Phänomen ECHO 2007
Ein Artikel von Sven Ferchow.
Selbst die Ankündigung, „Take That“ und „Simply Red“, zwei ausgemusterte und Schabracken des Popozeans, würden nagelneue Songs präsentieren, fällt eher unter die Kategorie „Jämmerlichstes Eingeständnis national, dass kein wirklicher Weltstar zum ECHO möchte“. Ach ja, „Die Fantastischen Vier“ scheinen auch dabei zu sein. Doch die ähneln langsam Co-Moderator Oliver Geissen. Der ist überall dabei, die sind überall dabei. Keine Quiz-, Talk-, Funsport- oder ultimative Show ohne Smudo.
Dass Jennifer Lopez, Freunde nennen sie JLo, zum ECHO 2007 kommt, ist eher eine Umweltverschmutzung als Unterhaltung, denn wer mag sich noch freiwillig an ihren letzten Hit erinnern? Ob sie ihr neues Lied dann in Spanisch oder Suaheli singt, ist egal. Das Drama liegt an anderer Stelle eingezwängt. Denn JLo reist nicht alleine. Im Gepäck: 3 Pudel-Coiffeure, 7 politisch korrekte Leibwächter, 13 Maskenbildner und ein Chirurgen Team mit gezogenen Botox-Spritzen. Ein immenser Aufwand für eine Playback-Show, denn wie wir Fluglotsen wissen, kostet der Einflug der Diva einen Ausstoß von 560 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids CO2 und 16 Tonnen Kerosin. One way. Kann sich da nicht Bundesumweltengel Gabriel einschalten? Der war doch mal Popminister. Soll er doch mal was Sinnvolles verbieten.
Das größte Unterhaltungs-Drama an sich bleibt freilich der ECHO. Bewertungsgrundlage sollen die von Media Control ermittelten Bestplatzierten der Top-10-Album-Charts vom 01. März 2006 bis 22. Februar 2007 sein. Aber Moment: Weint die Deutsche Phonoindustrie nicht seit Jahren, dass es gar keine Plattenkäufer mehr gibt? Woher haben die dann die Zahlen? Kaufen die Künstler wieder selbst ihre Platten? Wo ist eigentlich Jeanette Biedermann? Irgendwie scheint das Konzept nicht zu stimmen. Keiner kauft Platten, aber die, die nicht kaufen, sind ausschlaggebend für den ECHO. Vorschlag: Bitte die Bewertungsgrundlage ändern. Warum nicht die Künstler mit den meisten Downloads auszeichnen? Separiert in die Kategorien „Legal“ und „Illegal“. Das gäbe ein zeitgemäßeres Unterhaltungs-Bild, eine jüngere Zielgruppe und die große Spannung, welche immer wieder für irgendetwas ausgezeichnete Größen endlich von der Bühne gekegelt würden. Der ECHO 2007 bleibt also weiterhin der Humus für Biederkeit. Übrigens: Ralph Siegel erhält den ECHO für sein Lebenswerk. Wie dramatisch.
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