Kunst und Krieg im Fokus

Eine Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen


(nmz) -

Bis in die Moderne hinein wurden Kriege vor allem aus der Perspektive der Macht dargestellt. Der Krieg erschien im Glanz heroischer Kämpfe und ruhmreicher Feldherrn, während seine tödliche Zerstörungskraft weitgehend ausgeblendet wurde.


Daneben entstanden aber auch Kriegsbilder, die den Krieg „von unten“, mit Blick auf die Opfer zeigen. Die großen Kriegszyklen von Jacques Callot, Francisco de Goya und Otto Dix sind Hauptwerke dieser kritischen Tradition. Jacques Callots im Dreißigjährigen Krieg erschienene Folge „Les misères et les malheurs de la guerre“ von 1633 gilt als erste „moderne“ Darstellung vom Krieg und seinen Schrecken. Die figuren- und detailreichen Radierungen erzählen von einer enthemmten Soldateska, die nicht nur kämpft, sondern auch plündert, brandschatzt und vergewaltigt. Durch die harte Bestrafung der marodierenden Söldner wird aber am Ende die staatliche Ordnung wiederhergestellt. Callots Anklage richtet sie nicht gegen den Krieg an sich, sondern gegen dessen verheerende Auswüchse. Francisco de Goya setzt sich in den „Desastres de la guerra“ mit dem spanischen Unabhängigkeitskrieg (1808–1814) auseinander (Auswahl von 46 Radierungen). Er schildert aus einer scheinbaren Augenzeugenschaft heraus die Schrecken des Volkskrieges in einer Vielzahl schockierender Gewaltszenen, deren Ort und Zeit unbestimmt bleiben. Durch die dramatische Ausgestaltung des Geschehens, durch die Nahsicht auf die Täter und Opfer und die wertenden Bildtitel erreicht die Darstellung ein Höchstmaß an emotionaler Wirkung. Doch es gibt keine eindeutige Parteinahme, da die revoltierenden Spanier ähnlich grausam gezeigt werden wie die französischen Soldaten. Goyas Thema sind auch die vom Krieg entfesselten, dunklen Triebkräfte der menschlichen Natur. Otto Dix verarbeitete nach dem 1. Weltkrieg seine Erfahrungen als Frontsoldat in einer Folge von 50 Radierungen. Das 1924 erschienene Mappenwerk „Der Krieg“ zeigt die Zerstörungsmacht moderner Kriegsmaschinerie und den grauenvollen Stellungskampf an der Westfront in albtraumartigen Bildern. Man sieht zerschossene Kraterlandschaften, erschöpfte, verwundete und verstümmelte Soldaten, Leichenfelder und grinsende Skelette. Die Kriegswelt von Dix kennt nur namenlose Gewalt, Leid, Tod und menschliche Verrohung. Ergänzend wird erstmals auch der Originalentwurf von Brechts Kriegsfibel mit über 70 Fotoepigrammen ausgestellt. Thema der Kriegsfibel ist der 2. Weltkrieg.

Während der Exilzeit sammelte Bertolt Brecht Kriegsfotos aus Zeitungen, kommentierte sie bildkritisch mit vierzeiligen Versen. Aus diesen Fotoepigrammen entstand Ende 1944 eine erste Fassung des Werks, die Veröffentlichung erfolgte 1955. Die Kriegsfibel will der Nachwelt kritischen Einblick in die Ursachen und Hintergründe des Krieges geben. Grundlegend ist die Marx’sche These, dass die wahren Frontlinien nicht zwischen Nationen, sondern zwischen Klassen verlaufen. In ihrem Ziel, das Lesen von Bildern zu lehren, ist die Kriegsfibel bis heute aktuell geblieben. Die Zusammenschau wird durch Großfotos, Bilderläuterungen und Videostationen didaktisch erschlossen. Der Besucher erhält Einblick in die Konstruktion von Kriegsbildern – ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit den massenmedialen Kriegsdarstellungen unserer Gegenwart.

Die von Vorträgen und einem Film begleitete Ausstellung (montags ganztägig und donnerstag-/freitagnachmittags geschlossen) im Stadtmuseum Erlangen, Martin-Luther-Platz 9, 91054 Erlangen datiert noch bis 20. November, Info: Tel. 09131/86 23 00 und www.erlangen.de/stadtmuseum

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