Lust auf Neue Musik

Das Schweinfurter Gitarrenbuch verführt zu zeitgenössischer Musik


(nmz) -
Wer kennt nicht den Riesen Hagrid aus Harry Potter: Elke Tober-Vogt komponierte für junge Gitarristen „Hagrid tanzt ...“. Zuerst behäbig, dann immer schneller und schließlich „richtig wild“ tanzt der bärenstarke Mann und ist schließlich außer Atem. Kinder und Junggebliebene haben an dieser Musik nicht nur ihre Freude, sondern stehen auch vor der Herausforderung, ein spannendes Accellerando zu bewältigen.
Ein Artikel von Anton Moosdiele.

Manche der Stücke sind lyrisch, etwa „Wolkenlos“ von Robert Krenciszek oder das „Notturno“ von Max Beckschäfer. Manche lehnen sich an populäre Formen der Gitarrenmusik an, etwa die „Tarantella con peperoni“ von Dorothea Hofmann, oder der „Gitarren-Rap“ von Florian Meierott, der dem Spieler Notenmaterial zu eigener Improvisation, aber auch eine Fassung des Komponisten, den „Gangstergitarrist“, anbietet. Viele Kompositionen fassen sich in Kürze und sagen doch alles. Herbert Baumanns „Impomptu“ hat in einem ausdrucksintensiven „grave“ seinen Höhepunkt, das aus dem bisherigen und folgenden Duktus ausbricht. Doch es gibt auch große Konzertstücke wie die „RunenLaute“ von Franck Adrian Holzkamp, eine hoch expressive Klage, die vom Spieler einige Virtuosität erfordert. Die meisten Komponisten benützen herkömmliche Spielweisen. Doch Wolfgang Walter weitet das Klangspektrum der Gitarre durch sehr genaue Angaben wie einem „Spiel über dem Griffbrett“, „zum Steg hin“ oder „zum Schallloch hin“. Das weckt Lust auf Klangexperimente und schärft den Sinn für unterschiedlichste Klangcharaktere.

Die Gitarre ist eines der Instrumente, die ebenso Stille wie überbordendes Temperament bewusst machen können. Klaus Hinrich Stahmer lässt in „Nacht und Träume“, einem sehr phantasievollen, bisweilen geradezu phantastischen Stück, den „Stillstand der Zeit“ hörbar werden. Mit modernen Spieltechniken werden hier eine innere Traumwelt und deren Zusammenbruch in der Stille und im Nichts hörbar.

Noch viele weitere Spiel- und Hör-abenteuer bietet das Schweinfurter Gitarrenbuch. Vom Anfänger bis zum Virtuosen findet hier ein jeder neue Musik, die Lust macht, sie zu entdecken, und die genug Tiefe besitzt, um sie oft zu spielen und sie in ihrem Inneren kennen zu lernen. Das Schweinfurter Gitarrenbuch erschien im Verlag Vogt & Fritz, Schweinfurt /Karlsruhe und wurde vom Landesverband Bayerischer Tonkünstler herausgegeben. Die redaktionelle Betreuung übernahmen Prof. Dr. Hinrich Stahmer, Dorothee von Heydebrand, Johannes Tappert und Elke Tober-Vogt.

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