DVD-Tipp (2009/03) I
Die doppelte Marlene
Ein Artikel von Viktor Rotthaler.
„Marlene“ entstand 1982, vier Jahre nach ihrem letzten Leinwandauftritt – neben David Bowie! – in dem durchwachsenen Melo „Schöner Gigolo, armer Gigolo“. Ursprünglich sollte Dietrich-Freund Orson Welles diesen Rückblick auf ihr Leben inszenieren. Doch bald übernahm Maximilian Schell das Zepter. Und weil die Dietrich nicht wollte, dass man ihre gegenwärtige „Erscheinung“ im Film sieht, entstand einer der merkwürdigsten Filme über einen deutschen Weltstar.
Geschickt montierte Schell Ausschnitte aus Tonbandaufzeichnungen, die 1982 in Marlenes Pariser „Matratzengruft“ entstanden, mit Filmausschnitten aus ihren Ufa- und Hollywood-Zeiten. So wurde sie zur Stimme des Mythos. Natürlich war für sie alles vor dem „Blauen Engel“ nur „Quatsch“. Für die Dietrich gibt es nur Zeiten vor ihrem „Entdecker“ Josef von Sternberg und danach. Dazwischen war sie die „Blonde Venus“, die Göttin der Paramount in den frühen Dreißigern.
Immer nur am Rande kommt ihr Hauskomponist vor, Friedrich Hollaender, der ihr „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ auf den Leib geschrieben hatte. Ihr späterer musikalischer Mentor, Burt Bacharach, hat dagegen einige schöne Auftritte in „Her Own Song“, der aufschlussreichen Dokumention über ihre Zeit mit den amerikanischen G.I.-„Boys“, als „Mutter der Kompanie“ während des II. Weltkriegs. Als Deutsche kämpfte sie gegen Nazi-Deutschland. Zwei Herzen waren immer in ihrer Brust.
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