Stressfreier Zwölfton, Antworten auf Ives
Neue Klaviermusik mit Ueli Wiget, Magdalena Prejsnar und Heather O’Donnell
Ein Artikel von Max Nyffeler.
Sieben kleine Zyklen von Klavierpräludien polnischer Komponisten, entstanden 1951 bis 1992, stellt Magdalena Prejsnar auf ihrer Solo-CD Polish Piano Preludes vor. Zu den Werken von Komponisten wie Kilar, Serocki und Górecki aus den 50er-Jahren, die durch ihre rhythmische Prägnanz und vitale Charakterzeichnung auffallen, kontrastieren die beiden Werkgruppen von Krzysztof Knittel (1983) und Paweł Mykietyn (1992). Knittel schreibt eine eher verhaltene Musik, er hört den verklingenden Tönen nach und umkreist tonale Muster, während Mykietyn in die Vollen greift und seine minimalistische Motivik auch einmal zur dramatischen Erzählung ausweitet. Die Idee der Miniatur vermag die Komponisten offensichtlich zu inspirieren (Dux 0699, Vertrieb Musikwelt).
Der 1934 in Detroit geborene Roger Reynolds studierte Musik und Physik, arbeitete 1962 bis 1963 am Kölner Studio für elektronische Musik und leitete das Center for Music Experiment in San Diego. Einen repräsentativen Querschnitt durch das Schaffen des Multitalents bietet eine Doppel-CD mit Klavierkompositionen aus den Jahren 1960 bis 2007, teilweise in Kombination mit andern Instrumenten. Frühe Werke mit Live-Elektronik zeigen ihn als ideenreichen Klangexperimentator: In „The Angel of Death“ für Klavier, Ensemble und Computer (2001) laufen vielfarbige, manchmal auch reichlich ornamentale Klangströme nebeneinander her. Im Zentrum stehen jedoch die virtuosen, äußerst kontrastreichen Solostücke mit Yuji Takahashi und Eric Huebner als brillante Interpreten (mode 212/13).
Die in Berlin lebende amerikanische Pianistin Heather O’Donnell präsentierte 2004 zum 50. Todestag von Charles Ives beim Festival MaerzMusik ihr Projekt Responses Ives. Darin konfrontierte sie seine Klaviermusik mit neuen Stücken, die sie zu diesem Zweck in Auftrag gegeben hatte. Ein Teil des umfangreichen Unternehmens ist nun als Koproduktion mit dem Deutschlandfunk auf CD erschienen. Zu den auserwählten Zeitgenossen gehören Walter Zimmermann, Michael Finnissy, James Tenney, Sidney Corbett und Oliver Schneller. Die Gegenüberstellung ist gänzend gelungen, zumal die fünf Komponisten zu ganz unterschiedlichen „Antworten“ angeregt wurden – eine Galerie der Individualisten, ganz im Sinne von Ives (mode 211).
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