Kein Anschluss
Cluster 2011/05
Ein Artikel von Martin Hufner.
Es gibt die Theorie, dass die ganze Vermittlungssache erst das Problem hervorbringt, die es sich dann zu bekämpfen anschickt. Vermittlung schaffe erst die Distanz, die man zu überwinden hofft. Dabei ist die grimmige Grundfrage noch unbeantwortet: Welches Problem haben wir denn überhaupt? Dreht man den Spieß um, wird es klarer. Die Mitglieder der sogenannten Generation 50plus (also die über 50-Jährigen) sind, folgt man der Käufer-Forschung der Musikindustrie, erstaunlich klassikaffin, aber es gibt verhältnismäßig wenig Popmusik-Käufer unter ihnen. Ein Vermittlungsproblem?
Müsste man nicht langsam mal beginnen, diesem überaus zahlungskräftigen Publikum aktuelle Popmusik nahezubringen mit von Joachim Fuchsberger und Johannes Heesters moderierten Opa- und Oma-Konzerten von Justin Bieber, Lady Gaga und Lena? Musikindustriell gesehen wäre das sehr sinnvoll.
Nach wie vor wäre das Problem damit allerdings nur verschoben. Edgar Wind ging in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts diese Frage im Kern an: „Wenn die Kunst wieder eine Rolle im Zentrum unseres Lebens spielen soll, so wird sich zunächst einmal unser Leben ändern müssen“, schreibt er in seinem Buch „Kunst und Anarchie“. Aber wer könnte das? Und vor allem, wer wollte es?
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