Hochgradig kontraproduktive Ergebnisse
Ein Artikel von Barbara Arens, Dettelbach.
Es sei betont: Es handelte sich um einen undotierten Preis – Mitmachen war also lediglich Ehrensache. Aber mit einem hatte ich nicht gerechnet, nämlich hinterher angeprangert zu werden! Außer den beiden Preisgewinnern werden alle Jugendkonzertprojekte in einen Topf geworfen und pauschal als „kopflastig“ oder als „eine Anbiederung an die vermeintliche Erlebniswelt von Kindern und Jugendlichen“ oder, schlimmer noch, schlichter „Klamauk“ beschimpft. Ich weiß nicht in welche dieser Kategorien mein Konzert für 5- bis 8-Jährige „Mozart – so vielschichtig wie eine Mozartkugel“ gefallen ist, aber glaubt irgendjemand, dass diese destruktive Kritik Mut macht, weitere „sogenannte (!) Kinderkonzerte“ (Arnd Richter) aufzuführen? Gleiches gilt für Herrn Richters ein klein wenig überhebliche Feststellung, dass „Projekt-Konzepte entstanden sind, die in der Regel gut gemeint und auf dem Papier überzeugend dargelegt sind. Häufig genug scheitert die praktische Umsetzung jedoch…“
Mitzumachen bei diesem Wettbewerb war aber dennoch auch ein erkenntnisreiches Erlebnis. Ich habe jetzt folgendes gelernt: Nur ein Orchester der Weltklasse, das über beträchtliche öffentliche Gelder, Zuschüsse, Sponsoren, Marketingstrategen, eine professionelle Filmcrew und so weiter verfügt, kann ein halbwegs vernünftiges „sogenanntes Kinderkonzert“ auf die Beine stellen, alles „unter Aufbietung nicht unerheblicher Mittel und straffer Logistik“ und natürlich nur mit Hilfe „eigens qualifizierter Konzertpädagogen“ (merkwürdigerweise weist Jurymitglied Richter kein einziges Mal auf die Qualität des Musizierens oder auf die Auswahl der Kompositionen oder den Programmaufbau hin – das also scheint nicht so wesentlich zu sein). Das ist für die vielen kleinen Gruppen von idealistischen, aber nicht weniger hochkompetenten und engagierten Musiker, die nicht über solche finanzielle und moralische Unterstützung verfügen, vielleicht ein bisschen entmutigend. Es dürfte den Verfasser des Berichtes überraschen, dass nicht alle, die „sogenannte Kinderkonzerte“ aufführen, einzig und allein auftreten, um „den Damokles-Schwertern von Etatkürzungen und Fusionen bis hin zu Schließungen“ zu entwischen.
Wir Verlierer brauchen jetzt Vorbilder. Wie herzenserwärmend, dass auf der folgenden Seite (nmz 2/07, S. 13) ein Bericht über „Little Amadeus“ gedruckt ist. Seit Anfang des seligen Mozartjahres verging kaum eine Ausgabe der nmz ohne einen Bericht über „Little Amadeus“. So haben wir alle vor Augen, wie ein „sogenanntes Kinderkonzert“ wirklich aussehen sollte. Kein Klamauk, nein. Oder? Keinerlei „Anbiederung an die vermeintliche Erlebniswelt der Kinder“. Oder? Höchstens ein bisschen „kopflastig“! Nicht wahr? Aber warum nicht gleich einen Mickey-Mouse-Kopf mit süßem Mozartperückchen? Das würde den Niedlichkeitsfaktor doch noch um ein paar Prozente erhöhen!
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