Lässig, ausdrucksstark


(nmz) -

Céline Rudolph: Brazaventure
ENJA RECORDS/Soulfood

Ein Artikel von Elfriede Baranowski.

Ausgabe: 
2/08 - 57. Jahrgang

Schon in ihrer Jugend beschäftigte sich Céline Rudolph mit brasilianischer Musik und mit der portugiesischen Sprache. Das Album Brazaventure enthält allerdings nicht typisch brasilianische Musik, sondern ist eher das Ergebnis einer Erfahrung der Sängerin mit Brasilien.

Das vorherrschende Stilmittel ist die Vielfalt. Verschiedene Sprachen, auch fiktive, finden genauso Verwendung wie unterschiedliche musikalische Traditionen. So wird jedes Stück zu einem Einzelereignis und das verbindende Element ist die klare Stimme Céline Rudolphs. Sie ist bestimmend, schwebt über allem oder windet sich um die Instrumente, geht dann wieder ihre eigenen Wege. Aber die Ästhetik der Stücke funktioniert nur über den Instrumentalpart, dessen Basis die Perkussion und die Gitarre mit Bass bildet. Mit Bedacht treten Instrumente wie das Akkordeon oder das Vibraphon hinzu, sie unterstreichen die speziellen Stimmungen, die in den einzelnen Liedern zum Ausdruck kommen. Die eigentliche Gesangskunst Céline Rudolphs wird in den Adaptionen des Albums sichtbar, wenn sie My one and only love von Guy Wood und Robert Mellin singt, fast nebenbei, lässig, überhaupt nicht aufgesetzt. Oder wie in Victime de la mode, einem französischen Rap-Song, dem sie einen langsamen Sambabeat unterlegt – hier fließt ihre Stimme verschmolzen mit dem Rhythmus der Musik dahin. Nur ein Instrument kann sich gegen Céline Rudolphs Stimme behaupten, das Saxophon in Numenam. Es spielt sich in den Gesang hinein und übernimmt dessen Part, ja wird zu einem gleichwertigen Ersatz. Ausdrucksstark gespielt von Teco Cardoso. Hochkarätig besetzt ist auch der Rest der Band: Toninho Ferragutti am Akkordeon, Paulo Bellinati an der Akustikgitarre, Jovi Joviniano und Marcos Suzano an der Perkussion. Ausgesucht hat die Musiker der Produzent Rodolfo Stroeter, der auch den Bass spielt.

Nicht weniger kunstvoll sind Céline Rudolphs Eigenkompositionen, die Ausdruck der Arbeit mit der Musik Brasiliens, aber auch Ausdruck der Erfahrungen mit dem Land Brasilien sind. Der Rhythmus spielt in diesen Songs eine entwickelnde Rolle – er treibt an, bringt Stillstand, lässt die Stimme entschweben, holt sie wieder nach unten – er ist der eigentliche Motor.

Ein absolut hörenswertes Album! Die eigentlich spannenden Elemente erschließen sich aber erst, wenn man sich auf die Musik einlässt.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese von Menschen zu lösende Aufgabe ist zur Vermeidung von Spam-Inhalten leider notwendig.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Tags in diesem Artikel

Ähnliche Artikel

Alte Pianisten oder: Falsche-Noten-Spielern zum Lobe - Beethoven-, Chopin-, Reger- und Schumann-Einspielungen
01.02.2008 Ausgabe 2/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Hanspeter Krellmann
Wahrer Schatz
01.02.2008 Ausgabe 2/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Renate Watzlowik
Lohnende Entdeckung
01.02.2008 Ausgabe 2/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Elfriede Baranowski
Im Osten viel Neues
01.02.2008 Ausgabe 2/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Ursula Gaisa
Der frühe Songwriter fängt den Vogel - Neuveröffentlichungen der Popbranche im Fokus
01.02.2008 Ausgabe 2/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Sven Ferchow
Kleine Kosmen
01.03.2008 Ausgabe 3/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Susanne Schmerda
Chagalls Monde
01.03.2008 Ausgabe 3/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Michael Herrschel