Klaviermusik: Joseph Haydn/Alexander Zemlinsky: Die Jahreszeiten, Die Schöpfung
Welke Nachklänge
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann.
Als Zemlinsky Haydns beide Oratorien als kompakten Satz für Klavier zu vier Händen einrichten musste, war das eine ungeliebte, aber ökonomisch für ihn erforderliche Brotarbeit. Ganze Opern des volkstümlichen Repertoires hat er für den Wiener Verleger Joseph Weinberger, den späteren Mitbegründer der Universal Edition, auf diese Weise hergestellt.
Die breitangelegten, auf mehrere Komponisten-Bearbeiter verteilten Bearbeitungen brachten Weinberger keinen Erfolg, was, von heute aus gesehen, einleuchtend erscheint: Dem Eifer klavierspielender Laien hätten vermutlich Werkauszüge mehr entsprochen. Haydns Oratorien in dieser vierhändigen Klavierfassung pausenlos durchzuhören, bedarf Langmut. Denn sie stellen schon von ihrer Anmutung her ein Exotikum dar. Man hört die schönen Kompositionen ohne Bezug zum Text als „abstracts“.
Das Duo Namekawa/Russell Davies hat für die Edition des Klavier-Festivals Ruhr schon „Zauberflöte“ und „Fidelio“ in Zemlinskys Übertragungen aufgenommen. Es spielt Haydn schlicht, durch blühenden Klangsinn veredelt. Der Abglanz der Oratorien bleibt trotzdem welk. Der Darstellung interpretatorische Ansätze aufbürden zu wollen, wäre verfehlt gewesen. Zemlinsky hat unter der Arbeit geächzt (an Schönberg: „Ich bin im Joch Weinbergers“). Man kann das beim Hören der CDs nachempfinden.
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