Kurz vorgestellt

CDs


(nmz) -

Franz Schubert: Klaviersonaten D 537 und 894; Helmut Lachenmann: Fünf Variationen über ein Thema von Schubert; Guero. Herbert Schuch, Klavier. Oehms OC 593

Ein Artikel von Reinhard Schulz

Herbert Schuch steht gewiss nicht in der obersten Riege der Tastenvirtuosen. Aber diese CD belegt wieder einmal, dass man langsam auf diese Auslaufmodelle verzichten kann. Denn Schuch nähert sich Schubert mit einer Wärme und Intensität der Wahrnehmung, dass alle feinen klanglichen Hallphänomene, denen Schubert so intensiv nachlauschte, wie neugeborene Harmonien wirken. Und über die Variationen des jungen Lachenmann kommen wir zu dessen Guero, und man merkt, dass es in der Musik immer um das Gleiche geht: Um das staunende Vernehmen. Nur die Gewänder wechseln.

Hommage à August Stramm. Kompositionen von Schleiermacher, Heisig, Rihm, Rühm, Barlow, Vogel, Walden, Reinhold und Babbitt. Hildegard Wiedemann, Mezzosopran; Holger Falk, Bariton; Steffen Schleiermacher, Klavier; Wolfgang Heisig, Phonola; Ralf Mielke, Bassflöte; Dorothea Hemken, Viola. MDG 613 1496-2

Der Postinspektor August Stramm, der 1915 an russischer Front fiel, hat in seinen letzten drei oder vier Lebensjahren die Literatur revolutioniert. Ob er sich dessen selbst bewusst war, spielt keine Rolle, er warf einfach semantische Fetzen aufs Papier und zeichnete so die Umrisse einer emotionalen Landschaft. Wunderbares Material für musikalische Phantasien! Hier ist eine für sich selbst sprechende Sammlung mit Stücken zwischen 1915 bis heute in expressionistischer, dadaistischer bis konstruktivistischer Umsetzung zusammengestellt. Es entstand eine vielfältige, hügelige Welt mit all den Untiefen und Abgründen, die Stramm gefühlt haben muss.

Luigi Nono: Prometeo. Diverse Interpreten. Experimentalstudio, André Richard; Leitung: Peter Hirsch, Kwamé Ryan. col legno WWE 2SADC 20605

Diese in Freiburg erstellte Produktion von Luigi Nonos krönendem Musiktheaterwerk ist, was Prägnanz der klanglichen Gestaltung, Durchsichtigkeit der elektroakustischen Modifikationen und Raumerscheinung der Musik anlangt, auf allerhöchstem Niveau. So klar, so differenziert, so zwingend fällt das aus, dass Metzmachers Live-Einspielung bei EMI von 1993 doch um einiges dahinter zurück bleibt. Jetzt erst treten viele Wunder dieser Partitur offen vor die Ohren. Die „Tragödie des Hörens“, so Nonos Untertitel, wird zur fesselnden, enigmatischen Botschaft.

Howard Skempton: Catch; Tendrils. Jo Kondo: Hypsotony; Fern; Mr. Bloomfield, His Spacing. Quatuor Bozzini. CQB 0704

Musik der Reduktion, der kleinen und innigen Wendungen, lustvoll verspielt und zugleich voller fremdartiger, wie aus fernen Zeiten herüberwehender melodischer Bögen. Es ist hörbar Musik, zu der das hervorragende kanadische Quatuor Bozzini eine große Affinität besitzt. So wird jede Gestalt nachdrücklich, jeder Zusammenklang bekommt Raum und Tiefe.

Morton Feldman: For Philip Guston. Julia Breuer, Flöten; Mathias Engel, Schlagzeug; Elmar Schrammel, Klavier, Celesta. Wergo 6701/04 (4 CDs)

Mehr als viereinhalb Stunden dauert dieses auf vier CDs untergebrachte Stück, das das vielleicht motivisch konziseste Werk des späten Morton Feldman ist. Die drei Musiker/-innen spielen durchweg mit konzentrierter Hinwendung zu jeder Gestalt, jedem Einzelton. Dennoch ist das Ergebnis nicht kalt, vielmehr zwingt uns die Musik in ihren Zeit-Raum, der ein ganz anderer ist, als unsere gewöhnlichen Orte des Musik-Hörens: Lustvolles Überstehen, Freude am Unendlichen, Vertrauen ins Weite.

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