Pädagogische Potentiale Pastoraler Musik

Berufsbegleitende Fortbildungen an den Bundesakademien Trossingen und Wolfenbüttel


(nmz) -
Wohin geht es mit der Kirchenmusik? Angesichts tief greifender innerkirchlicher Umstrukturierungen und Neu-orientierungen sowie einschneidender Veränderungen in Gesellschaft, Familie und musikalischer Bildung stellt sich diese Frage in zunehmendem Maße. In Zeiten, in denen das Musizieren und Singen in Familien, in Kindergärten und Grundschulen nicht mehr als Selbstverständlichkeit gelebt wird, gleichzeitig Musik aber die oftmals einzige Verbindung zwischen der Kirche und einer wachsenden Zahl religiös weniger sozialisierter Menschen ist, steht die kirchenmusikalische Arbeit vor neuen Herausforderungen.
Ein Artikel von Christina Hollmann, Markus Lüdke.

Ausgabe: 
5/09 - 58. Jahrgang

Bereits heute kommen ihr neben der klassischen Arbeit im liturgischen Zusammenhang zunehmend pastorale, musikpädagogische und musikvermittelnde Aufgaben zu.

Vor dem Hintergrund der Gefährdung kirchenmusikalischer Infrastruktur durch Fusionen, Stellenabbau und -kürzungen können Öffnungen des Berufsfeldes Kirchenmusik in diese angrenzenden Bereiche neue berufliche Perspektiven bedeuten. Als kompetente und erfahrene Partner in der kulturellen Bildung haben die Bundesakademien in Trossingen und Wolfenbüttel Fortbildungen entwickelt, die diese Veränderungsprozesse professionell unterstützen und begleiten. Die für den Herbst dieses Jahres gemeinsam mit den kirchlichen Verbänden bundesweit ausgeschriebenen überkonfessionellen Fortbildungsangebote stehen hauptamtlichen Kirchenmusikern aller Landeskirchen und Bistümer, auch aus dem angrenzenden Ausland, offen.

Schwindendes Interesse an klassischer Musik, die Überalterung des Konzertpublikums und das Fehlen einer allgemeinen musikalischen Bildung sind inzwischen vertraute, vielerorts beklagte Phänomene. Auch im Bereich der Kirchenmusik finden Kunst und Publikum nicht mehr von allein zueinander. Kirchenräume füllen sich nicht selbstverständlich mit Hör- und Wissbegierigen. Ohren müssen heute für traditionelle wie für neue Klänge erst geöffnet werden. Die ab Oktober 2009 erstmalig stattfindende berufsbegleitende Fortbildung „Musikvermittlung im kirchlichen Bereich“ möchte neue Wege aufzeigen, auf das Publikum zuzugehen, insbesondere vor dem Hintergrund der vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten der Kirchenmusik. Denn diese ermöglicht die Vermittlung zugleich musikalischer wie theologisch-pastoraler Inhalte.

Eine Konzertpädagogik im kirchlichen Bereich wird deshalb nicht allein zu einem sinnlich bereichernden Hörerlebnis verhelfen, sondern zugleich auch andere Erfahrungsdimensionen erschließen wollen. Eine derart ganzheitliche Vermittlung steht im Zentrum der Fortbildung. In der Kursarbeit werden nicht allein grundsätzliche Fragen des bewussten Hörens und Wahrnehmens behandelt, sondern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten zudem das notwendige Rüstzeug für eine lebendige und publikumsorientierte Vermittlung von Musik im kirchlichen Kontext. Das Finden und Umsetzen neuer Ausdrucksformen – auch und gerade im Hinblick auf die Besonderheiten des Kirchenraums – sind ebenso Aspekte der Fortbildung wie die Professionalisierung in den Bereichen Moderation, Aktivierung und Einbeziehung des Publikums, Präsentieren und Inszenieren, Management und Öffentlichkeitsarbeit.

Erschließung neuerTätigkeitsfelder

Die Erschließung zusätzlicher Aufgabenfelder für Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker steht im Zentrum der Fortbildung „Musikerziehung in Gemeinde und Gesellschaft“. Sie eröffnet – insbesondere im Bereich des Singens mit Kindern – vielfältige neue Tätigkeitsbereiche. Kirchenmusik erwächst auf der Basis des Singens. Sie bietet einen Ort, wo alle gefördert, unterstützt und wertgeschätzt werden, sich alle aktiv mit ihren speziellen Fähigkeiten und individuellen Stärken einbringen können. Wo kirchliche Bildungsarbeit nicht mehr selbstverständlich auf religiös-musikalischem Repertoire aufbauen kann, ist diese integrative und milieuumfassende Arbeit gefährdet. Mehr denn je ist es daher notwendig, Erzieherinnen oder Mitarbeiter aus pastoralen Diensten, Gemeindereferenten, Diakone und Religionslehrer in die musikalische Arbeit mit Kindern einzubeziehen. Die aufgrund großer Nachfrage im Herbst bereits zum vierten Mal angebotene Fortbildung ermöglicht Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern eine Weiterqualifizierung ihrer singpädagogischen Kompetenz, um diese breiter einzusetzen und sie als Multiplikatoren in ihren Gemeinden an Dritte weitergeben zu können. Neben diesen fachlichen Impulsen bietet die Fortbildung in Übungen zum Selbst- und Projektmanagement Unterstützung für Veränderungsprozesse, für neue Aufgaben, Herausforderungen sowie konkret anstehende Projekte.

Veränderung als Chance

Beide parallel zur eigenen Berufstätigkeit verlaufende Fortbildungen dienen dazu, notwendige berufliche Schritte und Veränderungen zu initiieren, kreativ zu nutzen, selber zu gestalten. Sie sind jeweils auf zwei Akademiephasen angelegt. In der Praxisphase zwischen diesen gilt es, die Impulse und Anregungen auf die eigene Praxis vor Ort in den Gemeinden anzuwenden. Die abschließende Präsentation der Ergebnisse und Projekte und die gemeinsame Evaluation – sowohl von Seiten der Dozenten als auch der übrigen Fortbildungsteilnehmer – bietet die Möglichkeit einer ebenso praxis-orientierten wie kollegialen Beratung und Begleitung.

Christina Hollmann (Dozentin an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen) und
Markus Lüdke (Programmleiter Musik an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel)

Kontakt und weitere Informationen

Bundesakademie für kulturelle
Bildung Wolfenbüttel
Schloßplatz 13
38304 Wolfenbüttel
Tel. 05331/808-411
Fax 05331/808-413
post@bundesakademie.de
www.bundesakademie.de

Bundesakademie für musikalische Jugendbildung
Hugo-Herrmann-Straße 22
78647 Trossingen
Tel. 07425/94 93-0
Fax 07425/94 93-21
sekretariat@bundesakademie-
trossingen.de
www.bundesakademie-trossingen.de

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