Mit eigenem Werk zum Bundeswettbewerb
Das Viersener Percussion-Ensemble brilliert mit Thomas Witzmann bei „Jugend musiziert“
Ein Artikel von Rüdiger Sornek.
Bereits Monate vor dem Bundeswettbewerb begann das Ensemble, an drei bis vier Tagen in der Woche intensiv an seinem Programm zu arbeiten. Der Kölner Komponist Thomas Witzmann schrieb dem Ensemble eigens zum Wettbewerb die Komposition „Reiberei“, die ungewöhnliche spieltechnische und schauspielerische Anforderungen stellt. „Die Arbeit an diesem Stück begann damit, dass wir Instrumente nach Anweisungen des Komponisten bauen mussten,“ erinnert sich Ralf Holtschneider. Die Spielanweisungen fordern das Zupfen von Trommeln, die mit Nylonfäden präpariert wurden, ebenso wie den Einsatz verschiedener Streicherbögen. „Reiberei“ beginnt scheinbar traditionell mit verschiedenen Trommeln, fordert aber bald ungewöhnliche Aktionen mit den Sticks.
Aufwändige „Reiberei“
Für ein Percussion-Ensemble bedeutet ein Wettbewerb eine logistische Herausforderung. Viele, nicht sonderlich handliche Instrumente müssen organisiert und transportiert, teilweise auch vor Ort geliehen werden: „Wir brauchten fünf Marimbaphone und konnten diese doch problemlos untereinander ausleihen,“ rühmt Holtschneider das Miteinander in Freiburg. „Wir halfen einander ohne Konkurrenzgefühl. Ein Miteinander und ein guter Austausch untereinander sind Charakteristika der Schlagzeuger.“
Am Pfingstfreitag reisten die jungen Männer an, um ihr Instrumentarium aufzubauen, denn am Pfingstsamstag stand die Wertung an. Fabian Amrath sieht die Aufbausituation als wesentlich an: „Am Freitag war uns für 18.00 Uhr eine Stunde Aufbauzeit gegeben worden, was jedoch mit der bei Schlagzeugern bekannten Materialschlacht recht knapp war, worauf wir unsere Instrumente schon vorher aufbauen konnten. Dadurch hatten wir den Vorteil, die ganze Stunde zur Anpassung unseres Aufbaus an die Bühne und zum Einstellen auf die Akustik des Raumes nutzen zu können. Der recht dunkle Saal im ‚E-Werk‘ der Stadt Freiburg hat eine große Bühne und einen großzügigen Zuschauerraum. Die Akustik war zwar durch riesige Vorhänge verbessert worden, aber nicht perfekt für unsere Stücke. Vier Ensembles sollten gleichzeitig auf der Bühne stehen, und jedes musste die Instrumente vor der Wertung parat haben. Unser Quintett war recht umfangreich an Instrumenten ausgestattet, so dass wir nahezu die ganze Bühne brauchten. Die Folge war, dass am Samstagmorgen unser Aufbau wieder verschoben werden musste, da die Einspielzeiten der anderen Gruppen noch vor unserem Wertungsspiel lagen. Glücklicherweise konnten wir jedoch unseren kompliziertesten Aufbau, den des Setup-Stückes ‚Tarré von Ronald Ford stehen lassen.“
Zu ihrem tadellosen Spiel bilanziert Gunnar Sornek: „Insgesamt waren wir sehr zufrieden mit unserer Leistung, und unser Lehrer hat uns sogar gelobt. Die restliche Zeit haben wir entweder im E-Werk mit dem Anhören von Wertungen oder in der Jugendherberge verbracht und konnten so auch viele andere Musiker kennen lernen.“ Benedikt, 15, und Alexander, 16, bekennen offen: „Wir haben zwar einen ersten Preis erhalten, aber über einen Punkt mehr hätten wir uns noch mehr gefreut.“
Die jungen Schlagzeuger bestreiten viele Auftritte bei Konzerten und Festivals im In- und Ausland und sind so zu Botschaftern der Region Niederrhein und des Landes Nordrhein-Westfalen geworden. Die Kreismusikschule Viersen entwickelte sich damit zu einer Talentschmiede für Perkussionisten, und es ist ein Glück, dass der Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ dies weithin ausweist.
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