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Neuveröffentlichungen der Popbranche im März
Ein Artikel von Sven Ferchow.
Vor dem Plattenlob das Labellob. Was das Berliner Label Solaris Empire seit Jahren ohne Getöse und stets mit Eigenwilligkeits-Garantie präsentiert, ist aller Ehren wert. Past and Future, die aktuelle Prominenz des Labels, fügt sich kompromisslos ein. Das Trio schert sich einen Teufel um rote Fäden oder Stringenz. Das darf krachen wie „Du und ich“, gerne mal am sozialen Nonsens vorbeischrammen („Hartz IV“) oder schlicht lakonisch dümpeln wie „Wenn du nichts trinken willst“. Aus Punk, Country-Gitarren oder Gockeltönchen zaubern sie eine stimmige und teils sogar ästhetische EP. Boshaftigkeit möchte man den Texten nicht unterstellen, aber Bissigkeit. Hörhinweis: „The Greatest“, „Wenn du nichts trinken willst“.
Gonjasufi. Da staunt man ob des Künstlernamens. Aber noch wichtiger: das Hören. Eine schreckliche Leichtigkeit vermittelt „A Sufi and a Killer“. So gewichtslos, dass man gar nicht abschalten möchte, wenn Gonjasufi seine Versatzstücke aus Hip Hop, Jazz, Easy Listening, Indien und Soul nicht nur gekonnt klebt, sondern eine unverschämt lockere Kontinuität zusammenflickt. Es ist persönlich ausgestaltbare Filmmusik, die Gonjasufi flockig präsentiert. Und das als Debutalbum. Abgezockt, der Alte. Hörhinweis: „Kobwebz“, „Candylane“.
Wie man das von schottischen Künstlern der neuen Generation kennt, nehmen sie Musik und Songwriting sehr ernst und als Herzensangelegenheit, ohne den Spaß zu vernachlässigen. Emma Pollock, keine Unbekannte, zeigt auf „The Law Of Large Numbers“ wie man fortschrittliche Sounds und Songwriterinnen-Qualitäten unter einen Hut bringt. Selten wird es laut, nie aber zu leise. Einfallsreiche Drumloops oder Tonspielereien vermeiden träges Hören und verweisen stets auf neue Aspekte innerhalb des Songs oder in Bezug auf die Künstlerin. Es ist kein glühender Enthusiasmus, der wie Lava aus dem Vulkan fließt, aber diese einlullende Taktik der Emma Pollock hat was. Hörhinweis: „I Could Be a Saint“, „Confessions“.
Mark Charles aus Kentucky, USA, ist Sohn eines Priesters, Enkel eines Glücksspielers und Urenkel eines Kongressabgeordneten. Familiär derartig abgefeimt, wundert es kaum, dass das Resultat seiner musikalischen Karriere alias Vandaveer irgendwo zwischen minimalistischem Folk und eigenbrötlerischem Country enden muss. „Divide & Conquer“ prustet patriotisch, aber bitteschön mit Kritikdistanz und oft aufreizender Coolness. Aus unerklärlichen Gründen schafft es Mark Charles, den Kitsch der blassen Dylan-Parodie zu umkurven und sein Herz glaubhaft auszuschütten. Schon beeindruckend. Hörhinweis: „A Mighty Leviathan of Old“, „Long Lost Cause“.
Zu Recht fragt das Pressinfo: „Irish Folk und Mariachi – geht das zusammen?“ Muss gehen, denn The Chieftains featuring Ry Cooder ist nicht nur ein musikalischer Think Tank, der da zusammentrifft, sondern auch ein Haufen Grammy-Auszeichnungen. „San Patricio“ blüht vor mexikanischer Sehnsuchtsschärfe und kasteit sich in irischer Melancholie. Musik kann manchmal so schön sein. Hörhinweis: „Lullaby for the Dead“, El Chivo“.
Diskografie
• k.d. lang – recollection (12.02.2010, Warner)
• Past and Future – Wenn du nichts trinken willst (EP, 26.03.2010, Solaris Empire)
• Gonjasufi – A Sufi and a Killer (12.03.2010, Warp Records)
• Emma Pollock – The Law Of Large Numbers (26.03.2010, Chemikal Underground)
• Vandaveer – Divide & Conquer (05.03.2010, Alter. K)
• The Chieftains feat. Ry Cooder – San Patricio (05.03.2010, Universal)
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