DVD-Tipps 2010/10

Alte Musik


(nmz) -
Bruckner: Symphonien Nr. 4 und Nr. 7. Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann. *** Beethoven: Messe C-Dur, Symphonie Nr. 5. Arnold Schoenberg Chor, Chamber Orchestra of Europe, Nikolaus Harnoncourt *** Purcell: The Fairy Queen
Ein Artikel von Juan Martin Koch.

Bruckner: Symphonien Nr. 4 und Nr. 7. Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann. C Major (Naxos) 701908

Diese Konzertmitschnitte aus Baden-Baden sind ein willkommenes Regulativ gegen die vielerorts merkwürdige Blüten treibende Thielemania. Kein Zweifel: Die Münchner Philharmoniker sind – auch dank ihres Noch-Chefs – ein fantastischer Bruckner-Klangkörper, aber so überragend, wie uns manch exstatischer Feuilleton-Erguss glauben machen will, sind seine Interpretationen dann doch nicht. Viele der von Bruckner mit architektonischer Präzision gestalteten Tempo- und Spannungsrelationen werden von Thielemanns detailverliebtem Breitwandsound mehr vernebelt als erhellt.

Beethoven: Messe C-Dur, Symphonie Nr. 5. Arnold Schoenberg Chor, Chamber Orchestra of Europe, Nikolaus Harnoncourt. Styriarte Festival Edition

An den ausgezeichneten Idomeneo (siehe nmz Online) vermag diese zweite Harnoncourt-DVD aus der Styriarte Festival Edition kaum anzuknüpfen. Zu zerfahren und ungenau wirkt vieles in diesem mit unbändigem Furor dirigierten Beethoven-Mitschnitt, auch wenn der Arnold Schoenberg Chor in der C-Dur-Messe gute Arbeit abliefert. Der beigegebene Probenmitschnitt ist dank Harnoncourts Einlassungen zu einem von ihm entschlüsselten Programm der Fünften – seiner Meinung nach geht es um die Befreiung aus diktatorischer Unterdrückung – zumindest anregend, auch wenn den Mienen der Mitglieder des Chamber Orchestra of Europe wenig Erkenntnis-Euphorie abzulesen ist.

Purcell: The Fairy Queen. Opus Arte (Naxos) OA 1031 D

Großartig, dass Purcells Semioper endlich einmal im Kontext einer kompletten Aufführung samt den gesprochenen Szenen verfügbar ist. Jonathan Kents vitale, augenzwinkernde Inszenierung und William Christies elegant-liebevoller Umgang mit Purcells Geniestreich ergeben einen herrlichen Theaterabend in Glyndebourne.
  

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