Piraterie im Musiknetz

Jahreswirtschaftsbericht der Tonträgerindustrie


(nmz) -
Ein Artikel von A. Diedrichsen, J. Wolff.

Ausgabe: 
5/99 - 48. Jahrgang

Am l4. April 1999 fand in Hamburg die Jahreskonferenz des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft statt, wo der Wirtschaftsbericht für das Jahr 1998 für den gesamten Tonträgermarkt veröffentlicht und kommentiert wurde. Dem Bundesverband gehören gegenwärtig über 400 Produzenten, Clubs und Verleger an, die damit rund 95 Prozent der Deutschen Tonträgerindustrie repräsentieren.
Hauptthemen der Pressekonferenz waren das leicht rückläufige Wirtschaftsergebnis und die rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die durch die jüngste technologische Entwicklung auf die Tonträgerindustrie zukommen.

In blanken Zahlen ausgedrückt, vermittelt die Bilanz: Einschließlich der nicht an der Verbandsstatistik beteiligten Firmen konnte ein Gesamtmarktvolumen von 5,3 Milliarden Mark erzielt werden, das damit um 1,4 Prozent niedriger ausfiel als im Vorjahr. Die Summe von 5,3 Milliarden Mark entspricht in Stückzahlen dem Absatz von etwas mehr als 270 Millionen CDs, Musikcassetten, LPs und Singles, wobei die Compact Disc mit fast 70 Prozent marktführend ist. Die Einbuße des Umsatzvolumens ist nach Einschätzung des Geschäftsführers des Bundesverbandes Phono, Peter Zombik, nur eine „leichte Delle auf hohem Niveau“.

Gewiß sind die zum Teil zweistelligen Zuwachsraten zu Beginn der 90er Jahre in große Ferne gerückt, doch verspricht man sich künftig durchaus erträgliche Zeiten. Die Produzenten betonen jedoch, daß ihr Hauptaugenmerk auf dem neuen technischen Umfeld liegen muß. Beim Stichwort Internet zeigt man sich besorgt über die ungehinderte Piraterie im Netz. Dem ist nur durch tiefgreifende rechtliche Schritte beizukommen, um eine wirtschaftliche Kontrolle langfristig in der Hand zu behalten.

Das Internet eröffnet jedem Musikliebhaber den Zugriff auf zahllose Titel weltweit. Allerdings wird das zum privaten Zweck genutzte Medium durch unerlaubtes Herunterladen von music files, vergleichbar vielleicht dem früheren Mitschneiden öffentlicher Sendungen, zum Tummelplatz ungesetzlicher Machenschaften. Die Branche beklagt nicht nur das Ausbleiben von Tantiemen; sie muß sich darüber hinaus in einem noch rechtsfreien Raum erheblicher Raubkopien erwehren. Produzenten und Künstler fordern daher eine verbindliche Eurorichtlinie für die Nutzung musikalischer Angebote im Internet.

All diese Überlegungen gelten ebenso dem sogenannten Klassikmarkt. Am Gesamtergebnis hat er einen Anteil von über acht Prozent und liegt damit unter den Spitzenpositionen im internationalen Vergleich. Dennoch wurde er im Rahmen der Pressekonferenz wie ein Stiefkind behandelt. Die stets auf die Pop-Charts schielende Industrie vermag sich bestenfalls an den Erfolgen der drei Tenöre oder der Pseudo-Klassik zum Film „Titanic“ zu erwärmen. Auch nach Meinung des Geschäftsführers der BMG Entertainment International, München, Thomas M. Stein, ist „die Repertoirevielfalt letztlich eingeschränkt“. Bleibt die beruhigende Feststellung, daß der Klassikmarkt als stabile Größe fortbestehen wird.

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