Ein Konzept für die zukünftige Orientierung

Erste Schritte zur Reform der Musikhochschulen in Nordrhein-Westfalen


(nmz) -

Im Jahr 2001 leitete das zuständige Wissenschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen die Reform der vier Musikhochschulen in Köln, Düsseldorf, Essen und Detmold mit der Einsetzung einer Sachverständigenkommission zur Evaluierung der Angebote ein.
Im Sommer legte die Kommission ihren Bericht vor, der sich für eine Reihe Veränderungen und Neuerungen aussprach, aber auch die Stärken der Ausbildung im Lande herausstellte, die es zu aktualisieren gilt.

Ein Artikel von Hans-Jürgen von Osterhausen.

Ausgabe: 
4/03 - 52. Jahrgang

Anfang des Jahres stellte nun das Ministerium sein Konzept für eine zukünftige Orientierung vor, mit dem nicht etwa das Ziel von Einsparungen verfolgt wird, das Land auch nicht beabsichtigt, sich aus einem bisherigen Standort zurück zu ziehen. Als besonderer regionalpolitischer und nicht fachlicher Schwerpunkt wurde hervorgehoben, dass „für das Ruhrgebiet die Wettbewerbsfähigkeit der Musikausbildung und -weiterbildung gestärkt wird“. Der Start einer musikpädagogischen Offensive wurde angekündigt.

Dann ging es um die neue Aufgabenorientierung der vier Hochschulen, bei der Aufgabenkonzentration und so genannte Kompetenzschwerpunkte für die Zukunft angekündigt wurden.

Kölns Rolle als „Leit-Hochschule“ im internationalen Vergleich wurde wie die bisherigen Aufgaben bestätigt, und ein Kompetenzzentrum im Bereich Jazz/Pop-Musik angekündigt. Auch soll die Hochschule ein Zentrum zur Früh-Förderung Hochbegabter einrichten. Die Abteilung in Aachen bleibt erhalten, die in Wuppertal mit dem Schwerpunkt Pädagogik wird abgezogen und der Nachbarhochschule in Düsseldorf angegliedert.

Dieser war von der Kommission eklatanter Stellenmangel bei guter Arbeitsqualität bescheinigt worden. Die Folkwang-Hochschule Essen als Hochschule der darstellenden Künste und für Musik erhält als Ausbildungsinstitut des Ruhrgebiets die Profil-Bereiche Schauspiel, Tanz, Musiktheater, Musik, Musikpädagogik und Schulmusik, wobei es hier um eine noch stärkere Profilierung geht. Auch Detmold wird als die Hochschule für Westfalen in seinen wesentlichen Aufgaben bestätigt vor allem mit Schwerpunkten im pädagogischen Bereich. Die Abteilung Münster wird in die Universität integriert, wobei dort an die Einrichtung eines inhaltlichen Schwerpunkts „Musik anderer Kulturen“ (bisher populär und ungenau Weltmusik genannt) gedacht ist. Die Abteilung Dortmund wird mit ihrem bisherigen Bestand aufgelöst. In Dortmund soll aber ein Orchester-Institut NRW als Kooperationsmodell von allen vier Hochschulen und in Verbindung mit dem dortigen Konzerthaus aufgebaut werden. Wie dies aussehen soll und wie es arbeiten soll, weiß zur Zeit noch niemand, muss von den Hochschulen geplant werden.

Diese sehen das ministerielle Konzept zum Teil mit deutlicher Kritik und Skepsis. Der Düsseldorfer Rektor sieht seine objektiv festgestellten Ausstattungsmängel in keiner Weise gelöst. In Bezug auf die Kirchenmusik ist er skeptisch, da die Essener Hochschule zumindest noch mit ihrer Infrastruktur „im Spiel“ bleibt. Der Kölner Rektor lehnt die Abkoppelung der Abteilung Wuppertal ab, sieht Probleme für die zukünftigen pädagogischen Schwerpunktaufgaben für sein Haus. Gegenüber dem Orchester-Institut ist er skeptisch, kann sich bisher keine Vorteile für Studenten und Hochschulen vorstellen.

Bleibt also abzuwarten, wie die Gremien des Düsseldorfer Landtags mit diesem Vorschlag umgehen, wieviel Kritik das Ministerium gewillt ist, letztlich zu berücksichtigen und wie die Aufgabenkonzentrationen personell umgesetzt werden können.

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