Hick hack, zick zack, mick mack

„Komm, lass uns Blödsinn machen…!“: eine Opernminiatur für Menschen ab fünf


(nmz) -

An der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg, Abteilung Nürnberg, entstand im letzten Sommer im Fach „Experimentelles Theater“ eine Opernminiatur der besonderen Art. Die Gruppe von Studierenden, die dieses Projekt unter der Leitung von Vroni Priesner (Elementare Musikpädagogik) entwickelt hat, nennt sich „spielArt“. In ihren Produktionen bilden Improvisationen, Experimente und die Verbindung von Musik, Bewegung und Sprache den Schwerpunkt.

Ein Artikel von Christina Zetlmeisel, Monika Utasi, Renate Dummert.

Ausgangspunkt der diesjährigen Minioper war die Bilderbuchgeschichte „Schabernack“ von Margaret Klare und Claudia Schmid. Diese inspirierte vor allem durch ihre witzig überzogenen Beschreibungen zu einer szenischen Umsetzung. „In diesem Bilderbuch geht es so drastisch zu wie auf der Bühne eines Kasperltheaters“ (Jens Thiele in „Die Zeit“, 16. Mai 2002).

Der Schnick, der Schnack, der Schabernack, die gingen einmal huckepack.
Da sahen sie den Dackel Dack, das Hähnchen Gick, das Hühnchen Gack, den Specht Tack-Tack und Fröschlein Quack, wie sie sich zankten hick-hack-hick-hack.
Am Höhepunkt der Geschichte werden alle Figuren gefressen –
von einem riesengroßen Kakerlak, sein Bauch ist wie ein dicker Sack.
Auf einmal hört man krick und krack
und …

Eigentlich scheint ein Bilderbuch in vorliegender Form zunächst wenig oder gar nicht geeignet für einen kompositorischen Prozess mit einer Gruppe. Hier haben wir es mit einem gestalteten Endprodukt in Formvollendung zu tun, das allzu leicht dazu verführt, es abzubilden, das heißt es „eins zu eins“ in Musik und Szene umzusetzen.

Das Bilderbuch wird als architektonisch höchst exklusives Bauwerk betrachtet, welches erhalten, jedoch an einem anderen Ort noch einmal neu aufgebaut werden soll. Dazu wird Stein für Stein abgetragen, Mauerwerk behutsam abgeklopft, die Grundsubstanz genau untersucht, alles brauchbare Material geordnet und gelagert. Unbrauchbares legt man beiseite, Neues kommt hinzu und zuletzt setzt man alles wieder zusammen. So vollziehen sich hier Komposition und De-Komposition in enger Verbindung. Das neu entstandene Bauwerk enthält dann Schichten des vorherigen und erscheint dennoch in anderer Gestalt.

Wie sah es nun wirklich auf der „Baustelle“ aus? Sie zankten sich hick-hack-hick-hack – nein, nein… hier ein paar Beispiele für die spezifische Verfahrensweise: Die klaren und lautmalerischen Verse dieser kurzen Geschichte regten zu einer Umsetzung in Bewegung, auf Instrumenten oder zu rhythmischen Wortspielereien (hick hack, zick zack, mick mack, tick tack…) an. Die Bilder von Claudia Schmid dagegen erweckten beim Betrachten den Eindruck, als würden sich die Figuren schlängeln, ineinander verhaken, immer in Bewegung sein. Daraufhin bauten die Gruppenmitglieder Gummi-Instrumente, indem sie Objekte und Perkussionsinstrumente mit Gummiringen und -bändern verfremdeten und auf ihnen improvisierten. Sie schlüpften in riesige Plastiksäcke und zankten sich windend und hüpfend, komponierten eine „Horrormusik“ und einen Zick-Zack-Tanz, zu dem Textabschnitte der Geschichte gerappt werden.

Aus den einzelnen Baumaterialien entstanden schließlich absurde Szenen, Dialoge, Gesänge, bewegte Situationen und merkwürdige Kompositionen, welche von den Mitwirkenden zu einem turbulenten Spektakulum verflochten wurden. Die Stückemacherinnen agierten dabei gleichzeitig als Komponisten, Darsteller, Sänger und Tänzer, die sich auf der Bühne in unzählige Figuren verwandelten. Lediglich drei Instrumentalisten (Violine, Tuba und Klavier) kamen dazu, die die gemeinsam entwickelten musikalischen Skizzen in der Interpretations- und Aufführungspraxis Neuer Musik umsetzten. So wurde aus einem Bilderbuch eine witzige und turbulente Opernminiatur für Menschen ab fünf Jahren, die in den Aufführungen als Sprechchor und Luftballonorchester selbst aktiv werden und schließlich individuell entscheiden konnten, ob es Sinn macht oder blöd ist.

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