Die Klarinette im Ensemblespiel

Neue Notenausgaben mit Werken von Mendelssohn Bartholdy, Mozart, Möckl und Crusell


(nmz) -

Felix Mendelssohn Bartholdy: Nocturno für elf Bläser, hrsg. von Christopher Hogwood. Partitur und Einzelstimmen. Bärenreiter-Urtextausgabe, BA 9065, Partitur BA 9064

Ein Artikel von Frank Klüger.

Ausgabe: 
6/08 - 57. Jahrgang

Mendelssohn hat 1826 dieses Nocturno geschrieben und zwar für die Besetzung mit Flöte, je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten, Hörnern, einer Trompete und Corno Inglese di Basso, letztere ersetzbar durch Ophikleide oder Basstuba. Dieses Werk ist als Basis seiner Ouverture in C für Bläser op. 24, die eine wesentlich größere Besetzung hat, zu verstehen, jedenfalls eine Harmoniemusik, die alle Freunde der Kammermusik begeistern dürfte und für fortgeschrittene Schüler spielbar. Die Edition bietet ein informatives Vorwort in englischer und deutscher Sprache sowie eine detaillierte Quellenbeschreibung.

Wolfgang Amadeus Mozart: Serenade Es-Dur KV 375, hrsg. von Henrik Wiese. Henle, Stimmen HN 796, Studienpartitur HN 9796

Ein fünfsätziges Werk in der Besetzung von je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern, 1781/1782 in Wien zum Theresientage komponiert und, so Mozart selbst: „… deswegen habe ich sie auch ein wenig vernünftig geschrieben“. Der Herausgeber liefert eine detaillierte Quellenbeschreibung. Eine für Bläser willkommene, heiter stimmende Kammermusik, die mit fortgeschrittenen Schüler spielbar ist. Auch etliche Bearbeitungen kursieren. Eine weitere Fassung in der Besetzung von je 2 Klarinetten, Oboen und Fagotten liegt ebenfalls bei Henle vor (HN 795 bzw. 9795).

Wolfgang Amadeus Mozart: Serenade Gran Partita B-dur KV 361 (370a), hrsg. von Henrik Wiese. Henle, Stimmen HN 809, Studienpartitur HN 9809.

Diese Partita, vermutlich 1781 in München und Wien entstanden mit der Besetzung von jeweils zwei Oboen, Klarinetten, Bassetthörnern, Fagotten sowie 4 Waldhörnern und Kontrabass, umfasst sieben Sätze von frisch fröhlichem Gusto. Nach Frühdrucken in Leipzig, Wien und Bonn legt nun Henrik Wiese eine Urtext orientierte Ausgabe vor und kommentiert diese mit viel Akribie. Bei vielen Ensembles sind diese Pièces d’harmonie beliebt und oft in ihren Programmen eingesetzt. Satzweise sind sie auch für junge Musiker spielbar, falls Bassetthörner vorhanden sind.

Franz Möckl (*1925): Sechs Duette für zwei Klarinetten in B, MWV 294. Wolfgang G. Haas-Musikverlag Köln, ISBN 11-2054-0689-9

Diese sechs Duette mit den Satzbezeichnungen Allegro, Andante, Kleine Passacaglia (Adagio), Larghetto, Allegretto und Presto sind tonal geschrieben und jeweils für sich abgeschlossen, rhythmisch sowie im Zusammenspiel gut überschaubar, Tonumfang bis e’’’, größtenteils polyphon geschrieben. Die Spieler sollten bereits etwas Zusammenspielerfahrung haben und atemtechnisch gut geschult sein. Technisch gut spielbar, empfehlenswert für die Mittelstufe.

Bernhard Hendrik Crusell (1775–1838): Three Progressive Clarinet Duets Nr. 1 F-Dur, Nr. 2 d-Moll, Nr. 3 C-Dur. Edition Peters 7780

Alle drei Duette sind dreisätzig und nach klassischem Prinzip schnell-langsam-schnell aufgebaut. Sehr wert- und gehaltvolle Kompositionen, die der Klarinette auf den Leib geschrieben sind. Eine typisch romantische Klarinettenmusik, in der man auch Wesenszüge der Klarinettenkompositionen seines Zeitgenossen C.M. v. Weber deutlich wahrnehmen kann. Sehr empfehlenswert im Schwierigkeitsgrad für die Mittel- und Oberstufe.

Jana Bezpalcova (*1979): „Meisse punem“ für Klarinette und Akkordeon. Augemus Musikverlag Bochum, ISBN 11-50010-074-4

Jiddische Musik. „Meisse punem“ heißt so viel wie „Merkwürdige Geschichten“ – ein zweiteiliges, sehr interessantes Stück, im langsamen Teil mehr auf Klangflächen bedacht, während der zweite Teil im 5/4-Takt ein sehr schnelles Tempo verlangt. Tonumfang für die Klarinette überwiegend bei c’’’ und einmal bei g’’’, tonal geschrieben, rhythmisch und von fortgeschrittenen Schülern ab der Mittelstufe technisch gut ausführbar. Das Akkordeon muss über Solo-Bässe verfügen. Als „besondere Besetzungen“ im Wettbewerb „Jugend musiziert“ eine besonders gute Empfehlung und Bereicherung.

Nur eine kleine Klarstellung: Das Akkordeon muß ein Einzeltonakkordeon sein; d.h. auf der Baßseite ein Einzeltonmanual haben. Die Bezeichnung “Solo-Bässe”, die der Rezensent Frank Klüger verwendete, ist etwas altertümlich und ebenso wie “Bariton-Bässe” (aus den 30er Jahren). Es trifft den Wesen und die Funktion des Einzeltonmanuals für die linke Hand heute überhaupt nicht, ebenso wie der immer noch verwendete Begriff “Melodiebässe”. Sehr technisch und ungenau ist der Begriff “MIII” [i.e. Manual III], weil im Trossinger Raum zwar zunächst zu den beiden Manualen “Diskantmanual” und Standardbaßmanual” ein drittes, das Einzeltonmanual hinzukam, mittlerweile aber durchaus Instrumente gespielt werden die auf den Standardbaß verzichten.


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