Es ist möglich – Musik ohne Fußball
Garantiert EM-freie Neuveröffentlichungen aus der Popbranche im Juli
Ein Artikel von Sven Ferchow.
Ein interessantes Stück Musik ist die Kompilation Earthgrooves 2. Denn: Jeder hat es schon getan, auf Pro 7 oder N24 die Bilder der ferngesteuerten Kameras von EarthTV aus allen Erdteilen und Städten der Welt zu verfolgen. Und ganz nebenbei Fluchtpläne zu schmieden. Begleitet werden die Bilder seit vielen Jahren von eloquenter Musik. Unaufdringlich, sehnsüchtig und dabei offensichtlich Zielgruppen übergreifend zeitgemäß. Oma, Eltern und Kids scheinen der Musik, die von den Musikproduzenten Christian Hamm und Alain Bertoni entwickelt wurde, einiges abgewinnen zu können. Zusammen mit mehr als 100 Musikern aus 15 Ländern produzierten sie Musikstücke. Eine kleine Selektion ist auf „Earthgrooves 2“ zu hören. Eine vorzügliche Mischung aus Soundtrack und Ambient.
Wer auf den amerikanischen Singer/Songwriter John Mayer steht, dem wird das DVD/CD Live-Paket gerade recht kommen. 22 Songs hat er dafür ausgewählt. Das Besondere: Mayer spielte drei Konzerte nacheinander in verschiedenen Konstellationen. Soll heißen: erst ein Akustikauftritt, dann ein Trioauftritt und zu guter Letzt die komplette Band. Spannende Geschichte, in Ton und Bild auch brillant umgesetzt. Verantwortlich für das gute Bild ist unter anderem der Regisseur Danny Clinch, der bereits Bruce Springsteen, Pearl Jam oder Foo Fighters gekonnt ablichtete. Klare Kaufempfehlung, letztendlich auch weil John Mayer ganz hervorragende Songs schreiben kann und auch live keine peinliche, sondern eine famose Figur abgibt. Verpflichtendes Lehrbuchmaterial für angehende Songwriter mit tendenziell kommerziellen Interessen.
Vorsicht ist ja stets bei instrumentalen Alben geboten. Zu oft wird die Wiederholfunktion des Computers benutzt, sodass am Ende mehr Suppe denn Braten auf den Tisch kommt. Anders dagegen: Strings of Consciousness mit ihrem Album „Fantomastique Acoustica“. Reizvolle Töne, Spannungsbögen, Geräusche, Stimmen, Effekte und zahlreiche Instrumente wurden effektvoll aber harmonisch untereinander vermengt. Obwohl Ruhe und Langsamkeit Trumpf sind, entstehen nie Löcher der Langeweile oder Beliebigkeit. Schön auch, dass es bei Strings of Consciousness nicht ums penible Verschieben von Tonspuren geht, sondern dass jeder Song einem roten Faden folgt. Keine Verschachtelungen, keine Frickeleien. Nur ein sehr angenehmer Soundtrack zum Lebensfilm.
Ein weiteres großartiges und in diesem Fall letztes Album seiner Kalifornien-Trilogie stellt das Songwriter-Musketier Ry Cooder vor. Großartige Einflüsse pflastern Cooders Highway: Von Country über Western, von Folk über Blues oder von Pop über Truckermusik ist die gesamte Bandbreite eines typischen amerikanischen Songschreibers eindrucksvoll abgedeckt. Wunderbare, zeitlose Songs, die man mit einem schlichten „Danke“ kommentieren sollte.
Diskographie
Chicago – Stone of Sisyphus XXXII (27.6.2008, Warner)
V.A.– Earthgrooves 2 (23.05.2008, Alive)
John Mayer – Where the light is (4.7.2008, SonyBMG)
Strings of Consciousness – Fantomastique Acoustica (20.6.2008, Stilll/Off)
Ry Cooder – I, Flathead (27.06.2008, Warner)
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