Musik für Mandolinenquartett
Ein Artikel von Thomas Nytsch.
Für strenge Puristen des Originalklangs ist sie vielleicht weniger geeignet, dafür umso interessanter für Neugierige und Freunde anspruchsvoller Tonkunst: die gerade erschienene CD „Mich dauerts sehr, dich weinen sehn“ des Aramis Quartetts. Die vier Musiker machen seit drei Jahren in der außergewöhnlichen Besetzung mit zwei Mandolinen, Mandola beziehungsweise Altmandoline und Gitarre zauberhafte Musik. Der poetische, treffende Titel ihrer Debüt-CD mit unaufdringlich sinnlicher Kammermusik ist ein Vers aus einer Ballade Gottfried Herders, die dem Intermezzo op. 117 von Johannes Brahms vorangestellt ist. Dieses rundet in einer gelungenen Version für Mandolinenquartett das Album ab. Die Stärken des Quartetts werden schon nach wenigen Takten von Telemanns „Don Quixote Suite“ deutlich: Intensität und musikalischer Ausdruck entstehen nicht durch imponierende Lautstärke, sondern durch präzises Zusammenspiel, spannungsreiche Gestaltung und klangliche Nuancierung. Mit einer Fantasie über die bekanntesten Melodien aus Verdis „Traviata“ demonstrieren die Musiker ihr Gespür für musikalische Dramatik und liefern noch dazu ein Schmankerl der im 19. Jahrhundert äußerst zahlreichen kammermusikalischen Bearbeitungen populärer Opernmelodien. Die Klangästhetik fein schattierter Abstufungen wie in den drei „Lyrischen Stücken“ von Edvard Grieg, die der Gitarrist Oliver Strömsdörfer feinsinnig für die Quartettbesetzung bearbeitet hat, sind der ruhende Höhepunkt einer rundum gelungenen Aufnahme.
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