Kultur-Kraft

Zum ersten ­Aktionstag „Kultur gut stärken“


(nmz) -
Man muss keine prophetische Gabe besitzen, wenn man schon jetzt sagt, dass am 21. Mai 2011 – dem ersten ­Aktionstag „Kultur gut stärken“ – eine kulturelle Tradition in Deutschland begründet wurde, die noch viele Jahre Bestand haben wird. Denn der vom Deutschen Kulturrat ins Leben gerufene Aktionstag war ein Erfolg. Das einfache Konzept, lediglich ein (virtuelles) Dach zu schaffen und unter diesem das kreative Potenzial unzähliger Kunst- und Kulturschaffender samt deren Institutionen in ganz Deutschland zur Entfaltung zu bringen, ist aufgegangen.
Ein Artikel von Martin Lorber.

Ausgabe: 
6/11 - 60. Jahrgang

Es brauchte tatsächlich nicht viel mehr als die Überzeugungskraft des rührigen Kulturrat-Teams  und ein ­modernes, schnelles und kostengüns­tiges Kommunikationsinstrument wie den neuen Blog „kulturstimmen.de“, um ein Fest auf die Beine zu stellen, das im ganzen Land spürbar und erlebbar war.
„Kultur gut stärken“ wollte zweierlei: kulturelle Vielfalt zeigen und Kulturabbau verhindern oder zumindest dagegen demonstrieren. Beides ist in wunderbarer Weise gelungen. An vielen Orten wurde deutlich auf Missstände, Notsituationen, drohende Schließungen, klaffende ­Finanzierungslücken und dergleichen Ungemach mehr hingewiesen. Das ist wichtig und führt hoffentlich häufig dazu, dass die Verantwortlichen vor dem finalen Todesstoß für Theater, Konzerthäuser, Orchester, Kompanien, Musikschulen, Museen und so weiter noch einmal innehalten, Vernunft walten lassen und bedenken, um was sie künftige Generationen berauben, wenn sie jetzt Teile unserer kulturellen Vielfalt sterben lassen und damit eine wichtige Lebensader unserer Gesellschaft beschneiden. Es ist wichtig, dass man auch in vielen kleineren und mittelgroßen Städten ein vielfältiges musikalisches Angebot vorfindet, das junge Menschen auch anregt, sich selbst musikalisch ausbilden zu lassen. Davon lebt unsere ganze Musikkultur, auch die „Hochkultur“ der großen Konzerthäuser in Köln, Berlin, Frankfurt, Hamburg und München. Das eine geht nicht ohne das andere, alleine schon wegen des sonst fehlenden Nachwuchses.

Wichtiger noch als diese Warnungen aber war möglicherweise die Demonstration der Kraft, der Vitalität und der Vielfalt des kulturellen Lebens in Deutschland. Mehr als 750 Veranstaltungen und Aktionen fanden statt, ohne dass es dazu eines dirigierenden Festivalapparats mit großem Budget bedurft hätte. Alle Veranstaltungen – der größte Teil übrigens aus dem Bereich Musik – wurden dezentral von den lokalen Veranstaltern ins Leben gerufen, organisiert und finanziert. Sie machten Kultur spürbar und erlebbar. Ich finde das sehr ermutigend. Und ich finde es großartig, dass auch in den Demonstrationen gegen ihren drohenden Tod Kultureinrichtungen in vielen Fällen überhaupt nichts von ihrer Kreativität und ihrer Kraft eingebüßt haben

Der Autor ist Pressesprecher von Electronic Arts, einem Hersteller von Videospielen, und betreibt einen Blog für digitale Spielkultur: www.spielkultur.ea.de

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