Finlandia forever
Cluster 2009/02
Ein Artikel von Martin Hufner.
Wenn man in den historischen Dimensionen der E-Musik denkt, wäre es wohl so etwas wie „Musique Musique concrete“ und ihr Altmeister Bernd-Alois Zimmermann. In noch älterem Zusammenhang spricht man wohl von Parodie oder, je nachdem, von Kontrafaktur. Wenn man es noch weiter musikwissenschaftlich runterbrechen möchte, läuft sowieso alles auf Heinrich Schenkers Ursatz hinaus. Das wäre dann so recht eigentlich die DNS der tonalen Musik. Denn im Prinzip stammen wir Europäer alle von diesem musikalischen Affen ab. Was heißt das aber konkret? Es erklärt den Umstand, dass im Bereich der urheberrechtlich geschützen E-Musik unter den Top10 der einnahmestärksten Werke 2008 drei Stücke von Jean Sibelius zu finden sind. Seine Tondichtung „Finlandia“ hatte bereits 1917 diesen Status. Warum? Wegen des Ursatzes der musikalischen DNA darin. Kein Wunder also, dass Sibelius mit dem Komponieren in den 1920er-Jahren aufhören konnte. Er hatte schon alles gesagt. Wer jetzt mal ganz genau hinhört, der wird in aller Musik seither, ob von Moritz Eggert, Helmut Lachenmann oder Eliott Carter eben eigentlich „Finlandia“ hören. Wenn das mal vor Gericht geht, dann Prost Mahlzeit!
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