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(nmz) -
Ein Artikel von Stefan Raulf.

Paul van Dyk/Peter Heppner: „Wir sind wir“

Der Berliner DJ und Produzent Paul van Dyk konnte es sich leicht machen, denn was Peter Heppner, ansonsten Sänger bei Wolfsheim, da zusammengereimt hatte, reichte schon für den nötigen Aufmerksamkeitsschub. Und so musste van Dyk diese Phrasen-Sammlung deutscher Befindlichkeits- und Selbstmitleids-Klischees nur noch mit einem dieser standardisierten Sequenzer-Geraune samt leicht schleppendem Beat unterlegen, die üblicherweise Nachdenklichkeit und Schwermut assoziieren – Sounds, die man auch dauernd bei „Tatort“-Folgen mit vermeintlich brisanten Themen hört. Ab der Mitte deutet sich ohne musikalischen Sinn und inhaltlichen Verstand so ein typisch-surrendes Techno-Signalmotiv an, und der übliche dramaturgische Kniff der Rückung fehlt auch nicht. Diese bekommt allerdings Bedeutung, da die Videobilder in dem Moment beim Mauerfall angekommen sind.

Dieses Video versucht nicht weniger als eine Chronik der deutschen Nachkriegsgeschichte zu montieren – so weit, so gewagt. Es ist zwar maßlos selbstüberschätzend, aber auch nicht schlimm, wenn sich Heppner tricktechnisch perfekt als fotografierender Chronist in die Doku-Aufnahmen hineinkopieren lässt. Unangenehm ist allerdings das implizierte historische Opferbild, das hier durch konsequente Auslassung der Völkermord- und Kriegstreiber-Schuld von den Deutschen gemalt wird, diese jede Täterschaft verleugnende Haltung des „Wir können doch nichts dafür!“. Vom Zweiten Weltkrieg bleiben nur die Trümmer, der Kriegsversehrte sowie die Zeile „Wir stehen hier, aufgeteilt, besiegt…“ übrig.

Und wenn dem gegenüber dieses Pop-Lamento mit den Worten schließt: „Das ist nur ein schlechter Lauf, so schnell geben wir doch jetzt nicht auf“, dann schwelt hinter diesem „Wir sind wir“ eher ein nutzlos gefühlsverduseltes als ein historisch aufgeklärtes Identitätsgefühl. Und das braucht kein Mensch.

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