Kratzbürste
Ein Artikel von Uta Leidenberger.
Ein internationaler Geheimtipp: Mar-lango, die Jazzformation aus Spanien, verarbeitet in ihrem aktuellen Album „Automatic Imperfection“ Eindrücke aus Reisen und Konzerten und presst große musikalische Vielfalt auf eine einzige Platte. Betörend, gekonnt kratzig und kraftvoll überzeugend ist die weibliche Stimme des Projects: Leonor Watling. Sie macht gleichzeitig zur Musik Schauspielkarriere, hat bei Pedro Almodóvars „Sprich mit ihr“ und „Das geheime Leben der Worte“ von Isabel Coixet mitgespielt und wird demnächst in dem Streifen „Salvador“ zusammen mit Daniel Brühl zu sehen sein. Auf der Musikbühne platzieren sich neben ihr Pianist Alejandro Pelayo und Trompeter Oscar Ybarra Ende, außerdem David Gwynn (guitar), Mac Hernández (bass) und Ricardo Moreno (drums). Die gemeinsame Vorliebe gilt vollmundigen, verrauchten Klängen. Der gewaltige Einstieg mit „Shake the moon“ ist auf dem Rest der Platte an Energie nicht mehr zu toppen, fortan dominieren mal tiefnächtlich-träumende Klänge, ein wenig Nostalgie und viel Ruhe. Auch mal angenehm verspielte Harmonie ist in „Tip Toe“ und vor allem im „Pequeno Vals“ zu finden. Das macht die Platte zum recht sprunghaften Musikerlebnis, das jedoch lebendige Facetten und neue Feinheiten entdecken lässt.
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