine Harp ist zumindest stabil und mit rund 20 Euro für ein profitaugliches Gerät konkurrenzlos günstig. Sexy kann sie werden, davon bin ich überzeugt, wenn man den Jugendlichen vermitteln kann, dass sie ihre Gefühle mit einer Bluesharp in einer für viele unbekannten Art und Weise ausdrücken können. Erstes Liebesglück und der unausweichliche folgende Kummer und die Bluesharp sind Geschwister.
Die Harp könnte ein Schlüsselinstrument der niedrigschwelligen kulturellen Bildung werden, denn sie ist einfach anzuspielen, sie ist sehr günstig in der Anschaffung und überlebt auch den harten Alltag in einem sozialen Brennpunkt. Gerade für Jugendliche oberhalb des Grundschulalters kann dieses Instrument eine Chance bieten, Zugang zur Welt der Musik zu finden. Hier würde sich ein Modellprojekt wirklich einmal lohnen!
Der Verfasser ist Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Ein Interview mit dem Blues-Harp-Virtuosen Dieter Kropp lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Politik & Kultur März-April 2010, S. 26–27 oder im Internet unter www.kulturrat.de
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