Gefangen zwischen gestern und morgen

Hildegard Knef-DVD „A Woman and a Half“ erschienen


(nmz) -

Wenn Sie in New York aus dem Hotelfenster schauen, blicken Sie auf Jahrzehnte zurück, erzählt Hildegard Knef in Clarissa Ruges Dokumentation „A Woman and a Half“ (MAWA Film & Medien/Universal).

Ein Artikel von Viktor Rotthaler.

Und so spuken in diesem Film noch einmal die herum, die einst im Kino an ihrer Seite standen: Hans Albers, Oskar Werner oder Gregory Peck. In der Hemingway-Verfilmung „Schnee am Kilimandscharo“ hatte sie Peck im Hollywood der Fifties als Badenixe bezirzt. Und irgendeine Zeitschrift, „Frau ohne Kopp“, hatte ihr auch gleich eine Romanze angedichtet. Tatsache war damals, dass sich Cole Porter in ihre Stimme verliebt hatte. Aber ihr Broadway-Erfolg „Silk Stockings“ liegt fast fünf Jahrzehnte zurück – und so bleibt ihr in New York nur die Erinnerung an Don Ameche, Marlene Dietrich und Noel Coward.

Es ist kein Namedropping, das die Knef hier betreibt. Es ist die wehmütige Sehnsucht nach den Weggenossen, die im Laufe der Zeit weggestorben sind, die sie dazu inspiriert. „Wer war froh, dass es Dich gab“ – Diese Frage scheint diese Reise auf dem Luxusdampfer Queen Elizabeth II. – die sich als ihre letzte erweisen sollte – anzutreiben. Ihr ganzes Leben wird von der Knef noch einmal kommentiert, von den Trümmerjahren über Hollywood und den „Geschenkten Gaul“ bis hin zu ihrer Krebserkrankung. Noch immer scheint das ewige Trümmergirl unterwegs zu sein zwischen gestern und morgen. Ganz in der Gegenwart scheint dagegen Till Brönner zu sein, der selbstvergessen auf seiner Trompete ihre alten Lieder liebkost, es rote Rosen regnen lässt. Ausschnitte aus der legendären „Dick Cavett Show“ wechseln sich ab mit Filmclips aus „Entscheidung vor Morgengrauen“ oder „Nachts auf den Straßen“. Livekonzertmitschnitte und Musikclips aus den Sixties runden das Extramenü dieser exzellenten DVD ab.

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