Durchlauferhitzer für Jungkomponisten

Luis Zett legt einen Komponier-Baukasten vor


(nmz) -

Luis Zett: Der Komponier-Baukasten (Anleitung und Bausteine zum Selberkomponieren für Klavier- und Keyboardspieler; mit CD). 87 Seiten. Edition Hug 11642.

Ein Artikel von Reinhard Schulz.

Wer Luis Zetts so ungemein erfinderische wie erfrischende Bände im musikalisch früherzieherischen Bereich kennt, der mag vom Komponier-Baukasten vielleicht etwas enttäuscht sein. Dieser Band richtet sich an junge Musiker, die erste Anfangshürden im Spiel wie in der Harmonielehre bereits genommen haben (gedacht ist an Schüler von etwa zwölf Jahren aufwärts) und nun mit dem Wunsch kommen, auch selbst einmal eine eigene Komposition zuwege zu bringen. Zett arbeitet in erster Linie mit harmonischen Modellen, mit Bass-Sequenzlinien bis hin zu Grounds im Jazz, und führt vor (und fordert immer wieder zum Selber-Probieren heraus), wie dazu eine rhythmisch pointierte und zugleich inspiriert gebaute Melodie zu erfinden sei.

Dem, was er dazu anmerkt, möchte man gar nicht widersprechen. Geschärft wird der Blick auf ungeschickt Gebautes, dann auf Vorbildhaftes. Gleichwohl bleibt der Charakter des Schablone-Komponierens gewahrt (eine Schablone, die gleichsam Tricks zu ihrer Trivial-Durchbrechung verrät). Man mag durchaus glauben, dass sich viele Schüler, die sich in den Band vertiefen, ganz cool finden, wenn ihnen Ansprechendes gelingt. Aber in solcher Zähmung verläuft musikalische Erfindung heute denn doch nicht – und sie verlief dort nie. Vielleicht überzieht man den Anspruch des Komponier-Baukastens, wenn man mehr Freisetzung spontaner kreativer Kraft erwartet: also Beispiele für ungebändigte Ansätze. Die gibt es ja durchaus und für sie sind Baukastenmodelle ohnehin obsolet. Zett kennt sie natürlich, er kennt aber auch die Wünsche junger Musiker nach schnellen Resultaten. Denen gab er nach. Als Durchlauferhitzer kann man den Band durchaus empfehlen, es gibt eine Vielzahl von Modellen, von guten Hinweisen. Komponieren „Können“ werden aber immer noch die Wenigen, die sich dann von solchen Mustern radikal befreien. Wären nicht wenigstens ein paar Hinweise in diese Richtung in einem solchen Band angebracht gewesen?

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