Ethnographisch
The Gurdjieff Folk Instruments Ensemble: Music Of Georges I
Ein Artikel von Hans-Dieter Grünefeld.
Während seiner Forschungsreisen durch Nordafrika sowie Zentral- und Kleinasien merkte sich der esoterisch orientierte armenische Humanwissenschaftler Georges I. Gurdjieff (ca. 1866–1949) viele Melodien der regionalen Musiktraditionen. Aus seinem Gedächtnisfundus re-komponierte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa dreihundert Lieder und Tänze, die er vom russischen Pianisten Thomas de Hartmann auf Klavierpartituren übertragen ließ.
Nun hat Levon Eskenian diese europäisch angepassten Versionen für ein Ensemble mit Instrumenten der Herkunftsländer umarrangiert, den Gurdjieff-Kompositionen sozusagen ihre Originalklänge zurück gegeben. Erst jetzt kann man deshalb die sakrale Ambivalenz von Klage und Freude im „Lied aus einem Heiligen Buch“ in sanften Duduk-Tönen hören.
Die armenische Doppelrohrflöte verbreitet ohnehin eine entrückte Aura, wodurch sogar in rituellen „Trauergesängen assyrischer Frauen“ Liebe zu fühlen ist. Naturnähe empfindet man bei der flimmernden „Kurdischen Schafhirten Melodie“, wie sie von der Nay oder Blul (Längsflöte) mit Begleitung der Saz (Laute) kommen. Rauer und impulsiver sind dagegen „Kaukasische und griechische Tänze“ wegen ihrer verschachtelten Rhythmen, sodass dieses respektable Album ein repräsentatives Spektrum ethnographischer Musik einer vergangenen Epoche vorstellt.
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