Hommage an Villa-Lobos

Villa-Lobos-Duo: The White Indian. A Tribute to Heitor Villa-Lobos


(nmz) -
Villa-Lobos-Duo: The White Indian. A Tribute to Heitor Villa-Lobos. Acoustic Music Records LC 07103
Ein Artikel von Alexandra Scherer.

Sie sind sich ebenso ähnlich wie unähnlich: die oft heitere Gitarre und das schmachtende Cello. Auf dem neuen Album des Villa-Lobos-Duos geben sich die beiden Saiteninstrumente ein Stelldichein: „The White Indian“ heißt die bereits vierte CD des Duos, in seiner aktuellen Besetzung bestehend aus dem Cellisten Sven Holger Philippsen und dem Gitarristen Boyan Karanjuloff. Seit 1992 ist das Duo mit dieser doch recht ungewöhnlichen Besetzung schon erfolgreich.

Das Programm ist dem brasilianischen Komponisten und Dirigenten Heitor Villa-Lobos gewidmet, dem nicht nur das Duo, sondern auch das Album seinen Namen verdankt. Denn der Komponist selbst erhielt nach seinen sagenumwobenen Reisen in den Dschungel den Spitznamen „weißer Indianer“. Präsentiert werden Stücke von Komponisten, die Villa-Lobos zeit seines Lebens begleiteten und vielleicht auch sein Werk beeinflussten: sowohl südamerikanische Komponisten wie Radamés Gnattali, Guinga oder Astor Piazzolla, der Erfinder des argentinischen Tango Nuevo, als auch Werke von Debussy, Milhaud und Hindemith. Während der schwebende Klang der Musik Debussys wie geschaffen ist für Gitarre wird die Klangkombination Gitarre-Cello bei Milhaud und Hindemith auf die Probe gestellt. Diese Stücke werden durch den großen klanglichen Unterschied der beiden Instrumente besonders interessant: Der starke Kontrast der Stimmen eröffnet eine ganz neue, vielleicht etwas ungewohnte Klangebene.

Natürlich kommt auch Villa-Lobos selbst auf der ihm gewidmeten Platte nicht zu kurz. Drei seiner Werke wurden ausgewählt, darunter die „Bachianas Brasileiras No. 9“, unterteilt in „Prelúdio“ und „Fuga“, bei denen sich Villa-Lobos hörbar an Bach orientiert. Die beiden anderen Stücke dagegen basieren auf Erzählungen seines Vaters. Während „Xango“ mit seiner schweren Melodie des Cello, dem hämmernden Rhythmus der Gitarre und Geräuschen wie von Schlangen im Hintergrund mitreißt, ist „Floresta de Amazonas“ betont schlicht und melodiös.

Eine Gemeinschaftskomposition des Villa-Lobos-Duos trägt den kryptischen Namen „7244 Villa-Lobos“, hinter dem sich der nach Villa-Lobos benannte Asteroid verbirgt. Sven Holger Philippsen und Boyan Karanjuloff greifen dabei auf Themen von Villa-Lobos selbst, Chick Corea und der brasilianischen Metal-Band Sepultura zurück. Das verbindende Element ist der drängende Rhythmus, der dem ganzen Stück zugrunde liegt und sich immer mehr ins Bedrohliche steigert, um schließlich ins kaum Hörbare zu verschwinden.

Insgesamt ist das Album ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Werk mit südamerikanischem Flair, das Gitarre und Cello in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen.

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