Jedem Kind seine Stimme

Singende Grundschulen in Münster


(nmz) -

Jedes Grundschulkind mit Gesang erreichen. Wirklich jedes Kind, unabhängig von Bildung, Kultur oder sozialem Stand. Dieses ehrgeizige Ziel hat sich das bundesweit einmalige Modellprojekt „Jedem Kind seine Stimme“ gesteckt. „Singen“, so sagen die Ideengeber aus der Westfälischen Schule für Musik Münster, „ist die elementarste Form des Musizierens. Sie stiftet kulturelle Identität und fördert den interkulturellen Dialog“.

Ein Artikel von Katrin Winkler.

Ausgabe: 
2/08 - 57. Jahrgang

Erste Erfahrungen in einem sozialen Brennpunkt mit Kindern aus 20 Nationen machen den Münsteranern Mut, das Projekt auszuweiten. Es kommt ohne Instrument aus und braucht keinen zeitintensiven Unterricht. Der Einstieg in die Welt der Musik wird vielmehr leicht gemacht. Singende Kinder, singende Lehrkräfte, singende Schulen: Bis zum Jahr 2010 sollen 46 Grundschulen der westfälischen Stadt eine musikalische Grundversorgung erhalten.

Wie das geht? Herzstück von „Jedem Kind seine Stimme“ ist eine Kombination aus Kinderchor und Lehrerfortbildung. Die Kinder eines Auswahlchores erfahren die intensivste Förderung. Sie lernen über aktives Singen, Be­wegen, Spielen und Sprechen, über Ausdruck und Emotion, wie sie die eigene Stimme einsetzen und genießen können. Der Kinderchor ist die Keimzelle einer „Singenden Grundschule“.

Alle Lehrkräfte der Schule – egal ob sie eigentlich Mathematik oder Sport unterrichten – werden musikalisch fit gemacht. Fortbildungen befähigen die Pädagogen, das Singen quasi als „tägliche Grundnahrung“ in den Schulalltag einfließen zu lassen. Dies wird – das hat die Erprobungsphase bereits gezeigt – umso leichter gelingen, da es in jeder Klasse einige Kinderchormitglieder gibt, die mit dem gemeinsamen Liedgut (es ist in Chor und Schulklassen immer gleich) vertraut sind und die anderen mitziehen. So wird schließlich eine ganze Schulge­meinschaft zu einer „Singenden Grundschule“.

Das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt wird von drei Partnern geschultert: Die Gesamtkosten von 250.000 Euro stellen das Land Nordrhein-Westfalen, die Sparkasse Münsterland Ost und die Stadt Münster zur Verfügung. Zusätzliche Unterstützung leistet der Lions Club Münster Annette von Droste-Hülshoff. „Jedem Kind seine Stimme“ wird von der Universität Münster wissenschaftlich begleitet. Erfahrungen und Ergebnisse sollen Thema eines Symposiums sein, das für Mitte 2009 geplant ist.

Noch in diesem Schuljahr gehen die ersten neun Grundschulen in Münster an den Start. Neun Schulen, das heißt in Zahlen: 2.100 täglich singende Schüler; 60 Lehrkräfte, die in Sachen „Singen und Stimme“ fortgebildet werden; 15 neue Schulchöre mit 500 Chorkindern. Anders ausgedrückt: Mit den neun Schulen erhalten 22 Prozent aller Grundschüler in Münster ein Stück elementarer musikalischer Bildung.

Das Modell „Jedem Kind seine Stimme“ wird nicht allein vom Land, der Sparkasse Münsterland Ost und der Stadt Münster als wegweisend angesehen. Es könnte, so die Westfälische Schule für Musik, eine vielversprechende, auch auf andere Städte übertragbare „westfälische“ Variante oder Ergänzung des zunächst auf die Ruhr-Region fokussierten Projektes „Jedem Kind ein Instrument“ sein. (Infos: Westfälische Schule für Musik der Stadt Münster, Ulrich Rademacher, Inga Mareile Reuther, Tel. 0251/98103-12, www.muenster.de/stadt/musikschule

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