Gehaltvolles im Programm
Die Sing- und Musikschule der Stadt Regensburg im Jubiläumsjahr
Ein Artikel von Barbara Haack.
1910 also begann alles mit dem Gesang. Die Lehrpläne der Zentralsingschule orientierten sich an den bereits bestehenden Vorbildern in München, Augsburg und Landshut. In drei Klassen sollte in jeweils zwei Wochenstunden Kinder ab neun Jahren im Gesang unterrichtet werden. Der erste Schulleiter, Franz Kattum, leitete bis 1933 die Geschicke der Schule und konnte eine – mit Einschnitten kontinuierliche – Steigerung der Schülerzahlen verbuchen. Mädchen und Jungen hielten sich dabei in etwa die Waage.
1927 wurde der Lehrplan umgearbeitet. In einer allgemeinen Einleitung heißt es nun: „Der Gesangsunterricht an der städtischen Singschule hat die Aufgabe, die Schüler allgemein geistig, ästhetisch und gesundheitlich zu fördern. Der Gesangsunterricht soll eine das ganze Leben hindurch andauernde Liebe zum Gesang erwecken, die nötigen Grundlagen für das Verständnis der musikalischen Formen und Ausdrucksmittel geben und darüber hinaus eine gewisse allgemeine Bildung vermitteln.“ Besser könnte man es auch heute nicht formulieren, wenn es um das Singen mit Kinder geht!
Franz Kattum ging 1933 altersbedingt in den Ruhestand. So musste er im aktiven Dienst nicht miterleben, dass die nationalsozialistische Regierung der Stadt Regensburg sich bald die städtische Singschule zu Nutze machte. Vor allem in ihren Konzertprogrammen passte sie sich an die Vorstellungen der Machthaber an. Die Jahreskonzerte hießen nun „Junggesang“. Wie es die Nationalsozialisten liebten, wurden diese Konzerte gerne für Massensingbewegungen genutzt. Bis zu 1.600 Schülerinnen und Schüler traten dort gemeinsam auf. Im Programmheft zum „Junggesang 1939“ heißt es: „Und was wir singen? Lieder der deutschen Scholle aus allen Gauen so, wie sie wurden aus der deutschen Seele heraus zum Lobpreis für unsere Art, unser Tun und Streben. Und schließlich über all dem: der Jubelgesang an Großdeutschland und seinen Schöpfer, unsern Führer.“
Nach dem Krieg ging es 1949 weiter mit der Singschularbeit – mit der Einführung der „Pflichtsingschule“: In jeder Volksschule war eine Wochenstunde Singunterricht für alle Kinder obligatorisch. Ganz neu ist der heutige Gedanke der allgemeinen Musikalisierung durch das Singen also nicht! Erst 1954 wurde der verpflichtende Charakter aufgehoben, die Kinder sangen nun wieder freiwillig. Das Angebot wurde gut angenommen, 1965 zählte die Schule 1.600 Schüler. Mittlerweile gab es auch erste Instrumentalgruppen, zum Beispiel mit Blockflöten oder Orffinstrumenten. Den Schwerpunkt der Arbeit bildete aber nach wie vor das Singen. 1971 stand dann – parallel zur Singschule – die Gründung einer Regensburger Musikschule, die sich dem Instrumentalunterricht widmete, an, 1981 schließlich kam es zur Vereinigung beider Institute zur „Sing- und Musikschule Regensburg“. Der seit 1975 amtierende Musikschulleiter Richard Wiedamann wurde damit Leiter der vereinigten Einrichtung. Er setzte Akzente besonders im Jazzbereich. 1993 übergab er die Stafette an Wolfgang Graef-Fograscher, der bis heute an der Spitze der Schule steht. Graef setzte sich von Anfang an für die Stärkung der Ensemblearbeit ein. Mit Erfolg: 22 Ensembles zählt die Schule heute, vom Akkordeon-Ensemble bis zur Big Band, vom Klarinettenensemble bis zur Rockband. Besonders erfolgreich sind die diversen Blasorchester, das Kammerorchester „Strings & more“ unter der Leitung von Silke Homeier-Arndt, das 2007 beim Deutschen Orchesterwettbewerb auf Landesebene als einziges bayerisches Musikschulkammerorchester zum Bundeswettbewerb weitergeleitet wurde. Und schließlich gibt es, geleitet von Matthias Schlier, eine intensive Chorarbeit. Der „Cantemus“-Chor der Regensburger Musikschule ist in der Stadt inzwischen eine feste musikalische Größe.
Aufwändige und liebevoll vorbereitete Musicals und Kinderopern ziehen mittlerweile ein Fan-Publikum an, das weit über Eltern und Verwandte der auf der Bühne Beteiligten hinausgeht. Damit schließt „Cantemus“ an Auftrag und Tradition der Anfänge von 1910 an: „Lust und Liebe für edlen Gesang in weite Kreise der Bevölkerung zu tragen.“
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