Flöte trifft Zeitgeist

Neue Musik in kleinen Dosen. Zwei interessante Projekte


(nmz) -

Die Idee liegt wohl in der Luft, und die Nachfrage wohl auch: nämlich neue Stücke aus dem Geist unserer Zeit für Unterricht und Vorspiel zu schaffen, die leicht spielbar, gut hörbar und verständlich und damit vor allem auch vergnüglich sind. Gleich zwei Verlage setzten diese Aufgabe in recht ähnlicher Weise um, zunächst für die Flöte. Für andere Instrumente sollte solches folgen.

Ein Artikel von Eckart Rohlfs.

  • Flute Project. New pieces for flute solo von Victoria Borisova-Ollas, David Cutler, Roxanna Panufnik, Arvo Pärt, Jay Schwartz. UE 33661.
  • Flute update. Neue Musik für junge Flötisten. Für Flöte solo (und mit Begleitung), mit CD. Herausgegeben von Walter Wretschitsch & Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Doblinger 19763, ISMN M-012-19763-8

Vor allem kommt etwas brauchbares heraus, wenn der Komponist das Instrument aus eigener Erfahrung selbst in und auswendig kennt, für das er schreiben soll, oder umgekehrt, wenn der Interpret wie bei „Flute update“ selbst kompositorisch umzusetzen versteht, was ihm kreativ in den Sinn kommt und was es anderen zu vermitteln gilt. Und wenn das alles einen nicht spürbaren pädagogischen Background haben soll. So entstand Flute update, indem komponierende Flötisten ihrer Fantasie freien Lauf ließen. Beim Flute Project baten vier engagierte junge Musiker und Musikerinnen bekannte Komponisten und Komponistinnen kleine und möglichst einfache Stücke für Flöte alleine zu schreiben, die aber zugleich Herausforderungen sein sollten. In all diesen Circafünfminutenpiecen ist gut verteilt, aber just alles eingepackt, was man einem ernsthaft aufsteigwilligen Flötenspieler im Interesse musikalischer Vielfalt und Farbigkeit an Kunst-Stücken zumuten kann, was es an klanglichen und dynamischen Varianten, rhythmischer Sicherheit, Formverständnis, Zusammenspiel und Hörvermögen zu lernen gilt, was man in gestuften Schwierigkeiten an Fixigkeit, an Anblas-, Atem-, Lippen-, Finger- und Lesetechnik abverlangen kann. Beide Publikationen überraschen als vernünftig praktische flötistische Begegnung für und mit Musik unserer Tage, die von brav und experimentell bis jazzig reicht und die dazu lehrreich und originell präsentiert wird und zwar im interessanten Notenbild und (CD)-Ton von (noch nicht überall) bekannten Musikern, im Flute Project von Mathieu Dufour, Emmanuel Pahud, Emily Beynon und Kazushi Saito, bei Flute update von Julia Tinhof, Christina Wippel, Mihaela Anica, die ihre Stücke bei Gabriel Ahumada, Wilfried Aigner, Maria Augustin, Martin Fuss, Helmuth Hödl, Reza Najfar, Wil Offermans, Wolfgang Puschnig und Alexander Wagendristel eingeholt haben.

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